Wegen Provisionen

05. Mai 2014 08:54; Akt: 05.05.2014 12:19 Print

Austauschjahr in den USA wurde zum Albtraum

«Dreckskerl» nannte die EF-Koordinatorin den 16-Jährigen, und seine Gastfamilie kontrollierte ihn von A bis Z. Wie das Austauschjahr eines Zürchers in Kalifornien zum Horror wurde.

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Für den 16-jährigen Konstantin begann das Austauschjahr in Kalifornien - hier die Golden-Gate-Brücke in San Francisco - unschön. (Bild: Keystone/AP/Eric Risberg)

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«Bist Du bereit für das grosse Abenteuer?», fragt die Firma EF Education First in ihrer Werbung. «Während deines EF High School Years hast du die einmalige Chance, neue Herausforderungen anzunehmen, viele nette Menschen kennen zu lernen, eine Fremdsprache zu erlernen und erwachsen zu werden.» Klingt gut, doch der 16-jährige Konstantin aus Zürich hat keine guten Erinnerungen an den Beginn seines Austauschjahres 2012 in Kalifornien.

Von Beginn sei er in seinem neuen Zuhause mit Vorwürfen konfrontiert gewesen: «Meine Gastmutter baute ein Kontrollsystem auf, verbot mir auszugehen, drohte mir mit Konsequenzen bei Alkoholkonsum und nahm mir meinen Laptop und mein Handy weg», sagte Konstantin dem «Tages-Anzeiger». Sie solle ihn sogar beschuldigt haben, 500 Dollar von ihr gestohlen zu haben. Die Gastmutter und die EF-Hauptkoordinatorin Sandra Woods sollen dabei in permanentem Kontakt gestanden haben. Nach diversen Vorwürfen drohte Konstantin die Kündigung und die frühzeitige Heimreise.

Mehr Provisionen einstreichen

Es kam gemäss «Tages-Anzeiger» der Verdacht auf, dass die Hauptkoordinatorin sehr daran interessiert war, Konstantin frühzeitig nach Hause zu schicken. So könnte sie einen anderen Schüler in der Gastfamilie platzieren und mehrfach Provisionen einstreichen. Diese Vorgehensweise wird im Bericht durch den Ex-EF-Koordinator William Alexander bestätigt, der sich nach seiner Kündigung an das Departement of State in Washington wandte. Zudem bestätigte Alexander laut «Tages-Anzeiger», dass Woods eine persönliche Aversion gegen Konstantin hatte. Alexander suchte für Konstantin schliesslich eine neue Familie, wo er sein EF Highschool Year zu Ende bringen konnte.

Der Fall war aber deswegen noch nicht abgeschlossen. Konstantins Mutter wehrte sich weiter und erreichte schliesslich, dass Danielle Grijalva, Direktorin der ausländischen Studenten in Kalifornien, beim Departement of State eine Beschwerde gegen Woods einreichte. Dabei wurde auch aus dem SMS-Verkehr zwischen Woods und Alexander betreffend dem Austauschschüler Konstantin zitiert. Demnach schrieb Woods Dinge wie «I wish we could just send his ass home.» (Ich wünschte mir, wir könnten diesen A... einfach heimschicken) oder «He's a punk.» (Er ist ein Dreckskerl).

«Kinder werden hin- und hergeschoben»

Grijalva sagte dem «K-Tipp»: «Das Problem von EF und ähnlichen Organisationen ist, dass sie nicht genug passende Gastfamilien finden. Deshalb werden die Kinder ständig hin- und hergeschoben.» Sie kritisierte auch das Besoldungssystem für EF-Betreuer, die auf Provisionsbasis arbeiteten. Pro Austauschschüler gebe es mindestens 300 Dollar. Je mehr Schüler EF-Betreuer unterbringen würden, desto mehr Boni bekämen sie.

