Grosseinsatz an Street Parade

14. August 2019 16:45; Akt: 14.08.2019 19:51 Print

«Bombenleger» wurde schon mal verurteilt

Beim 31-jährigen Mann, der an der Street Parade einen Bombenalarm ausgelöst hat, handelt es sich laut Recherchen von 20 Minuten um M. R.

Das sagt der Nachbar zu M.R.
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Nach dem Bombenalarm an der Street Parade hat die Polizei am Sonntag einen 31-jährigen Deutschen verhaftet. Dieser soll Bombenattrappen in einem Rucksack am Utoquai abgelegt haben. Die Tat hat er bei der Polizei zugegeben. Die Staatsanwaltschaft hat Untersuchungshaft beantragt.

Beim Mann handelt es sich um M. R.* Der 31-jährige Mann wohnt in einer Gemeinde des Kantons Aargau. «Die Polizei war am Sonntag hier. Ich habe gesehen, wie Polizisten einen Mann in Handschellen aus dem Block abgeführt haben», sagt ein Anwohner.

«Er lebte zurückgezogen»

Laut einem anderen Nachbarn hat die Kantonspolizei Zürich die Wohnung des Täters geräumt. «Ich habe viele Polizisten gesehen. Sie haben Fotos vom Auto des Tatverdächtigen gemacht», sagt er. Der 31-Jährige habe zurückgezogen gelebt: «Ich habe ihn kaum gesehen. Ab und zu haben wir uns ‹guten Tag› gesagt.» Er sei immer freundlich und nett gewesen. «Ich hätte nie gedacht, dass er so etwas macht», sagt der Nachbar weiter.

Ein weiterer Nachbar kam am Sonntag gerade nach Hause, als die Polizei wegen der Spurensicherung vor Ort war: «Ich habe gefragt, was da los sei. Sie wollten mir aber nichts sagen.» Zusammen mit seiner Familie habe er sich dann in der Wohnung verbarrikadiert: «Ich wusste ja nicht, was los ist. Wir hatten Angst. »

Zuvor wohnte er in einem Zürcher Gasthof

Gekannt hat er R. aber nicht. Man sei sich einfach mal im Haus begegnet: «Für mich sah er wie ein Durchschnittstyp aus, überhaupt nicht auffällig.» Hin und wieder habe er ihn extrem laut husten gehört. «Er hatte so einen richtigen Raucherhusten. Das ist so das Einzige, was ich von ihm mitbekommen habe.»

David Segel ist der direkte Nachbar von R.: «Er war sehr verschlossen, hat auch nie gegrüsst.» Er habe aus seiner Sicht fast keine sozialen Kontakte gehabt. «Zudem hat er sich in den letzten Wochen verändert, liess sich einen Vollbart wachsen und hörte arabische Musik – das hat mich richtig verunsichert», so Segel.

«Ich hätte nie gedacht, dass er so etwas macht»

Bekannt bei der Kölner Justiz

Der Mann ist seit zwei Jahren alleine Mieter dieser Wohnung, wie die Verwaltung auf Anfrage bestätigt. «Wir haben nichts Schlechtes über ihn gehört», sagt der Chef der Firma. Es habe keine Reklamationen gegeben. Auch bei der Wohnungsübergabe habe er einen guten Eindruck gemacht. «Sonst hätten wir ihm die Wohnung nicht vermietet.»

Bevor der 31-jährige Deutsche in den Kanton Aargau zog, wohnte er in einem Gasthof im Kanton Zürich: «Er ist von Köln aus in die Schweiz gekommen», heisst es dort.

In der deutschen Stadt ist er kein Unbekannter. Wie die Staatsanwaltschaft Köln auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt, fiel der 31-jährige R. einmal strafrechtlich relevant auf. Er wurde im Jahr 2014 vom Amtsgericht Köln wegen Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Geldstrafe verurteilt.

Äusserungen passen zum Profil des forensischen Psychiaters

Die Schilderungen der Nachbarn, dass R. zurückgezogen gelebt habe und man ihn nicht wirklich kannte, passt auch zum Profil, das der forensische Psychiater Thomas Knecht über den Tatverdächtigen in einem Interview mit 20 Minuten erstellt hat. Er sagte: «Es handelt sich wohl um jemanden, der sich ohnmächtig und bedeutungslos fühlt und möglicherweise auch isoliert lebt. Er wollte erleben, wie alle auf sein Kommando reagieren.»

*Name der Redaktion bekannt


Der Grosseinsatz an der Street Parade im Video.

(mon/jen/tam)