Zürich

25. März 2011 13:56; Akt: 25.03.2011 14:08 Print

Betreuer missbrauchte indische Kinder

von Attila Szenogrady - Ein Airline-Mitarbeiter aus Zürich hat bei einem Hilfseinsatz in Indien zwei Waisenkinder sexuell missbraucht. Das Gericht verurteilte den geständigen Täter, schob aber eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten zugunsten einer ambulanten Psychotherapie auf.

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Es war im Herbst 2008, als der heute 41-jährige Angeklagte freiwillig im Einsatz für das Schweizer Hilfswerk «Dil Se» in Indien stand. Der in Zürich wohnhafte Tessiner betreute dabei in einem Heim diverse Waisenkinder im Alter von neun bis 18 Jahren. Sicher ist, dass er sich an einem Oktobertag an zwei mutmasslich zwölfjährigen Knaben kurz nacheinander sexuell verging. In der Anklageschrift war von oralen und manuellen Praktiken des Täters die Rede.

225 Tage in Untersuchungshaft

Da die beiden Kinder die Übergriffe später meldeten, kam es seitens der privaten Hilfsorganisation zu einer Strafanzeige, die am 20. August 2009 zur Festnahme des Flight Attendants in Zürich führte. Er verbrachte danach 225 Tage in Untersuchungshaft und legte ein Geständnis ab. Nach seiner Entlassung begab er sich umgehend in eine ambulante Psychotherapie, die ihm ein Gutachter empfohlen hatte.

Auch Staatsanwalt für Strafaufschub

Am Freitag stand der Beschuldigte wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern vor dem Bezirksgericht Zürich. Hinzu kam ein weiterer Vorwurf der Pornographie. So hatte die Polizei auf seinem Laptop Sex-Bilder mit nackten Knaben sichergestellt.

Vor Gericht gab der Angeklagte die Hauptvorwürfe zu, wollte aber zu den sexuellen Handlungen keine Erklärung abgegeben. Bei den Porno-Bildern beteuerte er zudem seine Unschuld, da er diese nicht vorsätzlich heruntergeladen habe. Immerhin versicherte er, dass er nie wieder im humanitären Bereich arbeiten wolle.

Der zuständige Staatsanwalt verlangte eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten, setzte sich aber für den Aufschub des Vollzugs zugunsten der bereits angelaufenen ambulanten Massnahme ein. Der Verteidiger verlangte dagegen aus formellen Gründen Freisprüche. So sei bei beiden Geschädigten das genaue Alter nicht gesichert, plädierte er und zog daher in Betracht, dass die Opfer bedeutend älter gewesen sein könnten.

Vertrauensverhältnis missbraucht

Das Gericht kam bei den sexuellen Handlungen zu Schuldsprüchen und ging davon aus, dass beide Geschädigten zur Tatzeit Kinder unter 14 Jahre alt gewesen seien. Davon sei auch der Angeklagte ausgegangen, sagte der Vorsitzende. Zudem habe das Gericht Fotos der Geschädigten neun Monate nach den Übergriffen gesehen und sei klar zum Schluss gekommen, dass die Opfer Kinder seien.

Bei der Pornographie kam das Gericht zu einem Freispruch. So sei nicht gesichert, ob der Mann die Bilder bewusst heruntergeladen habe. Trotzdem wich das Gericht nicht vom Antrag der Anklage ab und setzte aufgrund eines nicht mehr leichten Verschuldens 18 Monate Freiheitsentzug fest. So habe der Beschuldigte ein Vertrauensverhältnis missbraucht.

Strafmildernd stufte das Gericht eine leicht verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten ein. Zudem hielt es ihm sein Geständnis zugute und die Tatsache, dass er sich mit den Opfern aussergerichtlich auf grosszügige finanzielle Abfindungen geeinigt hat. Entscheidend war aber, dass das Gericht die Strafe zugunsten der Massnahme aufschob.