Kemptthal ZH

07. September 2010 08:00; Akt: 07.09.2010 01:46 Print

Blutige Attacke im Fastenmonat Ramadan

von Attila Szenogrady - Während eines Streites um den Fastenmonat Ramadan hat ein algerischer Asylbewerber im Durchgangszentrum Kemptthal einem Landsmann in den Hals geschnitten. Am Montag erhielt der nicht geständige Angreifer eine unbedingte Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren.

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Der blutige Vorfall im Durchgangszentrum Hammermühle in Kemptthal ereignete sich am 22. September 2008. Damals herrschte für die gläubigen Moslems der Asylunterkunft der Fastenmonat Ramadan. Auch für einen heute 30-jährigen Algerier und einen um zwei Jahre jüngeren Landsmann. Sicher ist, dass sich die beiden Flüchtlinge nicht mochten. Obwohl sie in einem gemeinsamen Zimmer lebten, wechselten sie kaum ein Wort miteinander.

Attacke aus heiterem Himmel

Auch an jenem Tatabend war die Stimmung zwischen den beiden Nordafrikanern schlecht. Um 17.15 Uhr riss der ältere Angeklagte plötzlich einen Streit vom Zaun. Er regte sich über eine am Boden liegende Zigarette des Geschädigten auf und begann zu fluchen. Das spätere Opfer verwies seinen Gegner auf den Ramadan und forderte ihn auf, mit den Schimpftiraden in dieser Fastenzeit sogleich aufzuhören. Dann forderte er den Angeschuldigten auf, den Raum zu verlassen. Was dieser zunächst auch tat.

Doch dann kehrte er laut Anklage mit einem scharfen Gegenstand zurück und versetzte dem inzwischen auf dem Bett eingedösten Geschädigten einen Schnitt in den Hals. 15 Zentimeter lang und acht Millimeter tief.

Unschuld beteuert

Es folgten danach dramatische Szenen. Der erheblich verletzte Mann und der Angreifer gerieten sich kurz darauf im Gang gegenseitig in die Haare. Was eine Videoaufnahme später eindrücklich wiedergab. Den inzwischen aufgeschreckten Betreuern gelang es nur mit Mühe, die beiden Kontrahenten voneinander zu trennen. Das Opfer hatte Glück im Unglück und kam dank eines schnellen medizinischen Eingriffs im Kantonsspital Winterthur trotz eines starken Blutverlustes mit dem Schrecken davon.

Der Angeklagte wurde dagegen von der Polizei festgenommen und sitzt seither im Gefängnis. Er hatte vorher nicht nur die Tatwaffe verschwinden lassen, sondern beteuerte immer wieder seine Unschuld.

Opfer soll sich selber geschnitten haben

Am Montag stand der bereits siebenfach vorbestrafte Algerier wegen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand vor dem Zürcher Obergericht und erklärte erneut, dass sich das Opfer selber am Hals geschnitten habe. Auch der Verteidiger schloss diese Möglichkeit nicht aus und verlangte deshalb mit einem vollen Freispruch die sofortige Haftentlassung seines Klienten. Dieser hinterliess vor den Schranken nicht den besten Eindruck und provozierte die Oberrichter nicht nur mit einem albernen Grinsen, sondern auch mit völlig abwegigen Antworten. Zudem weigerte er sich, seinen richtigen Namen preiszugeben. Mit dem Ziel, einer Ausschaffung aus der Schweiz zu entgehen, verkündete er wiederholt.

Zweieinhalb Jahre Freiheitsstrafe

Der Angeklagte hatte mit seiner Geschichte keine Chance. Das Obergericht folgte den im Kerngehalt glaubhaften Darstellungen des Geschädigten und führte aus, dass auch aufgrund der weiteren Beweismittel nur der Angeklagte als Täter in Frage komme. Die Oberrichter bestätigten damit ein Urteil des Bezirksgerichts Pfäffikon vom Oktober 2009. Ebenso eine unbedingte Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren. In einem Schlusswort kritisierte der Gerichtsvorsitzende Franz Bollinger die Staatsanwaltschaft. So sei es unerklärlich, weshalb es in diesem Fall nicht zu einer Anklage wegen versuchter schwerer Körperverletzung gekommen sei, sagte Bollinger und vertrat die Auffassung, dass der Angeklagte mit dieser Sanktion noch gut bedient sei.