Zürich

23. Juli 2015 07:28; Akt: 23.07.2015 07:28 Print

Bewilligung für Affenversuche gestoppt

Die Tierversuchskommission des Kantons Zürich winkte die Experimente mit Primaten durch. Nun kam Widerstand gegen die Versuche von ETH und Uni.

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Zürich will wieder Primatenversuche: Makake in einem deutschen Forschungslabor. (Archivbild) (Bild: Keystone/AP/Jörg Sarbach)

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Das Institut für Neuroinformatik (INI) der ETH Zürich und der Universität Zürich möchte wieder Affenversuche durchführen. Das kantonale Veterinäramt hat ein entsprechendes Gesuch bewilligt. Aus den Experimenten wird aber wegen eines Rekurses vorläufig nichts.

Drei Mitglieder der Tierversuchskommission hätten gegen die Bewilligung des Veterinäramtes Rekurs eingereicht, teilte die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner (AG STG) am Mittwoch mit. Damit sei das Bewilligungsverfahren vorläufig gestoppt.

Dass die Forscher noch kein grünes Licht für ihre Versuche haben, liegt an einer Besonderheit im Kanton Zürich. Drei Mitglieder der elfköpfigen Tierversuchskommission können gemeinsam Einspruch gegen den Mehrheitsbeschluss einlegen. Das entspricht exakt der Anzahl Vertreter von Tierschutzorganisationen in dem Gremium.

Affenversuche 2006 noch abgelehnt

Die Zürcher Kantonstierärztin Regula Vogel bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda, dass beim Regierungsrat ein Rekurs hängig sei. Mit Verweis auf das laufende Verfahren wollte sie jedoch keine weiteren Angaben machen. Bewilligt hatte das Veterinäramt das Gesuch aufgrund der Empfehlung einer Mehrheit der Tierversuchskommission.

Für Marietta Haller, wissenschaftliche Mitarbeiterin der AG STG, ist es erstaunlich, dass die Kommission die Versuche zur Bewilligung vorgeschlagen hat. Noch 2006 habe sie Affenversuche abgelehnt. Bei den nun geplanten Versuchen handle es sich ebenfalls um «Forschung ohne konkreten medizinischen Nutzen».

Vom Bundesgericht untersagt

Seit 2009 gibt es am Institut für Neuroinformatik keine Primaten mehr als Versuchstiere. Aufgrund von Rekursen der Tierversuchskommission wurden im November 2006 zwei umstrittene Versuche mit Makaken gestoppt.

Abgelehnt wurden die Versuche damals mit der Begründung, dass die Würde des Tiers bei den Experimenten verletzt werde. Der Streit ging letztlich bis ans Bundesgericht, das Ende 2009 ebenfalls an einem Verbot zur Weiterführung dieser Versuche festhielt.

Auch die neuen Affenversuche verletzten ganz klar die Würde der Kreatur, stellt Haller fest. Es scheine jedoch , dass sich die Tierversuchslobby mächtig ins Zeug gelegt habe, um zu erreichen, dass sich die Vorgänge von 2006 und 2009 nicht wiederholten.

Nagetiere ungeeignet

Dass das INI wieder Affenversuche durchführen will, hatte der Leiter der Forschergruppe, Valerio Mante, im vergangenen Herbst in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» angekündigt. Mante hatte von der renommierten Stanford University ans INI gewechselt, um hier das Vernunftzentrum des Gehirns, den präfrontalen Kortex, zu untersuchen.

Es gehe um das Verständnis psychischer Erkrankungen wie Schizophrenie, im besten Fall um eine Therapie, sagte Mante im Deutschlandfunk. Weil Nagetiere viele der relevanten Hirnabschnitte nicht haben, kämen als Versuchstiere nur Primaten in Frage.

Um die Aktivitäten im Gehirn zu messen, wollen die Forscher den Makaken Elektronen implantieren. Die Implantate sind laut den Forschern «nur wenige Millimeter gross und werden den Tieren in einer Operation ebenfalls nach humanmedizinischen Standards» eingesetzt.

Umstrittener Primatenstuhl

Die Schädeldecke werde wieder vollständig verschlossen und von den kleinen Implantaten merkten die Tiere überhaupt nichts, wird versichert. Das Gehirn sei schmerzfrei.

Bei den Experimenten müssen die Affen auf dem sogenannten Primatenstuhl Platz nehmen. Ihr Kopf wird fixiert, damit sie sich konzentrieren. Der Primatenstuhl wird von Tierschützern heftig kritisiert. Auch bei den zuletzt vom Bundesgericht 2009 verbotenen Experimenten wäre ein Primatenstuhl eingesetzt worden.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Isa Meier am 23.07.2015 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer sind wir...

    dass wir uns anmassen, andere fühlende Wesen als Versuchsobjekte zu quälen und dabei oft unerträgliches Leid zufügen, nur damit wieder ein neuer Lippenstift auf den Markt kommt?

  • sungi am 23.07.2015 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe!

    ich hoffe von ganzem herzen, das diese Versuche nicht erlaubt werden. habe bilder aus Deutschland gesehen und es war einfach nur schrecklich!!!

  • CPH am 23.07.2015 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und dann?

    Und dann, werden Schizophrenien ausgelöst oder wie? Das alleine ist schon absolut tierquälerisch. Das wüssten die Forscher, wenn sie mit diesem Krankheitsbild vertraut wären. Es ist immer wieder erschreckend zu sehen, zu was das grausamste aller Wesen fähig ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • D.N. am 23.07.2015 23:31 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Wurde auch langsam Zeit, diese qualen zu beenden! Aber wie viele schwarze Schafe gibt es noch darunter? Ist auch wieder etwas, dass nicht restlos überprüft werden kann.

  • Lia Mikkelsen am 23.07.2015 22:49 Report Diesen Beitrag melden

    Nutzlose Grausamkeit

    Es ist bewiesen, dass Versuche an Tieren absolut kein Garant dafür sind, dass die Medikamente für die Menschen ungefährlich sind. Oder wieso, sind Pharmabetriebe in Alarmbereitschaft resp. heller Aufruhr, wenn sich ein Patient bei ihnen meldet wegen gravierenden Nebenwirkungen? Es ist alles eine Alibiübung, eine grausame dazu und Wissenschaftler können sich damit profilieren.

  • Einstein am 23.07.2015 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grösstes Verbrechen

    96% der Tierversuche sind nicht auf den Menschen übertragbar. Es ist eines der grössten Verbrechen, das die Menschheit an fühlenden Lebewesen begeht. Aber die Versuche an Tieren werden grosszügig subventioniert und die Forscher machen weiter, leben ihre kranke Seite an wehrlosen Geschöpfen aus. Wie kann man nach solchen Versuchen noch ruhig schlafen und in den Spiegel schauen...?

  • Liliana am 23.07.2015 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wehrlose Geschöpfe

    Hab's gerade gelesen: Den Tieren werden zuerst die Stimmbänder durchgeschnitten, damit sie sie nicht schreien hören müssen!!!! Stoppt endlich dieses Verhalten am wehrlosen Geschöpf!

  • Tino am 23.07.2015 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egoismus

    Niemand will die Versuche, aber jeder der Angehörige mit Schizophrenie hat, möchte genau wissen wieso und wenn möglich eine Therapie. Aber eben solange es einem nicht betrifft, ist man dagegen.

    • Uni am 23.07.2015 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Tiere in ruhe lassen

      Dann mach doch Versuche an sich selbst wenn du etwas lernen möchtest, nicht auf unschuldige Tiere.

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