Bezirksgericht Zürich

19. Dezember 2011 20:19; Akt: 19.12.2011 20:20 Print

Bierhumpen-Schläger kommt glimpflich davon

von Attila Szenogrady - Ein betrunkener Berner hat mitten in Zürich einem Fussgänger einen über 1,8 Kilo schweren Bierhumpen gegen den Kopf geschlagen. Er wurde zu drei Jahren Freiheitsstrafe teilbedingt verurteilt.

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Es war am 6. November 2010, als sich kurz nach Mitternacht einige Jugendliche am Talacker im Zürcher Kreis 1 gegenseitig in die Haare gerieten. Der Auslöser war noch harmlos: So hatten zwei betrunkene Konzertbesucher aus dem Kanton Bern in ein Gebüsch uriniert. Worauf sich einige Augenzeugen lautstark darüber beschwerten.

Der heute 23-jährige Berner Beschuldigte nahm den verbalen Disput zum Anlass, um seinen Aggressionen freien Lauf zu lassen. «Ich bringe euch alle um!», brüllte er plötzlich und ging mit einem über 1,8 Kilogramm schweren Bierhumpen auf seine Gegner los. Dann schlug er das massive Glas gegen den Kopf eines Opfers und brachte diesem einen Schädelknochenbruch bei. Als der Geschädigte bereits wehrlos am Boden lag, trat er ihm noch zwei Mal gegen die Beine. Kurz darauf ergriff der Angeklagte auf einer nahen Baustelle eine Eisenhalterung und wollte damit weitere Kontrahenten attackieren. Zwei unbeteiligte Dritte konnten ihn gerade noch daran hindern. Kurz darauf konnte die Polizei den Bier-Humpen-Schläger festnehmen. Er verbrachte danach rund drei Monate in Untersuchungshaft.

Tötungsversuch oder einfache Körperverletzung

Am Montag musste sich der junge Berner vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Der Beschuldigte berief sich einerseits auf Erinnerungslücken. Andererseits sprach er von bedrohlichen Ausdrücken seiner Gegner und machte einen versehentlichen Schlag mit dem Humpen geltend.

Anders sah es die zuständige Staatsanwältin Bettina Groth. Sie sprach nicht nur von einem Angriff, sondern auch von einer versuchten vorsätzlichen Tötung. Mit seinem Schlag habe der mehrfach vorbestrafte Angeschuldigte den Tod des Geschädigten in Kauf genommen zeigte sie sich überzeugt und verlangte eine hohe Freiheitsstrafe von zwölf Jahren und zwei Monaten. Der Verteidiger sprach dagegen von einer einfachen Körperverletzung und setzte sich für eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten ein.

Versuchte schwere Körperverletzung

Das Gericht schlug den Mittelweg ein und legte wegen versuchter schwerer Körperverletzung sowie Angriffs eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren fest. Die Hälfte davon unbedingt. Ein Tötungsversuch sei nicht erstellt, sagte der Gerichtsvorsitzende Roland Heimann. So liege kein Beweis vor, dass der Beschuldigte gezielt gegen den Kopf des Geschädigten geschlagen habe. Hingegen sei eine versuchte schwere Körperverletzung gegeben. So muss der Beschuldigte doch noch für rund 15 Monate hinter Gitter. Während des Strafvollzugs ordnete das Gericht eine ambulante Psychotherapie an. Zudem wurde eine ehemals bedingte Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu 100 Franken widerrufen.

Der Beschuldigte wurde verpflichtet, dem Opfer ein Schmerzensgeld von 6000 Franken zu bezahlen.