Wetzikon ZH

08. Mai 2012 07:58; Akt: 08.05.2012 09:37 Print

Autolenker bedrängt Militär-Lastwagen

von Attila Szenogrady - Ein Autolenker hat zwischen Wald und Rüti über zwei Kilometer weit einen Militärlastwagen von hinten bedrängt. Während das Bezirksgericht Hinwil von einem groben Verkehrsdelikt ausgegangen war, stufte gestern das Obergericht den Vorfall als weit weniger dramatisch ein.

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Für den heute 29-jährigen Beschuldigten aus Wetzikon ging es am Montag um viel. Sollte das Zürcher Obergericht ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Hinwil wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln bestätigen, drohte dem Metzger nicht nur der Entzug des Führerausweises, sondern auch infolgedessen der Verlust seiner Arbeitsstelle.

Militärlastwagen über zwei Kilometer weit bedrängt

Feststeht, dass sich der Zürcher Oberländer für einen Vorfall vom 4. April 2009 verantworten musste. Damals machte er sich nach der Entlassung aus dem Militärdienst mit seinem Personenwagen der Marke Subaru auf den Heimweg. Zwischen Wald und Rüti traf er auf einen Konvoi von mehreren Militärlastwagen der Marke Saurer 6DM.

Offenbar war der junge Metzger ungeduldig. So drückte er auf das Gaspedal und schloss sehr dicht auf eines der grossräumigen Militärfahrzeuge auf. Laut Anklage bedrängte er den Laster über zwei Kilometer weit. Bei einem viel zu geringen Abstand zwischen zwei und acht Metern.

Sein Pech war, dass in einem weiteren Militärlastwagen hinter ihm nicht etwa Soldaten, sondern zwei Polizeibeamte sassen. Die Verkehrsfahnder waren anlässlich einer Ausbildung unterwegs und konnten die Fahrt des Beschuldigten genau beobachten. Kurz darauf erstatteten sie Anzeige.

Laut Hinwiler Gericht ein grobes Verkehrsdelikt

Die Staatsanwaltschaft See/Oberland leitete eine Strafuntersuchung ein und lastete dem Autohalter ein grobes Verkehrsdelikt an. So habe der Beschuldigte eine erhebliche Gefahr für den Lastwagen-Lenker und dessen Beifahrer geschaffen, schrieb der zuständige Staatsanwalt. Zu Recht, befand im letzten Oktober das Bezirksgericht Hinwil, das den Automobilisten wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 70 Franken verurteilte.

Worauf die Verteidigung Berufung einlegte und am Montag vor Obergericht lediglich von einer einfachen Verletzung von Verkehrsregeln sprach.

Wende am Obergericht

Verteidiger Beat Hauri stellte das Kräfteverhältnis der beiden Fahrzeuge in den Vordergrund. So habe der zwanzigmal leichtere Subaru dem grossen Lastwagen gar nicht gefährlich werden können, plädierte er. Ein allfälliger Aufprall nach einem Bremsmanöver des Lasters wäre einem Rütteln an einem Felsen gleichgekommen, skizzierte Hauri und führte aus, dass sich der Beschuldigte im schlimmsten Fall selbst gefährdet hätte.

Dieser Ansicht folgte auch das Obergericht. Es wäre wohl bloss zu einem Blechschaden gekommen, führte der Gerichtsvorsitzende Franz Bollinger aus und verneinte ein grobes Verkehrsdelikt. Allerdings liege ein Grenzfall zu einem groben Vergehen vor, befand das Obergericht und setzte eine Busse von 800 Franken fest. Diese spielte für den vom Hauptvorwurf entlasteten Metzger keine grosse Rolle mehr. So wird er voraussichtlich seinen Führerausweis und somit auch seine Arbeitsstelle nicht mehr verlieren.