Kindsmisshandlung

20. Januar 2020 11:07; Akt: 20.01.2020 18:22 Print

Spital warnt vor Zunahme von «Schüttelbabys»

Die Kinderschutzgruppe des Kinderspitals Zürich verzeichnete 2019 eine leichte Zunahme der gemeldeten Verdachtsfälle auf Kindsmisshandlungen.

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Wie die Kinderschutzgruppe des Universitätsspitals Zürich am Montag in einem Schreiben mitteilt, hat es für das vergangene Jahr eine höhere Zahl von «Schüttelbabys» registriert. Insgesamt wurden 10 Verdachtsfälle von Säuglingen mit Schütteltrauma gemeldet, fünf wurden bestätigt. Das sind drei Fälle mehr als 2018.

Die Kinderschutzgruppe zeigt sich beunruhigt und hofft, dass es sich dabei nur um einen statistischen Ausreisser handelt. Das Schütteln von Kleinkindern verursache bei zwei Dritteln der Kinder bleibende Hirnschäden, schreibt die Kinderschutzgruppe in ihrer Mitteilung vom Montag. Das Schütteln kann – auch wenn es nur ganz kurz ist – sogar zum Tod führen. «Im Jahr 2019 mussten wir in diesem Zusammenhang einen Todesfall verzeichnen», sagt Anja Böni, Oberärztin Kinderschutzgruppe und Opferberaterin, auf Anfrage.

«Es ist wichtig, diese frühzeitig zu erkennen»

Böni, die selbst Fälle von Schüttelbabys betreut, betont: «Die wenigsten Eltern, die ihr Kind schütteln, sind böse. Meistens handelt es sich dabei um Überforderung.» Deshalb rät sie Eltern, die sich überfordert fühlen, sich an die Väter- und Mütter-Beratung zu wenden. «Die Beratungsstellen gibt es in der Stadt Zürich wie auch im ganzen Kanton», so Böni.

Im Kinderspital Zürich werden die Mitarbeitenden intern geschult, um Anzeichen von Vernachlässigung oder Misshandlung zu erkennen: «Es ist wichtig, diese frühzeitig zu erkennen. Nur so können wir dem Kind und den Eltern helfen.» Besteht ein Verdacht, sucht man das Gespräch mit den Betroffenen. «Zudem wird in besonders schweren Fällen von Misshandlung eine Anzeige bei der Polizei erstattet», so Böni. In den letzten Jahren seien dies im Schnitt etwa drei bis fünf Strafanzeigen pro Jahr gewesen.

Fälle von Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom

Wie es in der Mitteilung am Montag heisst, haben auch andere körperliche Misshandlungen im vergangenen Jahr leicht zugenommen. Von 544 gemeldeten Verdachtsfällen wurde bei 387 Fällen eine Misshandlung bestätigt. Bei 128 Kindern blieb der Verdacht bestehen, konnte aber nicht nachgewiesen werden.

In 29 Fällen stellte sich heraus, dass keine Misshandlung vorlag und die Symptome medizinisch erklärbar waren. Im Vorjahr lag die Zahl der gemeldeten Fälle bei 528.

Im Gegensatz zum Vorjahr gab es 2019 sogar auch wieder vereinzelte Fälle von Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Dabei machen Eltern, vor allem Mütter, ihre Kinder absichtlich krank, um sie dann pflegen zu können.

(dmo/sda)