Klingnau AG

17. April 2019 15:20; Akt: 17.04.2019 15:20 Print

Arzt behandelte trotz Vorstrafen Patienten

Ein mehrfach vorbestrafter Arzt hat über zehn Jahre lang Patienten in seiner Praxis in Klingnau behandelt. Nun muss er sie schliessen.

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Er war bereits mehrfach vorbestraft und hatte in Deutschland eine Haftstrafe verbüsst. Trotzdem behandelte ein Allgemeinmediziner Patienten in seiner Praxis in Klingnau AG. So wurde er schon 1997, 1999 und 2001 wegen Steuerhinterziehung und Betrugs vom Amts- und Landgericht Dortmund verurteilt.

2009 bestrafte ihn das Landgericht Hagen wegen Vortäuschung einer Straftat und versuchten Betrugs zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung.

Berufsausübungsbewilligung entzogen

Trotzdem eröffnete er im August 2008 eine Praxis in der Schweiz. Wie die «Aargauer Zeitung» schreibt, behandelte er über zehn Jahre lang in einer Liegenschaft am Achenbergweg 5 Patienten. Im November 2017 wurde ihm wegen fehlender Vertrauenswürdigkeit die Berufsausübungsbewilligung durch das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) entzogen.

Der Grund: Das Bezirksgericht Zurzach hatte ihn im März 2016 wegen mehrfacher, zum Teil qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt. So soll der 83-Jährige unter anderem einem Drogensüchtigen Drogen und einem weiteren Unmengen an Tabletten verkauft haben – dieser verstarb noch vor dem Prozess.

Dem Arzt konnte der Verkauf von 4500 Tabletten des Betäubungsmittels Dormicum sowie mehrerer Packungen Rohypnol nachgewiesen werden. Zudem beschlagnahmten Ermittler 2520 Tabletten Dormicum in seiner Praxis. Das Gericht ging damals davon aus, dass der 83-Jährige die Betäubungsmittel «aus rein egoistischen Gründen und aus Gier» verkaufte.

Praxis innert 60 Tagen schliessen

Nun hat das Bundesgericht am Dienstag entschieden, dass der Facharzt für Innere Medizin seine Praxis schliessen muss. Damit wurde der Zwischenentscheid von Dezember 2018 bestätigt. Wie das DGS zur Zeitung sagt, muss er seine Praxis in Klingnau innert 60 Tagen auflösen und seine Patientinnen und Patienten informieren, wie sie ihre Krankengeschichten beziehen können.

Laut der «Aargauer Zeitung» droht ihm auch eine Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung sowie die Wegweisung aus der Schweiz. Zudem hat er die Gerichtskosten in Höhe von 3000 Franken zu zahlen.

(mon)