Bülach ZH

28. Dezember 2018 05:46; Akt: 28.12.2018 08:32 Print

Grenzwächter schlägt Mann (18) in Handschellen

Ein 18-Jähriger wurde im Zug nach Bülach verhaftet. Nach einer verbalen Auseinandersetzung schlug ihm einer der Beamten mehrmals ins Gesicht.

Can O. (18) erzählt, wie ihm ein Beamter mehrmals ins Gesicht geschlagen hat. (Video: tam)
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Es sah nach einer gewöhnlichen Kontrolle des Grenzwachtkorps in der S9 zwischen Glattfelden und Bülach aus. Der 18-jährige Can O.* war Mitte Dezember auf dem Heimweg von seiner Freundin. Als er die Beamten sah, versuchte er zu entkommen, weil er etwas Marihuana dabei hatte, wie er selbst zugibt. Das gelang ihm nicht. Zu dritt verhafteten die Beamten den jungen Mann – so ruppig, dass er mehrere Schürfungen und Prellungen davontrug, wie auch ein ärztliches Gutachten festhält.

Was der Mann mit Schweizer Pass dann erlebte, hätte er sich nie vorstellen können. «In Bülach wurde ich in Handschellen aus dem Zug geführt», erzählt er. Einer der Beamten habe ihm auf dem Weg zum Warteraum im Bahnhofsgebäude klargemacht, dass er ruhig sein solle. Er habe ihm sogar gedroht, ihn zu schlagen. «Ich sagte, er solle seine Fresse halten und sich nicht so krass fühlen.» Daraufhin habe ihm der Beamte mehrmals ins Gesicht geschlagen.

Vier Schläge ins Gesicht

«Er schlug mit der Faust in die rechte Gesichtshälfte, wartete einige Sekunden und schlug nochmals zu – und ein drittes Mal. Am Schluss schlug er mich noch mit der flachen Hand», sagt der 18-jährige Schweizer. Da er in Handschellen gewesen sei, habe er sich nicht wehren können. Schon da war für ihn klar, dass er Anzeige erstatten wird.

In den folgenden Tagen wollte O. Anzeige gegen den Beamten des Grenzwachkorps erstatten. Das sei aber gar nicht so einfach gewesen: «Man antwortete nicht auf meine E-Mails oder man riet mir, das Ganze zu vergessen.» Erst vier Tage später habe man dann seine Anzeige aufgenommen – «nachdem ich mit der Presse gedroht hatte». Dabei konnte er bereits zwei Zeugen nennen, die den Vorfall mitbekommen hatten. «Sicher haben das auch noch mehr Passanten am Bahnhof gesehen. Es wäre schön, wenn sie sich bei mir melden.»

Disziplinarverfahren eröffnet

Bei der Eidgenössischen Zollverwaltung bestätigt man, dass man am 17. Dezember am Bahnhof Bülach einen Mann festgenommen hat. Dieser habe sich massiv gewehrt. «Im Laufe der Ereignisse ist es zu einem Fehlverhalten durch einen unserer Mitarbeiter gekommen», sagt Sprecher David Marquis. Bereits am folgenden Morgen sei deshalb ein Disziplinarverfahren gegen den fehlbaren Mitarbeiter eröffnet worden. Die angehaltene Person sei zudem wegen diverser Vergehen angezeigt worden.

Weitere Auskünfte könne man wegen des laufenden Verfahrens nicht erteilen. Der Umgang mit schwierigen Situationen bei der Kontrolle von Personen stelle aber einen wesentlichen Teil der Ausbildung von Grenzwächtern dar: «Gewaltanwendung gegen wehrlose Personen ist in jedem Fall ausgeschlossen. Das führt zu einer Untersuchung und wird geahndet.»


*Name der Redaktion bekannt

(tam)