Rümlang ZH

08. Mai 2012 08:00; Akt: 08.05.2012 00:32 Print

Bedingt für Schläger

von Attila Szenogrady - Ein gewaltbereiter Kosovo-Albaner hat in Rümlang einen Landsmann brutal verprügelt. Aufgrund von Einsicht und Reue kommt der Rückfalltäter mit einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten davon.

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Der eingeklagte Vorfall passierte in der Nacht auf den 22. November 2009. Damals hielt sich der heute 29-jährige Angeklagte in der berüchtigten Discothek «Rinora» in Rümlang auf. In den frühen Morgenstunden geriet er verbal an einen Landsmann und sann danach auf Rache. Schon eine Stunde später folgte die Abrechnung. Der betrunkene Angeschuldigte und ein Komplize fingen den Gegner bei der Shelltankstelle an der Riedmattstrasse ab und griffen ihn an.

Spitalreif geprügelt

Sicher ist, dass der beschuldigte Hilfsmonteur und sein Gehilfe den Geschädigten spitalreif prügelten. In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland war von Faustschlägen ins Gesicht sowie Fusstritten gegen den Kopf des heute 24-jährigen Opfers die Rede. Es erlitt eine Hirngewebeprellung, einen Nasenbeinbruch und massive Zahnschäden. Nach seiner Spitaleinlieferung blieb der Detailhandelsangestellte rund zwei Monate lang zu hundert Prozent arbeitsunfähig.

Milde dank Widerruf mit Schockwirkung

Im September 2010 musste sich der geständige Hilfsmonteur wegen Angriffs und Körperverletzung zuerst vor dem Bezirksgericht Dielsdorf verantworten. Die Staatsanwaltschaft verlangte für den einschlägig vorbestraften Rückfalltäter eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Die Hälfte davon unbedingt. Die Verteidigung stellte einen Gegenantrag auf 18 Monate teilbedingt. Sechs Monate sollte sein Klient verbüssen.

Das Landgericht sorgte für eine Überraschung, indem es trotz umfassender Schuldsprüche eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten festlegte. Der Grund für die vermeintliche Milde lag in einem Widerruf einer ehemals bedingten Vorstrafe von 16 Monaten Gefängnis. Das Dielsdorfer Gericht betrachtete diesen Entscheid als heilsame Schockwirkung für den reumütigen und inzwischen ruhiger gewordenen Beschuldigten.

Staatsanwaltschaft krebste zurück

Die Staatsanwaltschaft wollte jedoch die milde Hauptstrafe nicht akzeptieren und legte Berufung ein. Weshalb der angefochtene Fall erst gestern Montag auf dem Programm des Obergerichts stand, ist nicht bekannt. Fest steht jedenfalls, dass die Anklagebörde ihre Berufungsanträge kurz vor dem Prozess zurückzog und den Dielsdorfer Entscheid doch noch anerkannte. Die Gründe für den Rückzug sind unklar. Womöglich hat sich der inzwischen junge und heute alkoholabstinente Familienvater weiterhin seriös verhalten. Womit ihm die lange Verfahrensdauer doch noch entgegen gekommen ist. Allerdings warten auf ihn noch 16 Monate Gefängnisaufenthalt.