Anwärter «Gahts-no!-Priis»

18. Februar 2011 16:57; Akt: 18.02.2011 17:13 Print

Behörde rüttelt an Garten-Häuschen

Rund 1000 Winterthurer Schrebergarten-Pächter (von 3000) müssen ihre Häuschen umbauen. Sie entsprächen nicht den Vorschriften.

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In einem Brief stellt die Stadt Winterthur den angeblich Fehlbaren ein Ultimatum bis Ende Juni. Ihr Vergehen: Sie haben die Häuschen auf ihren «Pünten» (so heissen die Schreber- beziehungsweise Familiengärten in Winterthur) hellblau oder rot gestrichen, Blechdächer montiert oder Heizungen eingebaut.

Laut den neuen Richtlinien für Püntenhäuschen, die seit 2009 gelten, ist dies alles nicht erlaubt. Die Stadt hat deshalb einen Landschaftsarchitekten damit beauftragt, die Einhaltung der Vorschriften zu überprüfen. Kostenpunkt: Knapp 20 000 Franken.

Resultat: Gut ein Drittel verstösst gegen die Vorschriften. Der Zentralpräsident des Püntenpächtervereins Winterthur, Marcel Stutz, bestätigte einen entsprechenden Bericht des «Landboten» vom Freitag. Die Stadt hat laut Stutz die 300 betroffenen Püntiker, die ihre Häuschen direkt bei der Stadt pachten, schon vor Weihnachten ermahnt.

«Wir wollen kein Sammelsurium»

Der Brief an die restlichen 700, die über den Püntenpächterverein als Verbindungsglied pachten, ging laut Stutz am 4. Februar auf die Post. Darin werden die Püntikerinnen und Püntiker angewiesen, ihre Häuschen bis Ende Juni regelkonform umzubauen. Ansonsten landen ihre Akten bei der Baupolizei.

Im Interview mit dem «Landboten» sagt der zuständige Liegenschaftenchef der Winterthurer Stadtverwaltung, Erich Dürig: «Wir wollen kein gestalterisches Sammelsurium.» Und man wolle auch nicht, «dass jeder Püntiker herumbaut und herumstreicht, wie es ihm gerade passt». Bei dem Kontrollen gehe man nicht pingelig und stur vor, sondern lasse den gesunden Menschenverstand walten.

Pächterpräsident Marcel Stutz hat den Brief zwar mitunterschrieben, an dessen Entstehung habe er jedoch nicht mitgewirkt, sagte er auf Anfrage der SDA. Einige Beanstandungen seien wohl gerechtfertigt, doch mit ihrem Forderungskatalog sei die Stadt «zu weit gegangen». Zu den Adressaten des Briefs gehört auch Stutz selbst: Er soll sein Tomatenhaus zweckentfremdet haben.

Nach dem Plastikstuhl das Püntenhäuschen

Ästhetik und Bauweise der Winterthurer Püntenhäuschen dürften bald auch die Politik beschäftigen. Die lokale SP hat am Freitag mitgeteilt, sie wolle «gestalterische und kulturelle Vielfalt» in den Pünten. Konformismus hingegen würde die «liebevolle Atmosphäre» zerstören. Die SP kündigt eine dringliche Interpellation im Stadtparlament an.

Auch die FDP des Kantons Zürich hat wenig Verständnis für die Stadt. Wie Geschäftsführer David Müller der SDA mitteilte, ist die Causa Püntenhäuschen Anwärterin auf den «Gahts-no!-Priis», der Anfang September 2011 zum zweiten Mal verliehen wird.

Die Forderung zum Umbau der Häuschen erinnert an den Ärger mit den Gartenbeizen in Winterthur. Zum einen wollte der damalige Bauvorsteher einheitliche Beizen und keine bunten Plastikstühle; zum anderen wollte ein ehemaliger Lokalpolitiker keine Gartenbeiz vor seinem Fenster. Am Ende musste sich das Bundesgericht damit befassen. Es entschied im Sommer 2008, dass jede Gartenbeiz auf öffentlichem Grund im Kanton Zürich eine Baubewilligung braucht.

(sda)