Hinwil ZH

23. Oktober 2019 04:57; Akt: 23.10.2019 20:35 Print

Auto überschlägt sich und Zeugen helfen nicht

Auf der A53 ereignete sich am Samstag ein Unfall. Im Gegensatz zu anderen Autofahrern hielt Rolf M. sofort an und eilte den Verunfallten zu Hilfe.

Eine Dashcam hielt den Unfall fest. (Video: Leser-Reporter)
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«Die Ignoranz dieser Autofahrer schockiert mich», sagt Rolf M. Der 60-Jährige war am Samstag auf der A53 beim Kreisel Hinwil unterwegs, als sich vor ihm ein Selbstunfall ereignete. Seine Dashcam filmte, wie ein silbernes Auto von der Strasse abkommt, einen Zaun durchbricht, sich überschlägt und schliesslich auf der Seite liegen bleibt.

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M. verlangsamte und hielt auf einem Rasenstreifen an, der die mehrspurige Autobahn trennt. Wie auf den Aufnahmen zu sehen ist, fuhren zwei nachkommende Autos einfach an der Unfallstelle vorbei. Laut M. waren sie nicht die Einzigen: «Der Unfall ereignete sich etwa 200 Meter vor mir. Das Schlimme ist, dass die Autos, die vor mir gefahren waren und den Unfall ebenfalls beobachtet hatten, nicht anhielten.» Teilweise seien die Autofahrer den herumliegenden Autoteilen einfach ausgewichen, so M.

«Sie hatten ein Riesenglück»

Für ihn ist das unverständlich: «Es ist doch klar, dass man in einer solchen Situation sofort anhält, den Notruf wählt und nach den Insassen im Fahrzeug schaut.» Genau das machte M. «Ich war der Erste, der den Verunfallten zu Hilfe eilte. Etwas später kamen noch andere Personen hinzu.» Zusammen stemmten sie die Autotür auf und befreiten die zwei Insassen: «Sie hatten ein Riesenglück. Es ist ein Wunder, dass sie unverletzt blieben.»

Die Kantonspolizei Zürich bestätigt den Verkehrsunfall, der sich am Samstag um 11.30 Uhr ereignet hat. Laut Sprecher Florian Frei wurde niemand verletzt. Es entstand Sachschaden in Höhe von mehreren Tausend Franken.

Hilfe im Sinne der Solidarität

Laut Mike Egle, dem Sprecher der Stiftung für Verkehrssicherheit Road Cross, ist es nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine moralische Frage, bei einem Verkehrsunfall Hilfe zu leisten: «Man sollte sich die Frage stellen, ob man nicht selbst froh um Hilfe wäre.»

Es gebe sicher Leute, die sich nicht in der Lage fühlen würden, zu helfen oder auch Respekt vor der Unfallsituation hätten. «Im Einzelfall kann das legitime Gründe haben», so Egle. Allerdings: «Wenn Hilfe möglich ist, dann zählen wir darauf, dass diese im Sinne der Solidarität und der Eigenverantwortung der Verkehrsteilnehmer tatsächlich geleistet wird.»

Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren

Auch Daniel Graf, Sprecher beim TCS, sagt, dass sich viele Personen nicht trauen würden, Nothilfe zu leisten. «Eine Untersuchung des TCS zusammen mit dem Samariterbund hat leider ergeben, dass viele Personen im Ernstfall nicht wissen, wie sie handeln sollen.» Wichtig sei hier, anzumerken: Würden Retter und Helfer nach bestem Wissen und Gewissen handeln, komme es für Laien in keinem Fall zu einem Problem mit dem Gericht.

Juristische Probleme gebe es allerdings, wenn jemand einen Verkehrsunfall beobachte und keine Hilfe leiste. «Wenn jemand erkennt, dass eine andere Person in Lebensgefahr schwebt, und es grundsätzlich zumutbar ist, Hilfe zu leisten, und sie dies nicht tut, handelt es sich um unterlassene Nothilfe.» Dies könne mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Busse bestraft werden – je nach Schwere des Falls.

