Casino Zürich

14. Juli 2014 06:43; Akt: 14.07.2014 12:53 Print

Beim Roulette legten ihn die Trickbetrüger rein

Am Roulette-Tisch fehlten Samuel Müller* plötzlich Chips im Wert von fast 300 Franken. Dahinter stecken Trickbetrüger. Das Casino Zürich stellt eine Zunahme solcher Fälle fest.

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Der Roulette-Tisch ist für Trickbetrüger besonders interessant. Hier eine Aufnahme aus dem Casino Zürich an der Eröffnung 2012. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Es war erst sein zweiter Besuch im Casino Zürich, doch Samuel Müller wird diesen so schnell nicht vergessen. Am 4. April ging der 26-Jährige mit ein paar Arbeitskollegen ins Casino und spielte Roulette. Er gewann an diesem Abend einige Hundert Franken. Ein paar Wochen später erhielt Müller einen Anruf eines Polizisten. Dieser beschied ihm, dass er an jenem Abend Opfer eines Trickbetrugs geworden sei. Man sei beim Auswerten der Videoaufnahmen im Rahmen von Ermittlungen darauf gestossen. «Ich war überrascht, denn am Tisch hatte ich nichts davon bemerkt», sagt Müller. Die Betrüger hätten laut Polizei von seinem Gewinn Chips im Wert von fast 300 Franken vom Tisch in die eigene Tasche verschwinden lassen. «Ich nehme an, dass sie mitgespielt und immer wieder mal ein paar Chips weggenommen haben», so Müller.

Swiss-Casinos-Sprecher Martin Vogel darf sich aus Datenschutzgründen nicht zu konkreten Fällen äussern. Er bestätigt aber einen Vorfall am Abend des 4. April. «Der Gast hat seinen Gewinn am Roulette-Tisch zunächst nicht abgeholt», so Vogel. Er sei vermutlich kurz weg gewesen, was vorkomme. Das hätten die Betrüger ausgenützt und zugeschlagen. In diesem Jahr verzeichnete das Casino Zürich bereits vier Fälle von Trickbetrug. Alle seien entdeckt, die Personen angezeigt und teils noch im oder vor dem Casino von der Polizei verhaftet worden. Zum Vergleich: 2013, im ersten vollen Betriebsjahr des im November 2012 eröffneten Casinos, gab es keinen einzigen Fall.

Kameras zeichnen alles auf

Vogel kann sich die Zunahme nicht erklären, stellt aber klar, dass die Sicherheit bei Swiss Casinos «immer auf höchstem Niveau» gehandhabt wird: «Weil wir damit das Vertrauen der Gäste gewinnen.» Die Sicherheitschefs arbeiteten eng mit der Polizei zusammen, auch passe man die Prozesse laufend an und instruiere das Personal darin, Betrügereien zu erkennen. «Dazu benutzen wir die Aufzeichnungen unserer Kameras im Casino», sagt Vogel.

Trotzdem rät er Gästen, ihre Spieljetons wie Bargeld zu behandeln und keinesfalls unbeaufsichtigt zu lassen. Gerade Roulette eigne sich am besten für Trickbetrüger. «Es herrscht oft ein lebhafter, spannender Betrieb und der Tisch ist manchmal voller Jetons», sagt Vogel. «Da gilt es, sich die gesetzten Jetons zu merken und vor allem den Gewinn sofort abzuholen und nicht liegenzulassen.» Wer zudem den Eindruck habe, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, solle sich an den Croupier wenden.

Täter meist aus Osteuropa

Die Stadtpolizei Zürich bestätigt den Eingang vereinzelter Anzeigen wegen Vermögensdelikten wie zum Beispiel Diebstahl im Casino in den letzten zwei bis drei Monaten sowie auch von Festnahmen. Es handle sich sowohl um Einzeltäter als auch organisierte Gruppen. «Die Täter stammen vornehmlich aus Osteuropa», sagt Stapo-Sprecher Marco Bisa.

Von Trickbetrügern verschont geblieben sind dieses Jahr gemäss Vogel bislang die Swiss Casinos in Pfäffikon SZ, Schaffhausen und St. Gallen. Ebenfalls keine Fälle von Trickbetrügern registrierte 2014 das Casino in Baden, wie CEO Detlef Brose auf Anfrage sagt. Müller, der am Roulette-Tisch um fast 300 Franken erleichtert wurde, will bei künftigen Besuchen – egal in welchem Casino – besser auf seine Chips achten. Denn: «Die Lust aufs Roulette spielen ist mir deswegen nicht vergangen.»

*Name geändert

(rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ruedi Blau am 14.07.2014 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist der Betrüger?

    Guter Werbeartikel für ein Casino welches deutlich unter den Umsatzerwartungen wirtschaftet. Und der eigentliche Betrüger ist ja auch der Staat, der seine Bürger animieren will mathematisch nachteilige Wettgeschäfte zu tätigen. Traurig!!!

  • Gustav Z. am 14.07.2014 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke

    Fragt sich wer hier der grössere Betrüger ist. Das Casino oder diese Banden. Wenn man bedenkt, dass diese Angestellten jede Zahl treffen, die sie wollen. Aus eigener Erfahrung kann ich dies bestätigen. Mit Glücksspiel hat dies nur noch wenig zu tun. Das nenne ich systematische Abzocke durch geschultes Personal und ist der grössere Skandal.

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  • Gustav Z. am 14.07.2014 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke

    Fragt sich wer hier der grössere Betrüger ist. Das Casino oder diese Banden. Wenn man bedenkt, dass diese Angestellten jede Zahl treffen, die sie wollen. Aus eigener Erfahrung kann ich dies bestätigen. Mit Glücksspiel hat dies nur noch wenig zu tun. Das nenne ich systematische Abzocke durch geschultes Personal und ist der grössere Skandal.

  • Ruedi Blau am 14.07.2014 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist der Betrüger?

    Guter Werbeartikel für ein Casino welches deutlich unter den Umsatzerwartungen wirtschaftet. Und der eigentliche Betrüger ist ja auch der Staat, der seine Bürger animieren will mathematisch nachteilige Wettgeschäfte zu tätigen. Traurig!!!