Neue Wohnsiedlung

19. Dezember 2013 15:35; Akt: 19.12.2013 15:35 Print

Besetzer wollen auf Labitzke-Areal bleiben

245 Wohnungen sollen auf dem Zürcher Labitzke-Areal entstehen. Das passt den dortigen Besetzern nicht. Als der Eigentümer die Pläne vorstellte, stürmten sie die Veranstaltung.

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Das Labitzke-Areal in Zürich-Altstetten wurde am 7. August 2014 geräumt. Auch die Feuerwehr war vor Ort. Die Beamten versuchten sich durch ein Nebengebäude einen Zugang zum Areal freizuschweissen ... ... einige Polizisten nahmen den Weg durch die Büsche. Andere kamen übers Dach und verhafteten dort erste Besetzer. Auch er sass hier wohl nicht mehr allzu lange. Die letzten Besetzer hatten sich auf einem Turm verschanzt. Mit Sprechgesängen und Barrikaden versuchten die Besetzer die Räumung zu verhindern. Die Polizei forderte jene auf dem Turm auf, herunterzukommen. Vorerst ohne Erfolg. Zwischendurch gaben die Besetzer Rauchzeichen vom Turm. Einer der Besetzer wurde von einem 12 Meter hohen Holzturm geholt und abgeführt. Ein weiterer Aktivist wurde abgeführt. Auch für diesen Herrn war das Abenteuer vorerst beendet. Hier liessen sich drei Polizisten mit einer Drehleiter in die Höhe fahren, um die Besetzer auf dem Turm zu beobachten. Nun näherten sich die Polizisten dem Turm (links) auch über das Dach des Nebengebäudes. Um kurz nach 11.30 Uhr holte die Polizei einen Besetzer nach dem anderen vom Turm herunter. Auch für sie hatte nun das letzte Stündchen auf dem Areal geschlagen. Hier wurden die letzten Besetzer des Turms von der Polizei abtransportiert. Nun wurden grosse Fahrzeuge in Position gebracht, um das Gebäude zu räumen. Die Journalisten mussten sich mittlerweile hinter den Wasserwerfer begeben. Sympathisanten der Besetzer reagierten mit einer unbewilligten Demo auf der Hohlstrasse - sechs Personen wurden deswegen festgenommen. Die Polizei ist auf das Labitzke-Areal vorgedrungen. Eine erste Person wurde von der Polizei abgeführt. Auch die Feuerwehr und die Sanität waren vor Ort. Die ehemalige Farbfabrik war seit Jahren besetzt. Die letzten verbleibenden Mieter hätten im März 2014 das Gebäude verlassen müssen - gegangen sind sie schliesslich am 4. August. Das Labitzke-Areal am Tag der Räumung. Mit einem Grossaufgebot rückte die Zürcher Polizei in Altstetten an, um das Labitzke-Areal zu räumen. Die Polizei formierte sich auf der Hohlstrasse. Die Hohlstrasse war für jeglichen Verkehr gesperrt. Das Areal wurde grossräumig abgesperrt. Am Dienstag hatte ein besonders hartnäckiger Demonstrant seine Arme für Stunden in zwei mit Beton gefüllte Container gesteckt. Bereits letzten Winter begannen die Abrissarbeiten auf dem Labitzke-Areal. Dies störte die Besetzer und führte zu Demonstrationen. Das Labitzke-Areal war vom Autonomen Beauty Salon besetzt. Auf dem Areal der ehemaligen Farbenfabrik Labitzke sollen acht Hochhäuser mit 245 Wohnungen gebaut werden. 750 bis 800 Menschen werden einst auf dem Gelände leben und arbeiten. Die Besetzer störten im Juni 2013 die Medienkonferenz, an der das Bauprojekt präsentiert wurde. Mobimo betreibe hier Abriss auf Vorrat, kritisieren die Besetzer: «Es geht doch nur darum, dass wir möglichst schnell ausziehen.»

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«Wohnungen im mittleren Preissegment – das ist doch wohl lachhaft», sagten die mit Papiersäcken vermummten Labitzke-Areal-Besetzer, als sie am Donnerstagmorgen eine Medienkonferenz im Zürcher Volkshaus störten. Dass hier das Immobilienunternehmen Mobimo AG gerade seine Baupläne für das Gelände in Zürich-Altstetten vorstellte, passt ihnen überhaupt nicht.

Noch leben auf dem 10'000 Quadratmeter grossen Areal der ehemaligen Farbenfabrik Labitzke geschätzte 100 Besetzer und Mieter. In den letzten 25 Jahren entwickelte sich hier ein Mikrokosmos aus Wohngemeinschaften, Künstlerateliers, Clubs, einer Moschee und einem Bordell. 2011 kaufte Mobimo das Gelände, in den nächsten drei Monaten müssen alle raus.

