01. Mai 2006 18:28; Akt: 02.05.2006 11:38 Print

Autonome vertreiben Leuenberger - Polizei schaut zu

Bundespräsident Moritz Leuenberger hat seine 1.-Mai- Rede an der SP-Feier auf der Zürcher Bäckeranlage nach wenigen Minuten abbrechen müssen. Rund 200 vermummte Linksautonome waren auf das Areal gestürmt. 48 Randalierer wurden festgenommen, mehrere Personen verletzt.

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Leuenberger hatte seine Rede kaum angefangen, als knapp hundert vermummte Aktivisten des revolutionären Aufbaus ins Festgelände auf der Bäckeranlage eindrangen, Knallpetarden warfen und versuchten, das Rednerpodium zu stürmen. Auf Anraten der Polizei brach der Bundespräsident seine Rede ab und zog sich ins nahe Quartierzentrum zurück.

Leuenberger blieb unverletzt. Er habe keine Angst gehabt, sei aber wütend über die Störaktion, sagte sein Sprecher Daniel Bach. Später wurde die SP-Feier ohne Leuenberger fortgesetzt.

Der Vorfall wurde von allen Seiten verurteilt. «Das ist eine Form von Terror, die wir nicht akzeptieren können», sagte der Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber. Es sei unverständlich, warum die Polizei nicht früher eingegriffen habe. Leuenbergers Sprecher sagte, der Bundespräsident habe bereits im Vorfeld Bedenken wegen der Sicherheit angemeldet, sei aber beschwichtigt worden.

«Ich verstehe die subjektive Angst der Festteilnehmer», sagte Polizeivorsteherin Esther Maurer (SP) an einer Medienkonferenz am Abend. Leuenbergers Sicherheit sei zu jedem Zeitpunkt gewährleistet gewesen. Ein offenes Gelände wie die Bäckeranlage könne nicht hermetisch abgeriegelt werden, sagte der Einsatzleiter der Stadtpolizei, Gerhard Lips.

Bereits am Nachmittag war es zu massiven Krawallen gekommen. 200 bis 300 teilweise vermummte Aktivisten hatten sich kurz nach 14.00 Uhr zu einer illegalen Nachdemonstration versammelt und warfen Steine gegen die Polizei, die sämtliche Zugänge zur Innenstadt abgesperrt hatte.

Die Polizei setzte Gummigeschosse und Tränengas ein und löste die Demonstration auf. Randalierer hielten die Polizei aber bis in den späten Abend auf Trab. An der Langstrasse zerstörten sie eine Bankfiliale und ein Kleidergeschäft. Auch kantonale und städtische Gebäude wurden beschädigt.

Die Polizei nahm 48 Personen, darunter acht Frauen und zehn Ausländer, im Alter zwischen 16 und 39 Jahren fest. Sie werden wegen Körperverletzung, Diebstahl, Sachbeschädigung und weiterer Delikte angezeigt. Zwei Polizisten und mehrere Passanten wurden verletzt. Die Höhe des Sachschadens stand noch nicht fest.

(sda)