Zürich-Oerlikon

26. Oktober 2018 05:41; Akt: 26.10.2018 14:58 Print

Auf einmal war die Wohnung 530 Fr teurer

In einem Inserat hatte G. K. die perfekte Wohnung gefunden. Doch plötzlich erhöhte die zuständige Verwaltung die Miete um 530 Franken.

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Eine bezahlbare Wohnung in Zürich zu finden, ist gar nicht so einfach. Umso mehr freute sich die junge Aargauerin G. K.*, als sie online ein Inserat für eine günstige 4,5-Zimmer-Wohnung in Zürich-Oerlikon entdeckte. «Eine 100 Quadratmeter grosse Wohnung für 2150 Franken findet man nicht alle Tage.»

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Um das Angebot nicht zu verpassen, habe sie gleich die Vormieterin kontaktiert, die im Inserat angegeben war. «Ich wollte einen Besichtigungstermin vereinbaren. Sie riet mir aber, zuerst das Bewerbungsformular auszufüllen und es der Verwaltung zu schicken.»

Wohnung plötzlich 530 Franken teurer

Das tat die Frau auch. Und erhielt prompt eine Antwort: «Wincasa schrieb mir, dass die Wohnung nun 2680 Franken kostet», sagt K. Auf die Frage nach den Gründen für den höheren Mietzins erhielt sie erst eine Woche später eine Rückmeldung. In dem E-Mail, das 20 Minuten vorliegt, heisst es: «Da die bisherige Mieterin bereits seit 12 Jahren in der Wohnung wohnt, ist es so, dass sich die Marktmiete während dieser Zeit deutlich erhöht hat und wir somit den Mietzins dementsprechend anpassen müssen.»

Die Aargauerin wird die Wohnung nicht nehmen. Das Vorgehen kann sie nicht nachvollziehen: «Warum findet diese drastische Erhöhung mitten in der Bewerbungsphase statt? Ich finde das ganze Vorgehen eine Frechheit und merkwürdig.» In der Zwischenzeit sei auch das Online-Inserat verschwunden. Zudem soll die aktuelle Mieterin nichts von der Erhöhung gewusst haben: «Sie hatte lediglich die Information erhalten, dass sie jemanden suchen soll, der die Miete bezahlen kann und ab dem 1. Dezember einziehen möchte», sagt K.

Wincasa rechtfertigt sich

Bei der Wincasa sieht man das anders. Die Verantwortlichen sprechen von einem Missverständnis: «Die aktuelle Mieterin hat zeitgleich mit der Einreichung ihrer Kündigung ohne Rücksprache mit Wincasa ein Inserat online geschaltet.» Die Frau habe das Inserat zwischenzeitlich selber gelöscht.

Zudem soll der neue Mietzins dem ortsüblichen Rahmen bei vergleichbaren Bauten entsprechen: «Er bewegt sich in einem vom Markt akzeptierten Mietzinsniveau.» Ob es in der 2004 erbauten Liegenschaft Renovationen geben soll, könne man nicht sagen. Dazu heisst es: «Diese Entscheidung kann erst nach einer Besichtigung erfolgen. Die Wohnung wird aber im üblichen Rahmen einer Wiedervermietung instand gestellt.»

«Ich finde das unfair und nicht richtig»

Beim Mieterverband hält man diese drastische Mietzinserhöhung für eine Frechheit, wie Sprecher Fabian Gloor sagt: «Ich finde das nicht richtig und dem neuen Mieter gegenüber unfair.» In der Branche sei das aber leider üblich. «Für Wincasa wird es aber schwierig nachzuweisen, dass der neue Mietzins dem ortsüblichen Rahmen entspricht.»

Er rät Gloor dem zukünftigen Mieter, den Vertrag anzufechten: «In Zürich hat man ein Recht darauf, den ursprünglichen Mietzins zu erfahren.» Sollte dieser viel tiefer sein, kann man dagegen vorgehen: «Schon bei zehn Prozent spricht man von einer erheblichen Erhöhung.» Wird die Wohnung hingegen saniert, sieht der Fall anders aus: «Da kommt es darauf an, was alles renoviert wird. Ein neuer Anstrich reicht aber nicht aus.»

HEV Zürich will sich nicht dazu äussern

Beim Hauseigentümerverband Zürich (HEV) will man sich nicht dazu äussern: «Da wir keine Details kennen, können wir keine Aussage zu dem Fall machen», sagt Sprecher Luca Roncoroni. «Bei einem Mieterwechsel kann der Mietzins aufgrund verschiedener Faktoren aber durchaus erhöht werden.»

*Name bekannt

(mon)