Nothilfekurs besuchen

«Dasselbe Strafmass gilt, wenn man andere davon abhält, Nothilfe zu leisten, oder sie dabei behindert», sagt Graf. Auch beim Alarmieren der Rettungskräfte gebe es kein Wenn und Aber: «Die Polizei respektive die Rettungshilfe muss ohne Zögern angerufen werden.»

Um auf Notfallsituationen vorbereitet zu sein, rät der TCS-Sprecher, hin und wieder einen nicht obligatorischen Nothelfer-Auffrischungskurs zu absolvieren. «Wie im Ernstfall zu handeln ist, wird einem zwar im obligatorischen Nothelferkurs beigebracht. Das Wissen verblasst aber nach und nach, und auch die Übung fehlt.»

(mon/jen)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Geissenpeter am 23.10.2019 05:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    moralische Frage des Schweizer

    weil der Mensch in der Schweiz schon länger kein Sozialwesen ist, denn er ist getrimmt immer mehr zu leisten, immer zu gewinnen, immer mehr zu verdienen, gegen mehr Job Konkurrenten kämpfen usw. und davon stammt dieses moralische Handeln. Viele die vorbeifuhren dachten sich "lieber den Job behalten als jemandem das Leben retten." Das war früher anders als es nicht so einen Leistungsdruck und eine Sklaverei gab wie heute. Die Wirtschaft verändert den Menschen.

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  • 50+ am 23.10.2019 05:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alarmieren, retten, löschen

    ich würde mich auch nicht trauen medizinische Ersthilfe zu leisten, aber anhalten, Notruf informieren und Verkehr regeln respektive hier z.B. die rechte Fahrspur blockieren, das müsste jeder können. Ein Laie kann vermutlich nicht einschätzen wie gross die Gefahr für sich selbst ist, also ist abhauen wohl eine menschliche Reaktion. Grosses Lob an die mutigen Ersthelfer

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  • Larissa am 23.10.2019 05:29 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstgefährdung

    leider ist es so, dass man es sich zwei mal überlegen muss, ob man in so einer Autobahn-Situation anhält oder nicht. Es geschieht häufig, dass Ersthelfer angefahren oder gar überfahren werden und oftmals endet dies tödlich. Wenn ich nun mit den Kindern im Auto sitze, möchte ich das Risiko nicht eingehen, meine Familie zu gefährden. Passiert auf einer normalen Strasse oder im öv ein Unfall, jederzeit und sofort. Aber Selbstschutz steht an erster Stelle. Ich habe schon drei mal einen Menschen in der Öffentlichkeit reanimiert, dies erfolgreich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • magoA am 23.10.2019 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    anhalten wäre doch gefährlich

    hääää??? wer hätte da anhalten sollen ???? derjenige der das video gemacht hat , diejenigen vor ihm hatten doch keine chance mehr anzuhalten

  • Steff am 23.10.2019 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    YouTube

    Den meisten ist es leider mittlerweile wichtiger solche Szenen zu filmen. Grosses Lob den Helfern!

  • PeSa am 23.10.2019 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hallo?

    Viel Wind für nichts. Die Kamera sagt nichts aus über das Verhalten der nachfolgenden Fahrer. Und wenn es mal Helfer hat, muss man auch nicht mehr anhalten, weil man dann zum Gaffer wird.

  • Beobachter am 23.10.2019 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Fahrerflucht

    Es ist doch sogar straflich wenn man einfach vorbei fährt oder?

  • Tunnumisli am 23.10.2019 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nothelferkurs

    Ich finde den Nothelferkurs wichtig und man sollte ihn regelmässig besuchen. Ich habe ihn vor 16Jahren gemacht und muss ihn nochmals machen und ganz ehrlich man vergisst viel weil man es zum Glück nie braucht. Klar wenn man bei einem Unfall ist und mit Fachleuten am Telefon ist, dann wird einem per Telefon auch geholfen.