Demo gegen Aufwertung in Zürich

18. November 2017 15:18; Akt: 19.11.2017 16:34 Print

Autonome greifen Hiltl mit Eisenstangen an

Stadtaufwertungs-Gegner zogen am Samstagnachmittag durch Zürich. Die Polizei duldete die Demo, markierte aber Präsenz. Trotzdem kam es zu Sachbeschädigungen.

Demo im Kreis 4: Rund 200 Personen zogen am Samstag durch Zürich. (Video: Tamedia)
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«Oisi Stadt, oisi Quartier!» Das skandierten rund 200 bis 300 Demonstrierende am Samstagnachmittag immer wieder auf einem unbewilligten Umzug durch die Zürcher Stadtkreise 4 und 5. Ihre Botschaft: «Gemeinsam gegen die kapitalistische Stadtaufwertung.» Unter den Teilnehmern waren unter anderem die Revolutionäre Jugend, viele Linksautonome, militante FCZ-Fans, aber auch Quartierbewohner mit Kindern.


Mit Leuchtpetarden durch die Langstrassen-Unterführung. (Video: rom)

Der Umzug, der von der Polizei geduldet und mehrheitlich diskret begleitet wurde, führte zunächst über die Neugasse dann zu den Viaduktbögen. «Hier sind all die schicken Läden für die Yuppies, die unser Quartier in Beschlag genommen haben», rief ein Sprecher ins Mikrofon. Die Menge johlte, die Ladenbesitzer zogen teils verängstigt die Türen zu.

Demo gegen Stadtaufwertung

Unterwegs Richtung Langstrasse verhielten sich die meisten Demoteilnehmer friedlich, doch aus der Gruppe heraus haben Vermummte immer wieder Schaufenster und Fassaden versprayt. So beispielsweise das relativ neue Restaurant Molino der Migros-Tochter Ospena Group an der Josefstrasse. Die nebenan liegende, traditionsreiche Pizzeria Santa Lucia hingegen blieb verschont.

In Ruhe gelassen wurde diesmal auch die Europaallee - das Hassobjekt Nummer 1 in Sachen Stadtaufwertung. Dies aber auch nur, weil Polizisten in Vollmontur mit einem Wasserwerfer im Rücken den Zugang abriegelten.


Die Demo unterwegs an der Langstrasse. (Video: Leser-Reporter)

Sein Fett weg bekam dafür das neue Hiltl Restaurant an der Langstrasse. «An dieser Stelle gab es früher alternative Kultur und jetzt macht sich hier eine Restaurant-Kette breit, deren Inhaber sich mit Gratis-Essen für Randständige bei der Quartierbevölkerung einschleimen wollte», rief ein Sprecher ins Mikrofon und doppelte nach: «Hiltl muss weg!»

Da ergriff ein vermummter Demonstrant eine Eisenstange und versuchte damit mehrfach eines der Schaufenster einzuschlagen. Erst als einer rief «hey, die Bullen kommen!», warf er die Stange weg. Polizisten sperrten daraufhin die Strasse ab, liessen die Demo aber laufen. «Hiltls Fensterscheiben halten aber ziemlich gut», spottete ein Demonstrant. Bei der Genossenschafts-Überbauung Kalkbreite rollten Aktivisten schliesslich unter Applaus ein riesiges «Bsetzts Züri»-Transparent vom Dach.

Polizei verhaftete niemanden

Die Stadtpolizei Zürich schreibt in einer Mitteilung vom frühen Samstagabend, dass Demo-Teilnehmer entlang der ganzen Route diverse Hausfassaden versprayt und mit Plakaten verklebt und vereinzelt Scheiben eingeschlagen haben. «Ein konsequentes Eingreifen der Einsatzkräfte verhinderte grössere Sachbeschädigungen», heisst es weiter. Die Anzahl Demo-Teilnehmer beziffert die Polizei auf rund 150. Die Schadenhöhe könne aktuell noch nicht beziffert werden und sei Gegenstand der Ermittlungen. Bis anhin gingen keine Meldungen über verletzte Personen ein. Festgenommen wurde niemand.

(rom)