Autobahnen

03. August 2016 05:48; Akt: 03.08.2016 08:19 Print

Auf Rastplätzen wird tonnenweise Müll entsorgt

Statt ihren Müll in einem gebührenpflichtigen Sack zu entsorgen, deponieren ihn Private und Gewerbler auf Autobahnrastplätzen. Es landen sogar Aquarien oder kiloweise Brot dort.

Stinkig und vergammelt: Abfallsünder deponieren illegal Müll auf Parkplätzen. (Video: Alice Grosjean)
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Eine Schaumstoffmatte und ein Coop-Sack voller Gläser mit selbst gemachten Konfitüren stehen am frühen Dienstagmorgen neben den grossen Abfallkübeln auf dem Autobahnrastplatz Kemptthal. Routiniert nehmen Patrick Arendt und André Lehmann den Güsel auf. Dann öffnen die Mitarbeiter des Autobahnwerkhofs Winterthur den Eimer.

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Diese sind für den Müll gedacht, der auf der Autofahrt abfällt, doch die prall gefüllten Plastiksäcke sehen eher nach Hauskehricht aus. «Das ist noch nichts. Normalerweise finden wir viel mehr», sagt Arendt und kettet mit seinem Kollegen den Müllsack an einen Kran. Arendt drückt auf einem Knopf seiner Fernsteuerung, der Sack wird zu ihrem Kehrichtwagen transportiert.

Private und Gewerbetreibende werden erwischt

Seit sechs Jahren gehen die beiden auf den Autobahnrastplätzen in der Region mindestens einmal wöchentlich auf Tour und ärgern sich immer wieder über vielen Hauskehricht oder Sperrmüll, der illegal hier entsorgt wird: «Wir haben schon Sofas, Wasserbetten oder ein Aquarium gefunden – teilweise sind die Möbel in ihre Einzelteile zerlegt, damit es nicht so auffällig ist.»

Dieses Phänomen beschäftigt auch ihr Chef Beat Städler, Betriebsleiter des Werkhofes Winterthur: «Die anonymen Autobahnrastplätze ziehen Abfalltouristen an, die Gebühren sparen wollen oder schlicht faul sind, ihren Müll fachgerecht zu entsorgen.» Und es seien nicht nur Private: «So hat etwa eine Grossbäckerei ihr Verpackungsmaterial hier entsorgt oder eine Zeitlang fanden wir im gleichen Kübel immer wieder kiloweise Brot.» Schnell sei man auf den Täter gestossen: «Es war ein Lieferant eines Grossisten, der seine überschüssigen Lebensmittel deponiert hat.»

Abfallsündner müssen mit bis zu 50'000 Franken Busse rechnen

Wird ein Abfallsünder erwischt, kann das je nach Vergehen mit 200 bis 50'000 Franken gebüsst werden, wie Karin Unkrig, Sprecherin der Filiale Winterthur des Bundesamt für Strassen (Astra), sagt. Auch die Kantonspolizei führe auf den Autobahnrastplätzen regelmässig Kontrollen mit den Mitarbeitern des Werkhofes Winterthur durch – zuletzt hat sie Anfang Juli fünf Personen ermahnt und drei Personen an das Statthalteramt verzeigt. «Wer seinen Müll so entsorgt, hinterlässt oft Spuren wie zum Beispiel Adressaufkleber», sagt Unkrig. Sie appelliere deshalb an die Vernunft der Leute.

Trotzdem kommen noch viele ungeschoren davon, einige deponieren ihren Kehricht sogar vor den Augen der Müllmänner Arendt und Lehmann: «Sprecher wir sie darauf an, werden sie frech und sagen, dass uns dies nichts angehe.» Manchmal notieren sie die Autonummern und melden es der Polizei: «Doch das ist rechtlich heikel.»

Abfallsünder aus allen Gesellschaftsschichten

Die beiden steuern mit ihrem grossen Müllwagen den nächsten Kübel an, ein leerer Kanister liegt daneben. Ungefähr 600 Tonnen Abfall werden jährlich auf den Autobahnrastplätzen im Kanton Zürich eingesammelt – laut Städler stammt ein Drittel bis die Hälfte von illegal Entsorgenden.