Zwischen der Mutter von Konstantin und dem Zürcher Büro von EF gab es zwar nach diversen Anläufen der Mutter ein Gespräch. Dabei habe EF zwar zugegeben, dass nicht alles optimal gelaufen sei, doch erhielt sie weder eine Entschuldigung noch eine finanzielle Entschädigung. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» äusserte sich EF-Programmleiter Mario Tschopp schriftlich: «Der Fall ist uns bekannt, und wir haben die angezeigten internen Schritte unternommen (...).» Unklar bleibt, ob Woods weiterhin bei EF tätig ist – dazu will man sich aus «Gründen des Persönlichkeitsschutzes» nicht äussern.

(rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel Steiger, Bern am 05.05.2014 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    EF - nie mehr!

    ups.. Genau die gleiche Story erlebt mein Sohnemann derzeit in CA! Rauschmiss aus der Gastfamilie nach 2 Wochen. 5 Umplatzierungen und Rauschmiss aus der Schule, wegen nicht Erscheinen beim Unterricht, was ja kein Wunder ist bei 30 Meilen Anreise. Die Betreuerin vor Ort war unfähig und das Verhalten gegenüber dem Austauschschüler untragbar. 6 Wochen wartete er auf eine neue, zumutbare Platzierung. In dieser Zeit keine Schulische Integration. Heute ist er in Texas und wartet nur noch auf seine Heimreise. Unsere Erfahrung mit EF - Nie mehr!! Nur leere Versprechungen für sehr viel Geld.

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  • norbert hostettler am 05.05.2014 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    werbung in 20min

    20min macht derweil munter werbung für diese organisation. siehe publireportagen/wettbewerbe.

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  • Rolf Stettler am 05.05.2014 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    EF & Gastfamilien, das kenne ich...

    Ich war vor ein paar Jahren mit EF in England. Die Schule und der Aufenthalt war super. Wie viele andere sage ich auch, das war eine meiner besten Zeiten. Die Gastfamilie war aber auch nicht über jeden Zweifel erhaben. Im ganzen Haus hatten die nicht einen einzigen Tisch. Es scheint, dass EF bezüglich den Gastfamilien öfters keine glückliche Hand hat und diesem Punkt zuwenig Beachtung schenkt. Ich empfehle jedem, der einen Auslandaufenthalt machen will, die Schule und die Unterkunft vorgängig kritisch zu prüfen. Das erspart Überraschungen und Ärger.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gioia am 05.05.2014 13:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NZ

    2014. EF Auckland 10 wochen: nie mehr!

  • Kevin von Holzen, Ennetbürgen am 05.05.2014 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    EF Brisbane / Vancouver - aktuell

    Letzten Herbst habe ich einen viermonatigen Sprachaufenthalt in Brisbane, Australien, absolviert. EF hat dann die Reise perfekt vorbereitet und der Sprachaufenthalt war das beste was mir passieren konnte. Ich hatte eine geniale Zeit mit EF und die Sprachschule klar besser ist als andere in welchen ich bereits war. (Eurocentre und Kaplan). Die Ausflüge mit der Schule waren perfekt organisiert und meine Englischkenntnisse haben sich sehr stark verbessert. Die Familie war ebenfalls toll. Mein Bruder ist nun mit EF in Vancouver und hatte ebenfalls noch keine Probleme.

  • Mr. T am 05.05.2014 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Regeln

    Man unterschriebt bei EF eine Vereibarung bei der ganz klar geregelt ist, dass man bei Alkoholkonsum die Heimreise antreten muss.

  • Priska Wyss am 05.05.2014 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Austauschjahr

    War vor 15 jahren mit EF 1 jahr lang austauschschühler in ohio. War ein super jahr das ich nicht missen möchte! Stehe heute noch mit meiner gastfamilie in kontakt!!

  • Tina Stettler am 05.05.2014 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lingua ist zu empfehlen

    Linguaservice in Chur. Top Beratung, gute Schulen und Praktikumsplätze und super Gastfamilien. Meine 2 Kinder sind zurzeit in Paris und Kanada. Preis/Leistung ist hervorragend. Betreuung durch die Schulen und Gastfamilien an Ort lässt nichts zu wünschen übrig.