Nach Fall um toten Florian

10. Juni 2011 14:07; Akt: 10.06.2011 15:07 Print

Bonstetter Gemeinde-Präsident tritt ab

Der Rummel um den «Fall Bonstetten» hat dem Gemeindepräsidenten Charles Höhn offenbar stark zugesetzt: Er hat seinen Hut genommen.

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Charles Höhn, der Gemeindepräsident von Bonstetten ZH, ist aus gesundheitlichen Gründen per sofort von seinem Amt zurückgetreten. Der Druck von Medienberichten nach einem Sorgerechtsfall belastete seine Nerven zu stark.

Er bestätigte am Freitag den vom «Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern» gemeldeten Rücktritt. Er habe diesen der Bevölkerung anlässlich einer Gemeindeversammlung diesen Dienstag persönlich mitgeteilt, sagte Höhn. Wer sein Amt vorübergehend übernimmt, ist noch offen. Ein definitiver Nachfolger dürfte diesen September gewählt werden.

Aus seiner Gemeinde habe er ausschliesslich positive Reaktionen auf seine Ankündigung erhalten, sagte Höhn. «Die Bevölkerung steht wie eine Eins hinter mir.» Der Abschied sei unheimlich emotional gewesen.

Der Hintergrund für den Rücktritt sei der Medienrummel um seine Person. «Mein Arzt hat mir den Schritt dringend nahegelegt», sagte Höhn. In Gesprächen mit Medizinern habe sich klar herauskristallisiert, dass ihm die mediale Berichterstattung an die Nerven gegangen sei.

Strafuntersuchung noch nicht abgeschlossen

Die Gemeinde hatte für Schlagzeilen gesorgt, als ein 61-jähriger Mann im Februar 2010 seinen vierjährigen Sohn Florian in einem Winterthurer Hotelzimmer umgebracht hatte. Die Behörden hatten ihm die Obhut übertragen, obwohl er einst versucht hatte, seinen Sohn aus erster Ehe zu töten. Wegen Mordversuchs war der Mann in den Neunzigerjahren zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Ein Expertenbericht, den die Zürcher Justizdirektion in Auftrag gegeben hatte, kam Anfang Februar 2011 zum Schluss, die Behörden in Bonstetten hätten Fehler gemacht. Die Gemeinde habe sich mit dem Vater, einem Schweizer, solidarisiert. Die Mutter des Knaben, eine Brasilianerin, sei in eine Nebenrolle gedrängt worden - nicht zuletzt wegen ihrer Tätigkeit als Prostituierte.

Für Höhn könnte der Fall ein rechtliches Nachspiel haben. Gegen ihn läuft eine Strafuntersuchung wegen fahrlässiger Tötung. Ob es zu einer Anklage kommt, ist offen. Privat ist Höhn Inhaber einer Beratungsfirma. Er werde weiterhin seinem Auftrag als Standortförderer für die Region Knonaueramt nachgehen. «Arbeit ist die beste Therapie», sagte Höhn.

Der FDP-Politiker war von 1986-1990 in der Primarschulpflege tätig, bevor er 1990 in den Gemeinderat gewählt wurde. Seit 1998 amtete Höhn als Gemeindepräsident. Höhn ist 65 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern.

(sda)