Zürcher Gastronomie

23. August 2017 05:55; Akt: 24.08.2017 12:35 Print

Bindella-Gruppe springt auf den Orient-Express auf

Hummus, Baba Ganoush und Falafel boomen in Zürich. Jetzt serviert sogar Pizza-Pionier Bindella in seinem Restaurant Bank Mezze.

Bindella erklärt die Beliebtheit der orientalischen Küche und weshalb der Uritaliener nun auf diese Küche setzt.
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Die Idee ist simpel: Man bestellt kleine Portionen verschiedener Gerichte wie Hummus, das Auberginenpüree Baba Ganoush, Falafel-Bällchen oder gefüllte Weinblätter und teilt diese anschliessend gemeinsam am Tisch. Was man aus Spanien als Tapas kennt, wird in der orientalischen Küche Mezze genannt.

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Und diese sind momentan in Zürich im Trend: In den letzten zwei Jahren sind Restaurants und Take-aways, die sich der libanesischen oder der damit verwandten israelischen Küche verschrieben haben, wie Pilze aus dem Boden geschossen – vom Bebek über Moudi, Le Mezzerie und Neni bis hin zu Freyas Sommer.

Sogar die Bindella-Gruppe, die vor allem für italienische Küche bekannt ist und 1965 mit dem Santa Lucia eine der ersten Pizzerien der Stadt eröffnet hat, reitet nun auf der Mezze-Welle mit. Und zwar im Restaurant Bank am Helvetiaplatz, das sie neu mitbetreibt. Das erst vor eineinhalb Jahren eröffnete Lokal war am Anfang von mehreren Szene-Gastronomen betrieben worden und setzte unter anderem auf Güggeli.

«Mein Bruder hat vor ein Paar Jahren in Tel Aviv ein Restaurant eröffnet», so Rudi Bindella junior, Projektleiter im Restaurant Bank. «Ich bin begeistert von der lokalen Küche und kenne auch einige Köche aus Tel Aviv.» Der Charakter des Kreises 4 und die Lage am Helvetiaplatz seien prädestiniert für eine mediterran-orientalische Küche. Ob sich Bindella mit der etwas ausgefalleneren Küche auf das Restaurant Bank beschränkt oder später noch in weiteren Restaurants das Menü umkrempelt, lässt er offen.

«Der typische Gast hat sich verändert»

Die viele neue Konkurrenz bringt zumindest einen nicht aus dem Konzept: quasi den Urvater der libanesischen Küche in Zürich. «Wir haben Profis in der Küche und ich selbst bin auch Libanese», sagt Maurice Houraibi, Geschäftsleiter des Le Cèdre. «Wenn libanesisch draufsteht, heisst es nicht zwingend, dass auch libanesisch drin ist. Dazu kommt, dass uns alle Hotels empfehlen, wenn Gäste orientalisch essen wollen. Deshalb sehe ich in den neuen Restaurants keine Konkurrenz.»

Harry Meier, das Gesicht hinter dem Zürcher Food-Blog Harrys Ding, ist hautnah am Puls der Gastro-Welt und kann sich den Trend erklären: «Der typische Gast hat sich verändert. Das Sharing-Plates-Prinzip stösst auf immer grössere Beliebtheit.» Dazu komme, dass wir in einer Zeit seien, in der sich viele vegetarisch oder vegan ernährten.«Bei dieser Gruppe ist das orientalische Essen sehr gefragt, da auch ohne Fleisch die Speisekarte sehr divers ist.» Aber: Aus seiner Sicht sei der Hummus-Markt mehr als gesättigt – «vermutlich werden nur zwei oder drei qualitativ hochwertige Szene-Restaurants mit dieser Karte langfristig überleben können.»

(tür)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sinclair am 23.08.2017 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schuster, bleib bei deinem Leisten

    Wenn ich orientalische Küche geniessen will, gehe ich zum Profi und nicht zum Pizzabäcker.

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  • Typhoeus am 23.08.2017 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mezze in Ouzerias

    seit der Osmanenzeit in Griechenland Standard

  • Tim am 23.08.2017 06:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    libanesisch, türkisch, israelisch, arabisch, griec

    es wird oft ignoriert, dass die Mezze-Küche noch viel verbreiteter ist, als man denkt. Oft wird hier Libanon erwähnt, obwohl nicht annähernd Mezze als libanesisch genannt werden kann. Genau so wenig wie israelisch, arabisch oder türkisch etc... Tatsache ist hier, dass das osmanische Reich diese Küche über Jahrhunderte von Marokko bis Balkan verbeitet hatte. So essen wir nun im Cedre libanesischen, im Bebek türkischen und in der Taverna griechischen Mezze etc. Die Namen sind leicht anders, das Essen fast identisch. Mir schmeckts.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Elena am 23.08.2017 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Fertig mit feinem Pizzageruch

    das unangenehm riechende Zeugs vermiest einem ja den Genuss einer Holzofen Pizza komplett. Also fertig Santa Lucia

