Koch-Areal Zürich

20. April 2016 11:09; Akt: 20.04.2016 19:58 Print

Besetzer klauen Esswaren, die für Bedürftige waren

Zwei Hausbesetzer haben für rund 200 Franken Lebensmittel gestohlen und sich gegen eine Polizeikontrolle zur Wehr gesetzt. Vor Gericht verweigerten die beiden jede Aussage.

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Bei der Befragung durch den Einzelrichter machten die beiden Beschuldigten am Mittwochnachmittag von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Weder der 20-jährige Schweizer noch der 22-jährige Italiener wollten nähere Angaben zu den Vorkommnissen in der Nacht auf den 15. Oktober 2015 machen.

Die Eckpunkte sind dennoch klar: Die beiden Männer wurden in jener Nacht kurz vor 1 Uhr von zwei Zürcher Stadtpolizisten angehalten. Die Männer seien ihnen verdächtig erschienen, weil sie um diese Uhrzeit einen Veloanhäger voller Lebensmittel schoben, wie einer der beteiligten Polizisten vor Gericht ausführte.

Nach Kontrolle eskaliert es

Weil sich der Italiener nicht ausweisen konnte, sollte er auf die Wache mitgenommen worden. Der Schweizer wollte seinen Kollegen, der kein Deutsch sprach, nicht allein lassen. Es kam zu einem Gerangel. Dabei wurden Tritte und Schläge ausgeteilt. Sowohl Polizisten, von denen sich zwei verletzten, als auch die beiden Beschuldigten kamen zu Fall.

Durch den Radau wurden auch 30 Personen aus dem nahegelegenen besetzten Kochareal angelockt, welche die Polizisten, die Verstärkung gerufen hatten, mit Gegenständen bewarfen.

Für den Staatsanwalt ist klar: Die 20- und 22-jährigen Männer haben sich unter anderem der Gewalt und Drohung gegen Beamte, der leichten Körperverletzung und des geringfügigen Diebstahls schuldig gemacht. Er fordert eine unbedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten.

Die Verteidiger beider Beschuldigten verlangten zumindest Teilfreisprüche und mildere Bestrafungen mit lediglich bedingt ausgesprochenen Geldstrafen. Ihr Mandant habe die Anweisungen auf Deutsch nicht verstanden und sei plötzlich von der Polizei am Arm ergriffen worden, sagte dessen Verteidigerin. Er habe sich um sich schlagend gewehrt, um nicht zu Boden geworfen zu werden.

Lebensmittel aus dem Müll gefischt?

Laut Anklageschrift entwendeten die beiden Männer im Innenhof einer Aldi-Filiale in Zürich-Altstetten Lebensmittel im Wert von 215.40 Franken, die für die wohltätige Organisation «Schweizer Tafel» bereit standen. Die Esswaren wollten sie «in die Küche des sogenannten Kochareals bringen, wo sie gemeinsam mit den übrigen Anwesenden des Areals verzehrt worden wären».

Auch darüber äusserten sich die beiden Beschuldigten am Mittwoch vor Gericht nicht weiter. Laut deren Verteidigern sind die beiden davon ausgegangen, dass es sich um weggeworfene Lebensmittel gehandelt habe und nicht um fremdes Eigentum.

Das Bezirksgericht Zürich wird das Urteil am kommenden Mittwoch eröffnen.

(sda)