Bäckerei St. Jakob

02. Juli 2018 06:48; Akt: 02.07.2018 06:48 Print

Hier arbeitet, wer sonst wenig Chancen hat

Beim Behindertenwerk St. Jakob arbeiten Menschen, die wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Nun ist die Stiftung mit ihren über 500 Mitarbeitern an einen grösseren Standort gezogen.

Die Stiftung St. Jakob hat einen neuen Standort an der Viaduktstrasse. In der hauseigenen Bäckerei arbeiten Leute, die wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.
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In der Zürcher Bäckerei St. Jakob ist am Mittwochmorgen einiges los. In der Produktion werden der Teig geknetet, Brot und Kuchen gebacken, Salate und Sandwiches vorbereitet und Pralinen in Präzisionsarbeit hergestellt. In der Verkaufsfiliale gleich nebenan werden Kaffee und Gipfeli serviert. Trotz des regen Arbeitsbetriebs läuft in der neu eröffneten Filiale an der Viaduktstrasse alles harmonisch ab.

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Neuer Standort an der Viaduktstrasse

Erst vor zwei Monaten ist die Stiftung St. Jakob von ihrem alten Hauptsitz an der Kanzleistrasse an die Viaduktstrasse gezügelt. Ausser der Adresse hat sich aber nichts geändert: «Wir haben im Gewerbezentrum immer noch alle unsere Abteilungen wie die Schreinerei, Gebäude- und Gartenpflege, Flechterei, Gastronomie, Ausrüsterei, Digitalisierung sowie Elektronik. Ebenso sind alle Mitarbeiter mit uns in das neue Gebäude gezogen», sagt Christian Kuhn, Gesamtleiter der Stiftung St. Jakob.

Und diese sind über den neuen Standort sehr glücklich: «Hier ist es viel grösser und heller», so die Bäckerei-Verkäuferin Arta Kraniqi. In der alten Filiale des Behindertenwerks St. Jakob am Stauffacher sei es manchmal etwas eng gewesen. «Da kam es schon mal vor, dass wir uns überrannt haben», so die gelernte Konditorin, die seit vier Jahren beim stadtbekannten Beck arbeitet.

«Es ist wie mein zweites Zuhause»

Die 22-Jährige hatte schon verschiedene Jobs, aber dieser sei mit Abstand der beste: «Ich habe schon viel erlebt – auch viel Schlechtes. Aber hier habe ich mein zweites Zuhause gefunden.» Ihre Kollegin Ramona Thomann stimmt ihr zu. Die 31-Jährige arbeitet erst seit zwei Monaten in der neuen Filiale. Vor Jahren hatte sie mal eine Lehre zur Hauswirtschafterin begonnen und in der Zwischenzeit mehrmals den Arbeitsplatz gewechselt.

Zuletzt war sie in einer Wäscherei beschäftigt: «Nach fünf Jahren konnte ich nicht mehr. Es war immer die gleiche monotone Arbeit.» Jetzt sei das anders, so Thomann. Hier hätte sie viel Kundenkontakt, nette Mitarbeiter und eine angenehme Arbeitsatmosphäre.

IV ist Voraussetzung

«Es ist uns sehr wichtig, dass wir auf unsere über 500 Mitarbeiter und ihre individuellen Geschichten Rücksicht nehmen und ihnen einen schönen Arbeitsplatz und optimale Arbeitsbedingungen schaffen», erklärt Fritz Wyder, Bereichsleiter Gastronomie.

«Wir wollen Menschen, die auf dem primären Arbeitsmarkt keine Chance haben, eine sichere Arbeitsstelle, Anerkennung und Selbstwertgefühl geben.» Voraussetzungen, um bei der Stiftung zu arbeiten, sind, dass man IV bezieht und wenig Chance auf dem normalen Arbeitsmarkt hat: «Bei uns arbeiten Menschen, die meistens eine schwierige Vergangenheit haben.»

Wirtschaftlicher Aspekt ebenfalls wichtig

Zudem sei man ein wirtschaftlich orientiertes Sozialunternehmen. «Auch wenn unsere Mitarbeiter etwas weniger leistungsfähig sind», so Wyder. Trotzdem lehne man niemanden ab oder schliesse ihn aus: «Den enormen Druck, der in vielen Betrieben herrscht, gibt es bei uns nicht.»

(mon)