  • 807687 am 23.08.2017 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Libanon vereint die Küchen von ringsum

    Ich ziehe den libanesischen Hummos bi Tahina dem israelischen und ägyptischen bei weitem vor. Der libanesische ist würzig und umami, die anderen beiden Versionen eher fade. Ich koche die libaesische Küche selber, da wird sie authentisch (Viele tolle Rezepte von meinem libanesischen Mann und seiner Mutter). Zudem kenne ich auch Speisen, die eine Bindellagruppe nicht auf dem Radar hat. Früher habe ich noch Kochkurse mit dem Thema gegeben und entsprechendes Catering gemacht. Das war ein Riesen Erfolg. Heute geht es gesundheitlich leider nicht mehr.

    • Marc-Thomas am 23.08.2017 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @807687

      @ 807687 Wirklich, "umami"...? Glutamat ist weder gesund noch wirklich schmackhaft.

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  • Adriano am 23.08.2017 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist OSMANISCHE Küche

    Das ist nicht die libanesische oder marokanische oder israelische oder griechische Küche usw., sondern es handelt sich um Variationen der OSMANISCHE Küche. Auch wenn die Promotoren der genannten und anderer Länder gerne behaupten, die Spezialitäten (übrigens auch Moussaka und Tsatsiki) seien Besonderheiten ihrer so grossartigen Nation, erfunden haben diese Köstlichkeiten die "Türken"!

    • 807687 am 23.08.2017 14:24 Report Diesen Beitrag melden

      Zumindest was den kleinen Libanon...

      ...betrifft, muss ich Dir da widersprechen. Der Libanon vereint die Küchen der umliegenden Länder zum Besten daraus. Selbstverständlich sind auch türkische Speisen dabei. Aber von Erfinden kann man schlicht nicht sprechen. Ich habe schon gelesen, dass die Türken für sich reklamieren, Deutschland nach dem 2. WK wieder aufgebaut zu haben. Scheint wohl in die gleiche Schiene zu gehören. Ich weiss es besser, weil meine Oma eine Berliner Trümmerfrau war. Alle diese Länder haben tolle Speisen, daher darf man mit Fug und Recht von der orientalischen Küche sprechen.

    • Adriano am 23.08.2017 14:37 Report Diesen Beitrag melden

      @807687

      Nun ja, "orientalische" Küche kann man so halbwegs stehen lassen. Nur rechne ich halt Marokko und Algerien, wo Interpretationen dieser traditionellen Speisen auch als "landestypisch" bezeichnet werden, nicht unbedingt zum Orient. Würde man nach der ursprünglichen Herkunft der Gerichte forschen, würde man sowohl von den Osmanen als auch von den Arabern Einflüsse feststellen. Es ist halt so, dass gewisse Speisen (eben z.B. Moussaka und Tsatsiki in Griechenland) aus touristisch-ökonomischen Gründen und auch aufgrund des "Nationalstolzes" gerne als Erfindung des eigenen Volkes dargestellt werden..

    • Elian am 23.08.2017 17:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Adriano

      und köstlich riecht da schon mal gar nichts - finde es total eklig!

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  • J.H. Zürich am 23.08.2017 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Copy - Paste

    Copy - paste. Langweilig und nach dem Testen war ich wenig begeistert.

    • 807687 am 23.08.2017 14:29 Report Diesen Beitrag melden

      Dann komm zu mir,

      die Familie meines Mannes will immer, dass ICH koche, wenn ich bei ihnen in Beirut zu Besuch bin ;-) Die beste aller orientalischen Küchen ist bei weitem die libanesische. Israelischer Hummos bi Tahina, wie er da wohl angeboten wird, ist fade und ja: langweilig. Dasselbe bei Baba Ganouij. Baba Gabouij heisst auf Deutsch übersetzt "verwöhnter Vater", weil das so sensationell fein ist, wenn man's richtig macht, dass man damit wohl den Vater am meisten begeistert ;-) Es gibt libanesische Speisen, da kocht man ohne weiteres 6 Stunden, das kann Bindella niemals bieten.

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  • Supermario am 23.08.2017 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Denk mal drüber na

    Die würden lieber das Sharing Prinzip auf die italienische Karte anwenden, so wie man es in Italien eben auch macht. 10 Teller auf den Tisch und von allem etwas abbekommen. Geht ja sogar mit Pizza bestens.