Gemeindeversammlung

06. Januar 2016 05:44; Akt: 06.01.2016 05:44 Print

Babysitterdienst und Cüpli sollen Leute anlocken

Dank Babysitterdienst und Verlosung sollten mehr Fehraltorfer an die Gmeind kommen – ohne grossen Erfolg. Andere Dörfer versuchen es mit Grilladen oder Comedians.

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Die Gemeindeversammlung im Heiget-Huus in Fehraltorf lockt normalerweise wenig Besucher an. (Bild: Jugendarbeit Fehraltorf )

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Gerade mal zwei bis drei Prozent der Stimmberechtigten kommen an die Gemeindeversammlung von Fehraltorf ZH. Auch sind Dorfbewohner unter 40 Jahren kaum vertreten. Deshalb hat der Gemeinderat Massnahmen ergriffen, um dies zu ändern.

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Zum ersten Mal beteiligte er sich letzten Juni an den Kosten eines Babysitterdienstes und verloste Gutscheine im Wert von 20 bis 40 Franken für Fehraltorf-Souvenirs und fürs Kino. Zudem wurde den Stimmbürgern im Anschluss der Versammlung ein Apéro offeriert. Alles in allem kosten die Gemeindeversammlungen mit den Massnahmen 500 bis 600 Franken pro Veranstaltung.

Vor allem der Apéro kam gut an

Trotzdem kamen im Juni nur 107 und im November 110 Fehraltorfer, der Durchschnitt von 70 bis 100 Stimmberechtigten konnte also nicht wesentlich angehoben werden. Der Gemeindepräsident Wilfried Ott hält dennoch daran fest und geht davon aus, dass die Teilnehmerzahl weiter steigen wird.

«Vor allem der Babysitterdienst wird wahrgenommen und genutzt», sagte er dem «Zürcher Oberländer». Beim ersten Mal habe sich nur ein Elternpaar angemeldet, beim zweiten Mal seien es vier Elternpaare gewesen. Ebenfalls werde der gemeinsame Apéro von beiden Seiten geschätzt: «Dem Gemeinderat hilft es herauszuspüren, was die Bevölkerung bewegt.»

Überall spärlich besucht

Grundsätzlich gut findet die Massnahmen auch Reto Lindegger, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbands. «Vor allem der Betreuungsdienst ist sinnvoll, da Frauen meistens untervertreten sind», sagt er zu 20 Minuten. Dass Gemeindeversammlungen spärlich besucht würden, sei in der ganzen Schweiz ein Problem: «Vor allem, wenn die Geschäfte wenig spektakulär sind.»

Er kenne Gemeinden, die ihren Einwohnern Goodies anbieten: «So wird etwa in einigen Orten rund um meinen Wohnort in der Region Biel nach der Versammlung grilliert.» Ähnlich wie in Fehraltorf zahlt auch die Gemeinde Olsberg AG 20 Franken an den Babysitter und in Rothenthurm SZ sollte zudem vor einigen Jahren ein Komiker für Auflockerung sorgen. Dies lockte zwar tatsächlich viel mehr Stimmbürger an, allerdings sprachen sich diese an der Versammlung gegen das Unterhaltungsprogramm aus – aus Kostengründen.

Gemeindeversammlungen sollen nicht aussterben

Auch Lindegger findet, dass es solche Zusatzleistungen allein nicht richten sollten: «Schliesslich geht es immer noch um Politik.» Hier bräuchte es aus seiner Sicht mehr Sensibilisierungsarbeit, um die Leute wieder mehr für die direkte Demokratie zu begeistern.

«Der Vorteil von Gemeindeversammlungen ist, dass man im Gegensatz zu brieflichen Abstimmungen über die Geschäfte diskutieren kann.» Lindegger würde es sehr bedauern, wenn diese Tradition aussterben würde.

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Juph am 06.01.2016 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratis

    Überall wo es etwas gratis gibt kommen die Leute!

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  • Paede am 06.01.2016 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stress

    Viele arbeiten nicht mehr innerhalb der Gemeinde und haben einfach keine Lust nach einem stressigen Arbeitstag, wenn man um 18:30 nach Hause kommt sich nich zu stressen um danach um 19:30 im Gemeindehaus zu stehen und sich mit anderen darüber zu streiten ob es nun Sinn macht hier oder da Steuergeld aus zugeben.

  • Pascal am 06.01.2016 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    peinlich

    Es ist billig und peinlich sich wegen eines 100% Jobs aus der Verantwortung zu ziehen. Da die Daten meist mehrer Monate im voraus bekannt sind, ist es simple Planung. Eine Gemeindeversammlung ist die einfachste und beste Möglichkeit seine Meinung zu äussern. Wer nicht geht darf auch nicht über unsinnig ausgegebens Steuergeld reklamieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anne am 06.01.2016 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gutgemeint

    Da haben wir wieder ein Thema, bei dem den Mitbürgern mal richtig vorgehalten werden kann, wie er sich zu verhalten hat, man kann über Hausmütterchen herziehen , über Mitmenschen, die nach 100% genug haben usw. Das ist doch Kindergarten für Erwachsene!!! Wer gehen will: geht , wer kein Interesse hat , geht nicht , so einfach ist das ! Nur: keiner darf sich aufregen, wenn plötzlich Ergebnisse im Briefkasten liegen, die nicht passend sind. Das ist dann selbstgemacht. Ihr Leute hört auf, ständig über anderer Menschen Entscheidungen herzuziehen!!! Das ist für mich billig. Bringt auch nichts !

  • Papierlischwiizer am 06.01.2016 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Lösung ist simpel

    Ach, das ist nicht schwer. Bei der nächsten Gemeindeversammlung eine Steuererhöhung traktandieren. Das hilft immer! Kennen das Problem.

  • Stiller Bürger am 06.01.2016 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Bringschuld ist wohl vorbei

    Bei meiner Wohngemeinde empfinde ich definitive nur noch den Wortlaut "geschützte hilflose Werkstatt". Die Gemeindeebenen werden laufend entmachtet/bevormundet von Kantonen und Bund. Folglich ist der Ton gegenüber den Bürgern härter geworden. Ich habe schlicht keine Lust mehr, mir dieses Theather reinzuziehen.

  • frau87 am 06.01.2016 15:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wuerdegehen

    bei der Umfrage fehlt zB der Punkt: wuerde gerne aber Tag/Uhrzeit passt nicht! ich gehe zB in einen fortlaufenden kostenpflichtigen Kurs; den lass ich nicht fuer eine Gemeindeversammlung sausen! teilweise ist auch die Versammlung zu frueh am Abend angesetzt, sodass Pendler es kaum schaffen...

  • Eni am 06.01.2016 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Schade, hat es das noch nicht gegeben, als meine Kinder klein waren. Seit ich sie alleine lassen kann, verpasse ich keine Versammlung mehr.