«Parkplatzmörder»

20. August 2009 06:25; Akt: 20.08.2009 09:13 Print

Berisha-Prozess: Massives Polizeiaufgebot

Der als «Parkplatzmörder von Dübendorf» bekannt gewordene ehemalige Thaibox-Weltmeister Bashkim Berisha muss sich ab heute Donnerstagmorgen vor dem Zürcher Obergericht verantworten. Angeklagt ist er der vorsätzlichen Tötung. Er selbst macht ein Versehen geltend. Der Prozess wird streng bewacht.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Unter massivsten Sicherheitsvorkehrungen hat heute der Prozess gegen Bashkim Berisha begonnen. Im Gerichtssaal sind nur Journalisten zugelassen. Doch auch diese müssen Handys und Taschen abgeben. Die Kantonspolizei Zürich sichert das Gebäude, zudem stehen Polizisten einer Sondereinheit vor dem Gerichtsgebäude.

Bereits nach dem Tötungsdelikt auf dem Dübendorfer Parkplatz meldete sich die Familie Berisha zu Wort: «Bitte lasst uns leben», sagten sie damals dem «Blick». Sie fürchteten sich vor einer Ehrenrache. Im traditionellen albanischen Gewohnheitsrecht, dem Kanun, wird Mord mit Mord gesühnt. Die Mutter will zum Prozess nicht erscheinen, wie sie gegenüber Radio 24 sagte. Sie ist aber überzeugt, dass Bashkim kein vorsätzlicher Mörder ist: «Mein Sohn wollte das nicht. Aber jetzt ist es zu spät.»

Der heute 28-jährige Kosovo-Albaner Bashkim Berisha wird beschuldigt, am 11. Februar 2005 auf einem Parkplatz in Dübendorf im Streit um einen Parkplatz einen 26-jährigen Mazedonier erschossen zu haben. Berisha wohnte damals in Winterthur. Nach der Tat flüchtete er in den Kosovo. Im Oktober 2005 wurde er im Westkosovo verhaftet. Im Juli 2007, nach einem langen Auslieferungsverfahren, wurde er an die Schweiz ausgeliefert und sitzt seither in Haft. Der Prozess ist auf zwei Tage angelegt.

Schwierige Jugend

Der Angeklagte verbrachte seine ersten Lebensjahre im Kosovo. Als Elfjähriger zog er mit der Familie zum Vater nach Winterthur. Der Bub hatte Mühe in der Schule und konnte sich nicht an sein neues Leben gewöhnen. Immer wieder wurde er straffällig, häufig war er gewalttätig. In der Schule soll er seinen Turnlehrer verprügelt haben, später attackierte er einen Polizisten.

Bekannt durch Dokumentarfilm

Im Boxtraining versuchte er, seine Aggressionen in geordnete Bahnen zu lenken. Als Thai-Boxer wurde er 2002 Weltmeister, er strebte eine Profikarriere an. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde er durch den preisgekrönten Dokumentarfilm «Bashkim», der 2001 in Kino und Fernsehen gezeigt wurde: Der Basler Regisseur Vadim Jendreyko hatte den jungen Mann im Zusammenhang mit Jugendgewalt und Migrationsproblemen porträtiert.

Der Prozess stösst auf grosses öffentliches Interesse. Da das Obergericht aber derzeit wegen Umbauarbeiten in einem Provisorium tagt, steht kein grosser Saal zur Verfügung. Der Prozess wird deshalb per Video an die Universität übertragen. Aus Sicherheitsgründen allerdings in ein Aussengebäude.

(meg/sda)