Vergewaltigungsvorwurf

24. Februar 2020 09:40; Akt: 24.02.2020 11:29 Print

Morena Diaz zeigt ehemaligen Freund an

Morena Diaz ging vor einigen Wochen zur Polizei, um ihren mutmasslichen Vergewaltiger anzuzeigen. Sie habe alles erzählt, was sie noch gewusst habe.

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Body-Positivity-Star und Lehrerin Morena Diaz machte Anfang Jahr publik, dass sie vergewaltigt worden sei. Nun hat sie einen ehemaligen Freund angezeigt. Dies hat die 27-Jährige auf Instagram bekanntgegeben.

Unter einem Foto schreibt die Lehrerin: «Ich habe ihn angezeigt. Sechs Stunden war ich bei der Polizei.» Die Bloggerin weiter: «Ich habe wortwörtlich die Hosen ausgezogen und dieser Polizistin einen Einblick ins Intimste von mir gewährt. Es war verdammt hart.» Sie habe alles erzählt, was sie noch gewusst habe und ihr in Erinnerung geblieben sei.

«Manchmal habe ich Angst »

In einigen Wochen wird es zur nächsten Einvernahme kommen. Mit dabei wird wohl auch der damalige Freund sein. Sie sei jedoch bereit: «Es könnte sein, dass mir Ungläubigkeit entgegengebracht wird und dass ich retraumatisiert werde. Ich nehme alles in Kauf.»

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TW / Vergewaltigung ll ich habe ihn angezeigt. Schon vor einigen Wochen. Sechs Stunden war ich an einem Donnerstagnachmittag nach dem Unterricht bei der Polizei und habe alles erzählt, was ich wusste, was mir in Erinnerung geblieben ist, was ich fühle. Ich habe wortwörtlich die Hosen ausgezogen und dieser Polizistin einen Einblick ins Intimste von mir gewährt. Es war verdammt hart. Dass er heute genüsslich seinen Kaffee morgens trinken darf, liegt also nicht an mir. In ein paar Wochen folgt die nächste Einvernahme, die Konfrontation. Ich werde wieder erzählen müssen, mir werden wieder unangenehme Fragen gestellt. Es könnte sein, dass mir Ungläubigkeit entgegen gebracht wird und dass ich wieder retraumatisiert werde. Ich nehme alles in Kauf. manchmal liege ich im Bett und frage mich, woher all diese Kraft kommt.. dieser Mut, einfach weiterzumachen und zu kämpfen. Dann denke ich an all die Menschen, die dasselbe durchmachen (mussten) und an verstaubte Gesetze, die die Schweiz quasi zu einem Paradies für Vergewaltiger machen. Und dann kommt Wut. Wut, die hilft, um alles zu überstehen. Wut, die Kraft gibt. Wut, aus der Mut wird. Manchmal habe ich auch Angst aber ich werde nicht aufhören.. nicht, solange ich diese Stimme habe. für mich. für unsere Schwestern. für unsere Töchter, Mütter und Freundinnen. Ni una menos ♥️ ach.. und ein Opfer ist nie irgendjemandem Rechenschaft schuldig. Jede*r hat seine Gründe, ob Anzeige erstattet wird oder nicht. . . mehr auf www.m0reniita.com

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Sie kämpfe nicht für sich weiter, sondern für andere Opfer. «Manchmal habe ich auch Angst, aber ich werde nicht aufhören. Nicht, solange ich diese Stimme habe, für mich, für unsere Schwestern, für unsere Töchter, Mütter und Freundinnen.»

Ein Opfer ist keine Rechenschaft schuldig

Auf Instagram erhielt Diaz immer wieder die Nachricht mitsamt dem Vorwurf, wieso sie den Mann nicht angezeigt habe. Eine Followerin gibt ihr gar die Schuld, falls er sich an weiteren Frauen vergeht. Dazu schreibt sie: «Ein Opfer ist nie irgendjemandem Rechenschaft schuldig. Ich bin nicht dafür verantwortlich, wenn er morgens immer noch seinen Kaffee in Ruhe zu Hause geniessen kann.»

Vergewaltigungsopfer brechen ihr Schweigen

Die fehlende Empathie kann Diaz nicht nachvollziehen: «Ich habe es satt, dass Menschen, die nicht in meinen Schuhen gelaufen sind und deshalb keine Ahnung haben, was ich und viele andere Opfer durchmachen, meinen, sie müssten unseren Weg be- und verurteilen.»

(fss)