Diese kommen aus allen Gesellschaftsschichten, manche fahren gar mit teuren Autos vor, wie Arendt sagt: «Wir sehen auch immer wieder Rentner, die viel Zeit haben, um ihren Güsel so zusammenfalten, damit er auch auch durch die Öffnung des Kübels passt.» Die gestressten Berufstätigen stellten ihre zu grossen Abfallsäcke hingegen eher neben den Eimer. Dies alles stimme ihn nachdenklich, sagt sein Kollege Lehmann: «Zu Hause macht man das doch auch nicht.»

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Flo am 03.08.2016 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinderstube

    Immerhin, diese Leute entsorgen ihr Zeugs noch einigermassen "fachgerecht". Mich nervt mehr, was unterwegs aus dem Autofenster geschmissen wird. Auf einer Strecke von 1.7km 18 Dosen und 11 Petflaschen. Deswegen müssen dann Kühe notgeschlachtet werden, Diagnose: Redbull.

  • Büezer am 03.08.2016 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Datenschutz

    hin oder her. Die Plätze Videoüberwachen und die Schmutzfinken öffentlich anprangern. Dieses Kuschelverhalten bringt solche Typen hervor die sich alles zu erlauben glauben. Und das zu lasten von denen die sich an die Regeln halten.

  • Miriam G. am 03.08.2016 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Niemals

    Wer das tut soll sich schämen. Und wer erwischt wird sollte 1. garantiert bestraft warden und 2. wesentlich höhrere Bussen bezahlen müssen. Ich übernehme die Verantwortung für meinen Abfall und entsorge entsprechend. Es käme mir NIE in den Sinn etwas einfach so zu entsorgen oder irgendwo auf den Boden zu werfen. NIEMALS! Respekt für die Umwelt, die mir z.B. die Luft zum Atmen gibt, das Wassser zum Trinken etc. ist leider nicht mehr allen gegeben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sepp am 04.08.2016 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht auch anders

    Wen man zu faul ist gerecht entsorgen stellt man die alte Polstergruppe Stereo Anlage ect. einfach an einen Weg und schreibt gratis zum mitnehmen. Das habe ich letzte Woche in einem schönen Tesisiner Dorf gesehen. Auch da sollte die Gemeinde eingreifen. Nach Tagen lag das alles noch da und zudem nass. Bedenklich.

  • R.H. am 04.08.2016 09:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldquelle

    Das wäre doch eine Geldeinahmequelle, warum hier nichts unternommen wird, begreife ich nicht. Die Bussen müssten aber hoch sein! Wer kein Geld hat 3 Monate Unrat sammeln aber ohne Sammelhilfe sondern von Hand.

  • Ursache am 04.08.2016 05:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ursache des Problems

    Das Problem liegt darin, dass alle nur zuschauen. Wir sind alle zu bequem: Bei unserer Entsorgungsstelle wäre vieles gratis zu entsorgen, aber wenn diese geschlossen ist, werfen die Leute einfach den Abfall vors Tor. Die Gemeindeangestellten können dann wieder aufräumen. Die Gemeindeverantwortlichen haben auch kein Interesse an einer Lösung des Problems; schliesslich ist es ja nicht ihr Geld, welches fürs Aufräumen gebraucht wird, sondern jenes der Steuerzahler. Argumentiert wird immer mit dem Datenschutz aber warum soll jemand geschützt werden, der was illegales macht?

  • Schnabias am 04.08.2016 00:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Behörden gefordert

    Seit Jahren spricht man von dem neudeutschen Wort 'Littering'. Aber mehr als dieses Wort zu kreieren ist niemandem eingefallen, obwohl das Problem rasant zunimmt. Wir hätten die entsprechenden Gesetze, die allerdings nichts nützen, wenn sie nicht durchgesetzt werden. Mehr Personal und wesentlich intensiver überprüfen!

  • Kurt am 03.08.2016 14:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    10000 geldbusse

    Littering sollte mit einer viel zu hoch angesetzten geldbusse besrtaft werden. Bei einer 10'000 geldbusse überlegt es man sich ev 2 mal den Müll doch fachgerecht zu entsorgen..