Lohnungleichheit

02. Mai 2018 05:49; Akt: 02.05.2018 12:28 Print

Darum zahlen Frauen 1000 Franken weniger fürs Auto

Beim Autohaus Kenny’s müssen Frauen weniger für eine A-Klasse bezahlen. Bei der Zürcher Frauenzentrale gibt es dafür nicht nur Lob.

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Weil Frauen in der Schweiz für den gleichen Job weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen, hat sich das Autohaus Kenny's eine ganz spezielle Aktion überlegt. Kundinnen sollen beim Kauf einer Mercedes A-Klasse 1000 Franken weniger zahlen. «Da sind wir ganz streng – nur Frauen profitieren von diesem Angebot», sagt Sprecherin Edina Korac. Und alle, die sich als Frau fühlen: «Transgender sind natürlich auch herzlich willkommen.»

Die beiden FCZ-Spielerinnen Fabienne Humm und Martina Moser sind die Botschafterinnen der PR-Aktion: «Wenn Frauen schon weniger verdienen, sollen sie wenigstens auch mal irgendwo profitieren.» Die beiden wissen, wovon sie sprechen: «Gerade im Sport ist es extrem – die Lohnungleichheit ist wohl kaum irgendwo so hoch wie im Profi-Fussball», so Humm.

«Es grenzt an Sexismus»

Andrea Gisler von der Frauenzentrale Zürich begrüsst solche Aktionen grundsätzlich: «Es ist wichtig, dieses Problem öffentlich aufzugreifen – vor allem Unternehmen wie Kenny's Autohaus erreichen viele Leute.» Allerdings übt sie auch Kritik: «Kenny's wirbt mit leicht bekleideten und sehr mageren Frauen für ihre Autos.» Für Gisler grenzt das an Sexismus.

Deshalb befürchtet sie, dass es sich nur um einen Marketing-Gag handelt: «Wir wissen nicht, wie ernst es das Autohaus meint.» Man müsste das Thema anders bekanntmachen: «Solange das Unternehmen mit stereotypen Frauenbildern für Autos wirbt, wirkt es nicht sehr glaubhaft.»

Mehr weibliche Führungskräfte würden dem Unternehmen gut tun

Einen ersten Vorschlag hätte Gisler: «Wenn sich Kenny's Autohaus schon für so ein Thema stark machen will, sollten sie mal ihre Führungsetage überdenken.» Mehr weibliche Führungskräfte würden dem Unternehmen gut tun, so Gisler. «Und dann wäre vielleicht auch die Werbung besser.»

Beim Autohaus findet man diesen Vorwurf nicht gerechtfertigt.
Man habe durchaus weibliche Führungskräfte. Die Werbeabteilung wie auch die Personalabteilung seien von Frauen geleitet, sagt Marc Eichenberger, Geschäftsführer von Kenny's. «Es stimmt aber, dass bei uns Männer in der Überzahl sind.» Das sei aber ein allgemeines Problem der Autobranche.

«Wir wollen Frauen für das Auto-Thema begeistern»

Gerade deshalb setze man in der Werbung auf weibliche Protagonisten. Man wolle mehr Frauen für das Thema Auto begeistern. Deswegen finde man es schade, dass bei der Frauenzentrale «jedes Bild, das eine schlanke, hübsche Frau zeigt, als sexistisch wahrgenommen wird.»

Man richte sich an Frauen jeden Alters, jeder Form und jeder Herkunft – «und darunter werden auch einige Schlanke sein.» Zudem hätte man mit der Aktion ein Statement setzen und zeigen wollen, «dass die Lohnungleichheit eine Realität ist», so Eichenberger.

«Solche Rabatte sollen nicht zur Norm werden»

Kein Problem mit der Aktion hat man beim Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisation männer.ch, wie Co-Geschäftsleiter Nicolas Zogg sagt: «Man hat schliesslich Ausweichmöglichkeiten beim Autokauf.»

Nicht einverstanden wäre er hingegen, wenn solche Rabatte zur Norm würden: «Das wäre dann eine ausgleichende Ungerechtigkeit.» Dass Frauen weniger verdienen sei ein Fakt: «Allerdings hat das zahlreiche Ursachen. Und Rabatte lösen das Problem nicht.»

(som/mon)