Nächtlicher Überfall

05. Dezember 2011 19:20; Akt: 06.12.2011 09:07 Print

Bodenleger missbrauchte Minderjährige

von Attila Szenogrady - Ein Bodenleger hat sich an einem 7- und einem 13-jährigen Mädchen sexuell vergangen. Jetzt wurde er zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt. Sechs Monate soll er verbüssen.

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«Ich weiss nicht, was für ein Teufel mich geritten hat», erinnerte sich der heute über 60-jährige Angeklagte aus dem Bezirk Uster zurück. Es war im Sommer 1994, als der Bodenleger mit seiner damaligen Freundin im Limmattal lebte. Fest steht, dass er sich zwischen Mai und August 1994 wiederholt an der damals sieben-jährigen Tochter seiner Lebensgefährtin sexuell verging.

Er betrat jeweils das Zimmer des schlafenden Mädchens und überraschte es in seinem Bett. Dabei nahm er verschiedene sexuelle Handlungen vor. Die Geschädigte war dabei geschockt und wie gelähmt. Einzig beim schlimmsten Vorfall, als der betrunkene Mann mit seinem Penis in ihre Scheide eindringen wollte, schrie sie auf. Worauf der Täter von ihr abliess. Allerdings schärfte er ihr ein, niemandem etwas davon zu erzählen.

Auch Stieftochter missbraucht

Sieben Jahre später hatte der Beschuldigte eine neue Beziehung. Diesmal im Bezirk Uster, wo er im Herbst 2001 seine damals 13-jährige Stieftochter sexuell missbrauchte. Er griff ihr dabei zwischen die Beine und streichelte diese im Intimbereich. Als die Schülerin aufschrie, verliess er fluchtartig das Zimmer. Es blieb bei diesem Opfer glücklicherweise der einzige Übergriff.

Im Juli 2010 wurde der Schweizer Staatsangehörige von seiner Vergangenheit eingeholt. Die erste Geschädigte hatte nach einer Psychotherapie endlich den Mut gefunden, ihren früheren Peiniger anzuzeigen.

Drei Jahre Freiheitsentzug gefordert

Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte teilgeständig und verwies auf seine frühere schwere Alkoholsucht. Die zuständige Staatsanwältin Bettina Groth verlangte wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahre. Ein Jahr davon sollte der Täter absitzen.

Der Verteidiger Bernard Rambert setzte sich dagegen für eine bedingte Freiheitsstrafe von weniger als zwei Jahren ein. Der Anwalt stellte den gravierenden Alkoholmissbrauch seines Klienten in den Vordergrund. Er verteidige nicht die Taten, sondern den Menschen, plädierte er und verwies auf die lange Zeit, die seit den Taten vergangen sei.

Vertrauensstellung schamlos ausgenützt

Das Gericht kam zu Schuldsprüchen und setzte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten fest. Sechs Monate davon ohne Bewährungschance. Da der Mann bereits 104 Tage in Untersuchungshaft verbracht hat, muss er nur noch drei Monate verbüssen. Der Gerichtsvorsitzende Stephan Aeschbacher sprach von einem mittelschweren Verschulden des Mannes, der seine Vertrauensstellung in einem jeweils familiären Umfeld schamlos ausgenützt habe. Das Gericht kam bei der Häufigkeit der bis 36 eingeklagten Vorfälle dem Beschuldigten entgegen und sah bei der ersten Geschädigten nur zehn Übergriffe als erwiesen an. Zudem würde der frühere Alkoholismus das Verschulden relativieren, sagte Aeschbacher. Der Angeklagte wurde verpflichtet, der ersten Geschädigte eine Genugtuung von 5500 Franken zu entrichten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ädu am 05.12.2011 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lachhaft

    Etwa mit derselben Strafe müsste ich wohl rechnen, wenn ich mit meiner zu lauten Auspuffanlage erwischt würde... Lachhaft!!!

    einklappen einklappen
  • Victoria am 05.12.2011 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    3 monate..was für ein hartes Urteil

    Kann es nicht fassen und bin sprachlos!! 3 Monate, soll das ein Witz sein??

    einklappen einklappen
  • Mikee am 05.12.2011 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz

    Unglaublich die Strafe ist doch ein Witz!

Die neusten Leser-Kommentare

  • james am 06.12.2011 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich...

    6 Monate für 36 Übergriffe an Kindern. 6 Monate für 2 zerstörte Kinheiten. Die Kinder werden ein Leben lang daran zu schaffen haben, wenn sie überhaupt je darüber hinwegkommen. Gratulation, das schweizer Rechtssystem hat sich wieder mal selbst übertroffen.

  • Soraya Moana am 06.12.2011 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Skandalurteil!

    Der Richter welcher dieses Skandalurteil verhängt hat soll schnellstmöglich abgesetzt werden. Die Opfer leiden ein Leben lang darunter! Und der Täter kommt nach wenigen Monaten wieder frei! Hätte dieser Richter ein gleiches Urteil gefällt wenn das Opfer sein eigenes Kind gewesen wäre?

  • Fassungsloser Gast am 06.12.2011 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Urteil: Opfer Lebenslang

    Urteil: Opfer Lebenslang, Täter: 30 Monate wovon nur noch 3 abgessen werden müssen. Willkommen in der Schweiz. Dabei vergessen viele noch den Monate oder Jahrenlangen Kampf bevor es soweit kommt.

  • Minnie Mouse am 06.12.2011 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Unverzeihlich

    Das Leben eines Menschen auf unvorstellbare Art gestört oder sogar zerstört und er muss für läppische, lächerliche 6 Monate hinter Gitter. Und seine Übergriffe zu relativieren mit dem Hinweis auf sein Alkoholproblem... Opferverachtender geht doch gar nicht mehr. Das ist ein Freibrief für jeden Alki tun und lassen zu können was er will... wann hören wir endlich auf eine Tätergemeinschaft zu sein!!!

  • Madame M am 06.12.2011 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Schande

    Ich glaube es nicht!!! Was ist das für ein Urteil? Ein Mensch der 2 Mädchen das ganze Leben zerstört hat. Und er "zerstört" sich vielleicht grade mal ein halbes Jahr seines Lebens. Und das soll Gerechtigkeit sein?