Bezirksgericht Zürich

31. März 2011 19:18; Akt: 01.04.2011 12:56 Print

Aus falschen Fünflibern harte Franken gemacht

von Attila Szenogrady - Ein polnischer Berufsbetrüger ergaunerte sich an Billett-Automaten mit falschen Münzen rund 25 000 Franken. Nun muss er ins Gefängnis.

storybild

Ein Betrüger hat an Billett-Automaten rund 25000 Franken mit falschen Fünflibern ergaunert. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es war am frühen Abend, als am vergangenen 9. September einer Zürcher Polizeipatrouille eine verdächtige Person vor einem Billet-Automaten der VBZ auffiel. Der verdächtige Mann hielt einen Plastiksack mit Münzen in den Händen und fütterte den Kasten wie einen Geldspielautomaten in Las Vegas. Allerdings gab es einen entscheidenden Unterschied zu den Glücksapparaten. Der «Spieler» ging immer als Sieger hervor und kassierte Geld ein. Die Polizeibeamten nahmen den Mann fest und erzielten dabei einen Volltreffer. So handelte es sich beim festgenommenen Familienvater um einen polnischen Berufsbetrüger, der die VBZ und den Stadtbus Winterthur schon seit dem November 2009 regelmässig ärgerte.

Der verhaftete Osteuropäer legte sogleich ein umfassendes Geständnis ab. Demnach hatte er zehn Monate lang in Winterthur und Zürich die Billet-Automaten der öffentlichen Verkehrsbetriebe geplündert. Dabei hatte er jeweils eine angeschliffene 1-Rubel-Münze in der Grösse eines Fünf-Franken-Stücks eingeworfen und danach das günstigste Billet für 2 Franken und zehn Rappen angewählt. Worauf er nach jedem Einwurf das Wechselgeld für zwei Franken und 90 Rappen einsacken konnte. Ein gutes Geschäft, da die Rubel-Münze gerade einmal drei Rappen wert ist.

Über 25 000 Franken ergaunert

Die Bilanz des Neppers konnte sich sehen lassen. In Zürich holte er mit rund 7880 1-Rubel-Münzen rund 22 850 Franken heraus. In Winterthur ergatterte er mit 300 1-Rubel-Münzen rund 870 Franken. Zu den Opfern zählte auch die Selecta AG, deren Lebensmittelautomaten der Täter mit wertlosen 25-Centavo-Münzen aus Guatemala füllte und damit illegal Waren für rund 2400 Franken bezog.

Die Ermittlungen ergaben, dass der Beschuldigte schon seit dem Jahre 2004 mit einer Einreisesperre in die Schweiz belegt war und bereits früher wiederholt als Münzen-Betrüger verurteilt worden war.

Hohe Strafe verlangt

Für den zuständigen Staatsanwalt Daniel Kloiber war das Mass voll. Er verlangte für den Beschuldigten eine unbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten und erkannte im Tatmotiv reine Geldgier. Im Gegensatz zum Verteidiger, der auf die beklemmende finanzielle Situation des zweifachen Vaters in seiner Heimat hinwies.

Der Angeklagte selber brach vor den Schranken wiederholt in Tränen aus und erklärte, dass er nur noch so schnell wie möglich wieder nach Hause wolle. Die Verteidigung setzte sich für eine Strafe
von neun Monaten ein.

Gericht schlug Mittelweg ein

Das Gericht schlug einen Mittelweg ein und setzte wegen gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage sowie Widerhandlung gegen das Ausländergesetz eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten fest. Die Hälfte davon soll der Pole absitzen. Die andere Hälfte wurde auf Bewährung ausgesetzt. Allerdings bei einer langen Probezeit von vier Jahren.

Das Gericht liess die beim Betrüger sichergestellten Geldbeträge für rund 1680 Franken beschlagnahmen. Die Summe soll zur Deckung der Verfahrenskosten dienen. Die sichergestellten Rubel und Centavos sollen dagegen vernichtet werden. Ankläger Kloiber war mit der Strafe nicht zufrieden und kündigte Berufung an.