Wettingen AG

26. Januar 2020 16:25; Akt: 26.01.2020 17:41 Print

Gym-Mitarbeiter filmte mit Handy in Frauengarderobe

Eine Leserin entdeckte in der Garderobe im Basefit in Wettingen ein Handy, das sie beim Umziehen filmte. Dieses war von einem Angestellten platziert worden.

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«Dass ausgerechnet ein Mitarbeiter so etwas macht, ist für mich unverständlich», sagt Leser J. M.* aufgewühlt zu 20 Minuten. Der 20-Jährige meldete sich gemeinsam mit seiner Schwester G. M.* (18) im Oktober 2018 im Fitnessstudio Basefit in Wettingen an und schloss ein Jahresabo ab.

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Doch bereits kurze Zeit später machte die damals 17-jährige Schwester eine schockierende Entdeckung: In der Garderobe war ein Handy platziert worden – die Kamera auf die Spinds und die sich umziehenden Frauen gerichtet. «Als G. das Handy entdeckte, kam sie sofort zu mir. Ich war genau so entsetzt wie sie», sagt J. M.

Keine Anzeige gemacht

Die beiden meldeten den Vorfall umgehend beim Fitnesscenter. «Als ich einen Mitarbeiter damit konfrontierte, sagte er mir, er würde sich darum kümmern. Daraufhin hat er mir das Handy weggenommen und wollte gehen.» Glücklicherweise berichtete G. zeitgleich noch einem weiteren Mitarbeiter vom gefundenen Smartphone.

Erst später stellte sich raus: «Jener Mitarbeiter, der das Handy einsteckte, hatte es auch in der Garderobe versteckt», so J. Eine Anzeige bei der Polizei haben die beiden nicht gemacht. «Das war ein Fehler», sagt ihr Bruder rückblickend. Der Kantonspolizei Aargau ist der Fall nicht bekannt, wie es auf Anfrage heisst. Wie viele Frauen gefilmt wurden, ist unklar.

Geschwister müssen über 1000 Franken zahlen

Obwohl die Schwester ein Jahresabo abgeschlossen hatte, blieb sie dem Fitnesscenter fern. «Ich habe meine Schwester noch zwei- bis dreimal mitgenommen, aber ich musste sie regelrecht zwingen. Sie hat sich im Basefit einfach nicht mehr wohlgefühlt», sagt ihr Bruder.

Trotz Gesprächen mit der Geschäftsleitung konnten sie ihre Abos nicht vorzeitig beenden, wie J. sagt. Auch er ging laut eigenen Angaben nach einigen Wochen nicht mehr hin. So kam es, dass die Geschwister vergassen, ihre Abos fristgemäss zu kündigen. «Deshalb wurde der Vertrag automatisch um ein Jahr verlängert, obwohl meine Schwester nach dem Vorfall gesagt hatte, dass sie nicht mehr hingehen möchte», so J.

Rechnung von 1000 Franken

Auch ein erneutes Gespräch mit den Mitarbeitern habe nichts genützt. Die beiden mussten nun die Rechnung von insgesamt 1000 Franken begleichen. Daher entschieden sie sich nun, den Vorfall publik zu machen.

Basefit bestätigt auf Anfrage den Vorfall, der im November 2018 stattgefunden hat. «Wir bedauern sehr, was passiert ist», sagt COO Thomas Küttner. Der betreffende Mitarbeiter sei sofort fristlos entlassen worden. «Ein derartiges Verhalten ist unter keinen Umständen tolerierbar und weit ausserhalb aller akzeptierten Normen und Regeln in unserem Unternehmen.»

Bereits vor dem Vorfall habe es ein Personalreglement gegeben, das unter anderem diese Verhaltensweisen und Selbstverpflichtungen von Mitarbeitern gegenüber Kunden und anderen Mitarbeitern reguliere. «Der Verhaltenskodex wird stetig auf die Aktualität geprüft und angepasst – so auch im Zusammenhang mit diesem Vorfall.»

Die Probleme bei der Kündigung und die automatische Verlängerung des Abos kann Küttner nicht bestätigen, weil ihm der Einzelfall nicht bekannt ist. «Selbstverständlich sind wir kulant hinsichtlich einer frühzeitigen Auflösung des Abos, wenn ein Kunde eine derartige Erfahrung macht.» Eine automatische Verlängerung sei dann ausgeschlossen.

*Name der Redaktion bekannt

(juu/tam)