Bundesgericht

10. September 2019 12:28; Akt: 10.09.2019 12:28 Print

Beschwerde von Zugschubser abgewiesen

Der Zürcher Zugschubser hatte im Dezember 2015 eine Frau vor eine abfahrende S-Bahn geschubst. Sie verlor dabei einen Arm. Nun muss er definitiv 5,5 Jahre ins Gefängnis.

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Der Mann, der im Dezember 2015 eine Frau im Zürcher Hauptbahnhof gegen eine abfahrende S-Bahn gestossen hatte, ist vor dem Bundesgericht abgeblitzt. Es bestätigte den Schuldspruch des Obergerichts. Damit bleibt es bei einer unbedingten Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren.

Der Vorfall in den frühen Morgenstunden ist auf Aufnahmen einer Überwachungskamera dokumentiert. Der Mann und die Frau, die sich nicht kannten, waren beide stark betrunken und hatten Drogen konsumiert. Nach einem ersten verbalen Streit hatte sich die Frau wieder beruhigt, der Mann suchte jedoch weiter ihre Nähe.

Schliesslich trat sie auf ihn zu und hob die Hand. Der Mann stiess sie mit so grosser Wucht weg, dass die Frau gegen die abfahrende S-Bahn stürzte, in die Lücke zwischen Perronkante und Zug fiel und schliesslich teilweise überrollt wurde. Dabei wurde ihr der linke Unterarm auf Höhe des Ellenbogens abgetrennt.

Vorsatz oder Fahrlässigkeit

Das Obergericht hatte, wie bereits das Bezirksgericht Zürich, die Tat als versuchte vorsätzliche Tötung bewertet. Allerdings verschärfte es das erstinstanzliche Urteil. Das Bezirksgericht hatte dem Angeklagten damals noch einen Notwehrexzess zugestanden.

Beim Bundesgericht beantragte der Mann deshalb, das Urteil des Obergericht sei aufzuheben und die Sache an das Bezirksgericht zurückzuweisen. Einen ausdrücklichen Antrag zur Sache machte er zwar nicht. Der Beschwerdebegründung lasse sich jedoch entnehmen, dass der Mann eine Verhandlung über ein Fahrlässigkeitsdelikt verlange, schreibt das Gericht in seinem am Dienstag publizierten Urteil.

Der Mann argumentierte unter anderem, das Obergericht habe die Vorgeschichte nicht berücksichtigt. Er sei in Bedrängnis gewesen und habe vor der Konfrontation einen bloss stehenden Zug wahrgenommen. Das Obergericht hatte den heftigen Stoss jedoch als völlig unangemessen bezeichnet. Die Beteuerung des Mannes, den fahrenden Zug nicht wahrgenommen zu haben, hielt das Gericht für nicht plausibel.

«Keine Abwehrchance»

Das Bundesgericht hält fest, dass keine Rede davon sein könne, dass die Vorinstanz die Vorgeschichte, die ursächlich für die Konfrontation gewesen sei, völlig ausgeblendet habe.
Die Videoaufzeichnung zeige jedoch, dass der Mann die Frau mit derart grosser Wucht in Richtung des anfahrenden Zuges gestossen habe, dass sie unaufhaltbar gegen diesen geschlittert sei. Sie habe offensichtlich keine Abwehrchance gehabt.

Es sei folgerichtig, wenn die Vorinstanz davon ausgehe, dass es nur dem Zufall zu verdanken sei, dass die Frau den Sturz in den Gleisschacht überlebt habe. Die Schlussfolgerung der Vorinstanz sei nicht zu beanstanden, schreibt das Bundesgericht.

Die Beschwerde des Mannes wird deshalb abgewiesen. Er muss nun die Gerichtskosten in Höhe von 3000 Franken tragen.

(sda)