245 Wohnungen in acht Gebäuden

Im Frühling 2014 beginnt Mobimo mit der Altlastensanierung und dem Abriss der Industriebauten, wie Peter Grossenbacher, Mitglied der Mobimo-Geschäftsleitung sagt: «Auf dem Areal entstehen 245 Miet- und Eigentumswohnungen in acht Gebäuden.» Die zwei markanten, 15-stöckigen Wohntürme werden 45 Meter, die niedrigeren Gebäude 25 Meter hoch. «Durch die unterschiedlich hohen Gebäude entsteht eine eng verzahnte Häuserlandschaft mit vielen begrünten Innenhöfen und Terrassen», so der Architekt Mike Guyer von Gigon Guyer Architekten, der auch den Primetower entworfen hat.

Der Grossteil des Angebots umfasst mittelpreisige 2,5- bis 4,5-Zimmerwohnungen. Nach marküblichen Preisen werden das 2000 bis 3000 Franken Miete pro Monat sein. «Wir planen 25 verschiedene Wohnungstypen – etwa Eckwohnungen auf zwei Etagen», so Grossbacher. In den Erdgeschossen sollen Gewerbe, Läden, Cafés und eine Kinderkrippe unterkommen. «Insgesamt werden ab Ende 2017 auf dem Labitzke-Areal 750 bis 800 Menschen leben und arbeiten», so Grossbacher. Für die Wohnsiedlung investiert Mobimo 160 Millionen Franken. «Im zweiten Quartal 2014 reichen wir das Baugesuch ein, Ende Jahr können wir hoffentlich mit den Bauarbeiten beginnen», sagt Grossbacher.

Widerstand gegen den Rauswurf

Dass die Abrissarbeiten beginnen, bevor das Projekt überhaupt bewilligt ist, stört die Besetzer: «Es kann doch Jahre dauern, bis die Stadt grünes Licht gibt.» Mobimo betreibe hier Abriss auf Vorrat: «Es geht doch nur darum, dass wir möglichst schnell ausziehen.» Genau das Gleiche sei auf dem ehemals besetzten Binzareal passiert: «Seit im Frühling das Gelände geräumt wurde, liegt es brach.» Die Labitzke-Areal-Besetzer wollen sich das nicht gefallen lassen: «Wir werden unseren Auszug juristisch anfechten, solange noch keine Baubewilligung vorliegt.»

Davon hat man bei Mobimo keine Angst, wie Grossbacher sagt: «Die Besetzer dürfen bis im nächsten Frühling bleiben.» Dies sei länger als geplant. Dass das Unternehmen Abrissarbeiten auf Vorrat betreibt, verneint er: «Die Abriss- und Sanierungsarbeiten dauern Monate.» Die Besetzer würden nicht einfach so auf die Strasse gestellt: «Sie wissen zudem schon lange, dass sie raus müssen. Wir hoffen einfach, dass sie das Gelände friedlich verlassen. Es wäre schade, wenn sie den Baustart verzögern würden.»

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alles wird gut am 19.12.2013 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ich check's nicht

    Wie kann man juristisch gegen einen Besitzer vorgehen, in dessen Immobilie man illegal wohnt, es "besetzt"? Irgendwie kommt mir das etwas unlogisch vor. Klar ist eine 2000.- 2.5 Z. Wohnung teurer, als wenn ich diese illegal in Beschlag nehme, desshalb wohne ich nicht in einer hochpreislagigen Gegend (Zürich). Schon länger geht mir dieser Autonomen-Quatsch auf den Sack. Sind ja selbst die assozialsten gegenüber der Bevölkerung.

    einklappen einklappen
  • sandra zimmermann am 20.12.2013 00:22 Report Diesen Beitrag melden

    checkerIn

    die "motzer" sind mieterInnen und wohnen dort schon seit jahren. diese wollen den rausschmiss aus dem eigenen zu hause boykottieren und diesen juristisch anfechten. also alles halb so wild.

  • user am 20.12.2013 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    neubau

    anzeigen und zwar sofort! diese leute kennen keinen anstand. ambesten heute schon mit dem abriss beginnen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • architekt am 21.12.2013 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    sehr schönes Ensemble!

    die volumetrien gefallen mir städtebaulich sehr gut!

  • besetzer am 20.12.2013 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    soso

    sofort rauswerfen und mit dem bau beginnen!

  • user am 20.12.2013 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    neubau

    anzeigen und zwar sofort! diese leute kennen keinen anstand. ambesten heute schon mit dem abriss beginnen!

  • sandra zimmermann am 20.12.2013 00:22 Report Diesen Beitrag melden

    checkerIn

    die "motzer" sind mieterInnen und wohnen dort schon seit jahren. diese wollen den rausschmiss aus dem eigenen zu hause boykottieren und diesen juristisch anfechten. also alles halb so wild.

  • Lutzifer, 19,12,2013 am 19.12.2013 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    Neubau ZH

    Warum nicht in den unteren 5 Etagen Günstige Wohnungen, Standard, so wie in Luzern Allmend, Hochhaus, eine gute Idee eine " Zimmer ist hier 50 qm, ab 1,300, Fr zu haben. 2000, Wer kann das für eine 2 Zimmer Zahlen, Die Häuser sehen wie Schachteln aus, und die Motzer sollen Froh sein das sie dort sein Dürfen u, den Rand halten.,