Strafanstalt Pöschwies

21. Dezember 2011 10:05; Akt: 21.12.2011 11:27 Print

Bankräuber tritt in Hungerstreik

Der verwahrter Bankräuber Hugo Portmann verweigert seit Anfang Dezember die Nahrungsaufnahme. Er ist mit dem Vollzugsplan nicht einverstanden und verlangt, dass er bedingt entlassen wird.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der notorische Bankräuber Hugo Portmann isst nichts mehr. Er ist am 6. Dezember 2011 in den Hungerstreik getreten. Der Grund dafür: Portmann ist mit dem neuen Vollzugsplan der Zürcher Strafanstalt Pöschwies nicht einverstanden.

«Genaueres wissen wir nicht», sagte Jessica Mayer, stellvertretende Kommunikationsbeauftragte des Zürcher Amtes für Justizvollzug. Sie bestätigte einen Artikel der Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Bund» vom Mittwoch. Portmann trinke und nehme Vitamine zu sich, sagte Mayer weiter.

Er befinde sich in einem «guten Zustand» und habe bis vor Kurzem Sport getrieben. «Er arbeitet nach wie vor», sagte die Sprecherin. Der Häftling werde regelmässig ärztlich kontrolliert und über die Risiken eines Hungerstreiks aufgeklärt. Sollte sich sein Gesundheitszustand verschlechtern, werde er ins Spital gebracht.

Portmann werde täglich mindestens zweimal eine Mahlzeit angeboten, trinken dürfe er jederzeit, sagte Mayer. Das Amt für Justizvollzug ordne keine Zwangsernährung an. «Das müssten die Ärzte entscheiden und verordnen.»

Portmann müsste sich weiterbilden

Der Bankräuber möchte, dass er bedingt entlassen wird. «Bevor wir dem zustimmen können, muss er eine deliktorientierte Therapie machen», sagte Mayer. Dazu gehöre eine Gesprächstherapie, eine berufliche Weiterbildung (Anlehre) und ein Kurs zur Verbesserung der Lese- und Schreibschwäche. Das lehne Portmann aber ab, weshalb man auf seinen Wunsch nicht eingehen könne.

Portmann stand letztmals 2002 vor Gericht. Das Thurgauer Obergericht verurteilte den damals 43-Jährigen wegen zwei Banküberfällen mit Geiselnahme zu neun Jahren Zuchthaus. Das Gericht ordnete eine Verwahrung an. Portmann sei sehr aggressiv gewesen und es bestehe eine hohe Rückfallgefahr, so das Gericht.

Kriminelle Karriere 1983 gestartet

Portmann war im Februar 1999 aus der Bündner Strafanstalt Realta ausgebrochen und hatte im März 1999 zusammen mit dem als «Ausbrecherkönig» bekannten Walter Stürm und einem weiteren Komplizen eine Bank in Horn TG überfallen. Portmann versteckte sich in einem Ferienhaus der Familie Stürm in Urnäsch AR. Dort verhaftete ihn die Polizei.

Der Bankräuber begann seine kriminelle Karriere 1983 mit Banküberfällen in Wallisellen ZH und in Dietikon ZH. Nach einer Verfolgungsjagd wurde er festgenommen und zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. In einem Hafturlaub 1988 überfiel er eine Bank in Adliswil ZH und erhielt neun Jahre Zuchthaus.

Nach einem Gebirgslauf versuchte er erneut zu fliehen, indem er nach dem Ziel einfach weiterrannte. Nach einer Schiesserei wurde Portmann erneut verhaftet und mit fünf Jahren Zuchthaus bestraft. Diese Strafen wurden schliesslich in Verwahrung umgewandelt.

Der eigene Körper als Waffe

Portmann ist nicht der einzige Häftling, der die Nahrungsaufnahme verweigert. Für Schlagzeilen sorgte etwa der Walliser Hanfbauer Bernard Rappaz, der mehrmals in Haft während längerer Zeit nichts ass. Rappaz wurde wegen Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt.

Ganze 120 Tage lang soll es 1987 Walter Stürm ohne Nahrung ausgehalten haben. Experten bezweifeln dies allerdings. Konsequente Nahrungsverweigerung kann ab drei bis vier Wochen zu gesundheitlichen Schädigungen bis hin zum Tod führen.

Weitere bekannte hungerstreikende Gefangene waren in der Schweiz der Kinderschänder René Osterwalder und der so genannte Öko-Terrorist Marco Camenisch. In der Schweiz ist bisher noch niemand an den Folgen eines Hungerstreiks gestorben.

Hungerstreiks sind eine Form des passiven Widerstandes. Bereits in den 30er- und 40er-Jahren griff der indische Unabhängigkeitsführer Mahatma Gandhi im Kampf gegen die britsche Herrschaft zum Mittel des Hungerstreiks.

(sda)