Schnapsidee

22. Juni 2011 08:00; Akt: 21.06.2011 19:08 Print

Bedingte Strafe für Blaufahrer aus Volken

von Attila Szenogrady - Ein betrunkener Schnapsbrenner aus Volken wollte mit einem Auto Altglas entsorgen und ist im Kokainrausch nach nur 70 Metern in einen Schuppen hinein gekracht.

Fehler gesehen?

Der Begriff «rekordmässig» kommt am Zürcher Obergericht nur selten vor. Doch am Dienstag war es wieder einmal so weit. Dafür war ein heute 58-jähriger Schnapsbrenner aus Volken verantwortlich. Der Vater hatte es fertig gebracht, mit einem Geländewagen der Marke «Jeep Grand Cherokee» gerade einmal 70 Meter weit zu fahren und dabei nicht weniger als acht Straftatbestände zu erfüllen. Eine Leistung, die der zuständige Oberrichter Marco Ruggli bisher noch nie gesehen hatte.

Schnapsidee mit schmerzhaften Folgen

Der nicht alltägliche Vorfall ereignete sich am 15. September 2009. Damals kam der Beschuldigte in den frühen Morgenstunden auf die Schnapsidee, mit dem «Jeep» einer bekannten Frau in der Nähe seines Wohnortes noch Altglas zu entsorgen. Obwohl der selbständige Monteur und Schnapsbrenner keinen Führerausweis, dafür aber reichlich Alkohol im Blut und auch noch Kokain im Kopf hatte, startete er den Motor.

Die Fahrt im Vollrausch dauerte nur wenige Sekunden und endete nach nur 70 Metern in einem Desaster. Der Angeklagte verlor auf der Flaachtalstrasse die Herrschaft über das Fahrzeug und schlitterte zunächst über eine niedrige Mauer. Worauf der Geländewagen auf die linke Seite kippte und danach in einen Schuppen krachte. Der Blaufahrer erlitt nicht nur drei Rippenbrüche. Er musste sich im Spital auch diverse Glassplitter aus dem Rücken operieren lassen.

Zuerst eine unbedingte Freiheitsstrafe

Der mehrfach und teilweise einschlägig vorbestrafte Blaufahrer musste sich zunächst im letzten September am Bezirksgericht Andelfingen verantworten. Er wurde wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand, Drogenkonsums, Fahrens ohne Führerausweis und fünf weiteren Delikten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten sowie 500 Franken Busse verurteilt. Der Verteidiger hatte sich vergeblich für eine bedingte Geldstrafe eingesetzt und legte Berufung ein.

Milde dank Fleiss und Wohlverhalten

Vor Obergericht hatte der Schweizer Angeschuldigte am Dienstag mehr Glück. Trotz Jeanshosen, Cowboy-Stiefeln und Rossschwanz hinterliess er vor den Schranken einen guten Eindruck. So zeigte er sich reumütig und führte aus, dass er seit dem Vorfall kein Kokain mehr konsumiert habe. Zudem konnte er mit schriftlichen Belegen nachweisen, dass er heute seine finanziellen Probleme in den Griff bekommen hat. Zudem arbeitet er heute regelmässig als Monteur. Durchwegs positive Punkte, welche die Oberrichter zu seinen Gunsten in die Waagschale warfen. Sie setzten die ursprünglich unbedingte Andelfinger Strafe neu zur Bewährung aus und gaben somit dem Rückfalltäter eine letzte Chance. Allerdings bei einer sehr langen Probezeit von fünf Jahren. Sollte er sich dennoch etwas leisten, dann werde es «rebeln», machte ihm der Gerichtsvorsitzende Reinhold Schätzle klar. Der Verteidiger hatte sich erneut vergebens für eine bedingte Geldstrafe eingesetzte. Seines Erachtens hatte der Angeklagte im Rahmen einer einmaligen Ausnahme nur wenige Sekunden lang delinquiert.