Zürcher Bars und Clubs

22. Januar 2018 15:26; Akt: 22.01.2018 15:26 Print

Barkeeper klagen über betrunkene Gäste

Der Umgangston in den Zürcher Clubs und Bars wurde in den letzten Jahren ruppiger. Die Barkeeper geben den Gästen dafür die Schuld.

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«Gäste, die sich früher mit dem Bartender unterhalten haben, glotzen heute nur noch auf den Bildschirm ihres iPhones», sagt der Chef der Zürcher Barfachschule Alex Armbrüster. (Bild: iStock (Symbolbild))

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Die Gäste seien unfreundlich, ignorant und besoffen, beschweren sich Zürcher Barkeeper in der Kolumne von Nachtleben-Experte Alex Flach im «Tages-Anzeiger». Der Anstand ginge flöten, Gäste seien herablassender als früher – vor allem junge Männer. «Mit Frauen gibts weit weniger Probleme. Wenn aber mal eine dumm tut, dann richtig», so Susan Peter, Bartender an der Hauptbar des Supermarktes. Nicole Brack, Geschäftsleiterin des 4. Akt, sieht die Gründe dafür beim gestiegenen Alkoholkonsum: Gäste hätten früher nicht so viel Hochprozentiges bestellt.

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Nicht nur Besoffene sorgen für Ärger bei den Barkeepern, auch die mit sich selbst beschäftigten Gäste tragen zum Unmut bei: mit Smartphones sei es anonymer geworden – «Gäste, die sich früher mit dem Bartender unterhalten haben, glotzen heute nur noch auf den Bildschirm ihres iPhones», sagt der Chef der Zürcher Barfachschule Alex Armbrüster.

«Cocktails mixen kann jeder»

Armbrüster sieht aber auch eine negative Tendenz beim Umgang mit dem Gast: «Die wichtigsten Cocktails zu mixen, kann ich dir in ein paar Stunden beibringen. Was viel länger braucht, ist zu lernen, wie man den Gast als solchen behandelt. Diese Kunst ist etwas verloren gegangen», wird er in der Kolumne zitiert.

Auch Valerie Caminada vom Hive-Club beobachtet immer wieder Kollegen, bei denen sie sich fragt, was diese in der Gastronomie verloren haben. Sie selbst liebe ihren Job, und dies würde man ihr auch anmerken. So gelinge es ihr immer wieder, brenzlige Situationen zu entschärfen.

Grosser Unterschied zwischen Clubs und Bars

Wie Alex Flach zu 20 Minuten sagt, sind die Reaktionen auf seine Kolumne auf beiden Seiten teilweise sehr emotional. Aus seiner Sicht sei es wichtig, bei der Beurteilung einen Unterschied zwischen dem Barkeeper in einer Bar und dem in einem Club zu machen: «Das sind zwei total verschiedene Jobs – in der Bar ist der Barkeeper der Gastgeber, sollte den Gast gut behandeln und alle Drinks und Cocktails kennen.» Hier sei es effektiv schade, dass alle Gäste nur aufs Handy blicken würden. «Früher entstanden dort spannende Gespräche», so Flach.

Im Club sei der Barkeeper hingegen eine Getränkemaschine. «Hier sollte der Barkeeper begreifen, dass der Gast nicht für ein Pläuschchen an der Bar steht, sondern für einen schnellen Drink, um danach weitertanzen zu können», sagt Flach. Auf der anderen Seite könne der Gast dann aber keine aufwendigen Cocktails erwarten oder eine Szene machen, wenn der Barkeeper dies ablehnt.

Aber dürfen sich Clubs und Bars überhaupt über betrunkene Gäste beklagen? «Ich finde schon – klar verdienen die Lokale mit Alkohol Geld, aber der Gast muss sich trotzdem anständig benehmen», so Flach. Es beschwere sich ja auch niemand über die lieben Betrunkenen. «Aber solche, die Ärger machen und ausfällig werden, sind einfach schlecht fürs Geschäft.»

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(mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bar Besucher am 22.01.2018 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgerechnet der 4. Akt

    ...beklagt sich, obwohl der einzige Grund dorthin zu gehen doch die grossen, starken Drinks sind. Einerseits sich mit Alkohol profilieren und dann klagen, dass die Kundschaft besoffen ist...

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  • Biertrinker am 22.01.2018 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Dann halt keine Bar mehr

    Sorry, dass ich für 8.50 ein Bier in einer Bar trinke statt für 1.50 eins zuhause.

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  • Kirio am 22.01.2018 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist der Sinn?

    Und Autoverkäufer ärgern sich über Autofahrer.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Locon am 22.01.2018 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anstand

    Betrunken sein ist eins, anstand und Respekt das andere...

  • Sep am 22.01.2018 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Basel ist alles in ordnug

    In basel geht alles gut ;-)

  • alexlomismo am 22.01.2018 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zitate der Wahrheit:

    Und ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's völlig ungeniert! (Wilhelm Busch)

  • Ordnungshüter am 22.01.2018 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    Order? Law and Order!

    Wenn man in den Siebzigern oder Achtzigern ausging, trank man Bier. Das, was heute konsumiert wird, ist um ein Vielfaches stärker, und dementsprechend sind auch die Folgen und daraus entstehenden Kosten viel schlimmer als früher. Dazu kommt eine Zunahme der Frustration und sinkender Respekt. Wir sollten uns an der erfolgreichen Drogen-Prohibition ein Vorbild nehmen und Alkohol ebenfalls ins BetMG aufnehmen. Zusammen mit harten Strafen wird das Wunder wirken. Law and Order. Jetzt.

  • Dr Gigi us Maloja am 22.01.2018 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    In Zürich?, das kann doch nicht sein!

    Die Züricher wissen schon, wie sie sich benehmen müssen. Das, worüber sich die Barmans beklagen, ist für die Züricher normaler Umgang!