Zürich

09. Juni 2011 19:54; Akt: 09.06.2011 20:08 Print

Aus Rache und Frust diverse Autos beschädigt

von Attila Szenogrady - Ein Arbeitsloser aus Rüti hat in Zürich über zwei Dutzend parkierte Personenwagen zerkratzt. Als Tatmotiv gab er Rache an der Gesellschaft an. Nun wurde er verurteilt.

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Rache an der Gesellschaft, gab der heute 34-jährige Angeklagte aus Rüti vor Gericht als Tatmotiv an. «Was haben ihnen die Autos denn angetan?», wollte der Richter vom arbeitslosen Schweizer wissen. «Meinen sie, ich würde Menschen ankratzen», antwortete der weitgehend geständige Beschuldigte.

Er lebt heute im Zürcher Oberland in einer begleiteten Wohngruppe und verdient wenige Franken pro Tag. Ein deutlicher Gegensatz zu den Weihnachten 2008, als er innerhalb von wenigen Tagen einen Sachschaden für über 60 000 Franken anrichtete.

Kratzer und Hakenkreuze

Der Angeklagte wohnte damals in einer Absteige im Zürcher Kreis. Seine Nachbarschaft habe sich aus Alkoholikern und Prostituierten zusammengesetzt, erinnerte er sich zurück. Es war am 17. Dezember, als er an der Anwandstrasse ein erstes parkiertes Auto mit einem Schlüssel zerkratzte. Er beschädigte nicht nur die rechte Fahrzeugseite, sondern auch die Kühlerhaube. Dabei ritzte er ein Hakenkreuz in die Karosserie des deutschen Fahrzeugs.

In den nächsten Tagen schlug der psychisch angeschlagene Drogenkonsument immer wieder zu. Als er am 30. Dezember von der Polizei auf frischer Tat ertappt wurde, hatte er bereits 25 Fahrzeuge beschädigt. Schon damals gab der in schwierigen Verhältnissen aufgewachsene Zürcher Oberländer Wut und Hass als Triebfedern für seine sinnlosen Zerstörungen an.

Vermindert Schuldfähig

Die Staatsanwaltschaft verlangte am Donnerstag wegen mehrfacher Sachbeschädigung eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten sowie ein Weisung, eine ambulante Psychotherapie zu absolvieren. Die Verteidigung sah es anders und setzte sich für eine milde, bedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu zehn Franken ein. Rechtsanwältin Sonja Gabi verwies auf eine frühere schizophrene Erkrankung ihres Klienten und ging deshalb von einer stark verminderten Zurechnungsfähigkeit Schuldfähigkeit aus.

Das Gericht bejahte die Krankheit und warf eine mittelgradige Verminderung der Schuldfähigkeit in die Waagschale. Was zu einer Strafsenkung auf noch acht Monate Freiheitsentzug auf Bewährung führte.

Bewährungshilfe und Psychotherapie

Wichtiger für das Gericht war jedoch die Anordnung einer Bewährungshilfe für eine lange Probezeit von vier Jahren. Zudem ordnete es die Weisung für eine ambulante Psychotherapie an. Oberstes Ziel sei es schliesslich, einen Rückfall zu verhindern, sagte der Vorsitzende.

Bezüglich der Sachbeschädigungen wurde der Beschuldigte grundsätzlich verpflichtet, für den Schaden aufzukommen. Ueber die Einzelfälle wird ein Zivilgericht entscheiden müssen.