BH und Blazer

02. Juli 2014 06:01; Akt: 02.07.2014 13:41 Print

Barangestellte lehnten Dresscode ab – Kündigung

Für eine Hollywood-Party sollten die Barangestellen des Zürcher Wow-Clubs obenrum nur im BH und Blazer arbeiten. Weil fünf sich weigerten, erhielten sie prompt die Kündigung.

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«Mit so einem Outfit komme ich mir billig vor», sagt Tamara S.*, ehemalige Barangestellte im Zürcher Club Wow. Ihr Chef teilte ihr Mitte Mai per Mail den Dresscode für ihren nächsten Arbeitseinsatz mit. «Wir sollten unter einem Blazer nur einen BH tragen.» Im Anhang schickte er Beispielbilder von Hollywood-Schauspielerinnen. Zu viel nackte Haut für die junge Frau. «Ich besitze nur einen Blazer, der sehr tief ausgeschnitten ist – man würde also alles sehen.» Neu einkleiden wollte sie sich für diesen Abend nicht: «Ein Blazer ist nicht günstig.» Zudem habe ihnen der Chef den Dresscode einen Tag vor ihrem Einsatz an einem Samstagabend mitgeteilt. «Das ist extrem kurzfristig.»

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Vier ihrer Arbeitskolleginnen sahen dies ebenfalls so. Sie sagten ihrem Chef am Telefon, dass sie nicht so hinter der Bar stehen möchten. «Unser Vorschlag, wenigstens ein Top unter dem Blazer zu tragen, akzeptierte er nicht.» Bei den ersten Anruferinnen zeigte er sich zunächst verständnisvoll, so Tamara S.: «Er sagte, dass wir vorerst nicht zur Arbeit erscheinen müssten und er sich wieder melde, wenn er Personal brauche.» Als sich aber ihre Freundin Ann H*. bei ihm als Letzte abmeldete, sei es mit der Nettigkeit vorbeigewesen. «Er sagte, dass ich mir damit quasi selbst gekündigt hätte», so Ann. H.

Umsatzeinbusse wird eingeklagt

Sie und zwei Kolleginnen bekamen dann auch den blauen Brief. «Er schrieb, dass wir noch an einigen Abenden im BH und Blazer arbeiten müssen», so Ann H. Im BH und Blazer, wohlverstanden. Alle fünf Mitarbeiterinnen erhielten zudem eine schriftliche Verwarnung. Dort stand, dass ihr «unentschuldigtes» Fernbleiben «eine beachtliche Umsatzeinbusse von 2000 Franken zu Folge hatte». Dieses Geld werde man auf dem rechtlichen Weg einklagen.

Ein Schock für die fünf jungen Frauen, die seit diesen Schreiben nicht mehr hinter der Bar gestanden sind. «Unterdessen mussten wir den Clubchef aber mehrmals schriftlich daran erinnern, dass er uns endlich den Lohn zahlt.» Nach über zwei Monaten sei das Geld erst überwiesen worden –allerdings nicht alles, so Ann H.: «Ich warte immer noch auf einige hundert Franken.»

«Für die meisten Mitarbeiterinnen war der Dresscode kein Problem»

Laut Wow-Betreiber Massimo Minacapilli wurden alle Löhne ohne Verzug überwiesen. Er versteht die Aufregung um den Dresscode «BH und Blazer» nicht: «Wir haben am Telefon kommuniziert, dass man den Anzug bis oben schliessen kann.» Dies hätte laut Minacapilli schick ausgesehen und man hätte kaum etwas gesehen: «Für die restlichen Mitarbeiterinnen im Club war es auch kein Problem.» Zumal es eine einmalige Sache gewesen sei: «Wir feierten eine Hollywood-Party, da hat dieses Outfit gepasst.» Darüber sei man sich mit einigen wenigen Mitarbeiterinnen einfach nicht einig geworden: «Deshalb haben wir uns im gegenseitigem Einvernehmen getrennt.» Für Minacapilli ist die Sache damit abgeschlossen. Auch will er die Umsatzeinbusse weder rechtlich einfordern noch müssen die Mitarbeiterinnen nochmals zur Arbeit erscheinen.

Die schriftliche Verwarnung habe er ihnen geschickt, weil sie den Club wegen ihrer kurzfristigen Absage personell in Bedrängnis gebracht hätten: «Stattdessen waren sie in einem anderen Club im Ausgang.» Davon, dass er den Dresscode erst einen Tag vor der Party kommuniziert hat, will er trotz des Schreibens, das 20 Minuten vorliegt, nichts wissen. «Solche Mitteilungen werden immer eine Woche im Voraus verschickt.»

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mm am 02.07.2014 07:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut gemacht ihr Frauen GRATULATION

    Gut gemacht ihr Frauen Diesem Club. Betreiber sollte man den Club schliessen. Habe von so einem Typ für die Installation von Lampen etc auch noch eine Stange Geld zu gut. Oft Skrupellose Menschen die nur das schnelle Geld im Kopf haben

  • The Name am 02.07.2014 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Widerliche Clubbetreiber

    Sowas solllte man bestrafen. Und als Bonus sollte man den Club wenn immer nötig extrem vermeiden. Unter jedem Niveau!!!

  • creole am 02.07.2014 06:42 Report Diesen Beitrag melden

    Angestellte sind keine Requisiten!

    wieder einmal ein typischer Narzisst der denkt er und seine Befehle seien das höchste Mass aller Dinge. Hut ab von den Ladies die sich geweigert haben!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heidi am 02.07.2014 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauen

    Sind wir denn WARE? Frauen sind keine Sklaven die alles mitmachen müssen! Merkt Euch dass mal!

  • Catharina Costell am 02.07.2014 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ehemaligen Arbeitgeber verklagen

    Ich arbeite bei der Schlichtungsstelle für Arbeitsverhältnisse (erste Instanz für Arbeitsstreitigkeiten). Dieser Weisung hatten die Frauen klar nicht zu folgen. Die fünf Frauen sollten allesamt Ihren ehemaligen Arbeitgeber wegen Missbräuchlicher Kündigung (plus allfällfiger fehlender Zahlungen) verklagen. Bis 30'000 Franken ist dieses Verfahren Kostenlos. Und Sie müssen auch die Gegenseite nicht entschädigen, egal wie das Verfahren ausgeht. Klageformulare sind in 10 Minuten ausgefüllt und finden sich online. Auskunft gibt auch die Schlichtungsstelle selbst.

  • St. Bisig am 02.07.2014 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Ich bin nicht prüde, aber die Frauen haben richtig gehandelt! Es ist ein Unterschied, ob frau sich freiwillig freizügig zeigt, oder ob sie dazu vom Arbeitgeber gezwungen werden.

  • Valnes am 02.07.2014 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Zwei Sichten

    Die meisten Kommentatoren haben offenbar nur den Titel gelesen. Die Darstellung des Clubbetreibers stehen den Äusserungen der Angestellten diametral entgegen. Ich kann nicht behaupten, dass ich wüsste, welche Darstellung stimmt und welche nicht. Aber Hauptsache, es kann wieder einmal im Namen des kleinen Angestellten gegen einen bösen Arbeitgeber gewettert werden.

  • neuZürcher am 02.07.2014 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts extravagantes.

    Das Wow. Ein weiterer, billiger Prolo-Club, der sowieso niemals die Klasse erreichen wird, die er vorgibt zu sein. Das Wow wird eines Tages gleich enden wie das Opera in Luzern. Besonders zynisch: letzten Freitag haben sie noch Getränkegutscheine verteilt. Exklusiv für die Frauen versteht sich :)