Opfikon ZH

06. Dezember 2011 06:00; Akt: 05.12.2011 21:06 Print

Brutaler Schläger oder Justizopfer?

von Attila Szenogrady - Laut Anklage hat der Glattbrugger Manager eines Zürcher In-Clubs einen renitenten Gast mittels einer Flasche, Faustschlägen und Tritten spitalreif geprügelt. Die Anklage auf versuchte schwere Körperverletzung wies das Gericht allerdings zurück.

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M. M. gestern vor Gericht. (Aebi)

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Unbestritten war, dass es in der Nacht auf den 1. November 2009 vor einem berüchtigten Zürcher In-Club an der Limmatstrasse zu einer heftigen Prügelei gekommen war. Hingegen war vor Gericht heftig umstritten, was sich damals genau ereignet hatte. Die erste Wahrheit lieferte die Staatsanwaltschaft, die sich auf die Angaben des angeblichen Opfers, eines damaligen Gastes abstützte. Demnach hatte sich der heute 32-jährige Club-Manager aus Opfikon zulasten des Besuchers der versuchten schweren Körperverletzung schuldig gemacht.

Zwei Versionen

Dabei hatte der Zürcher Unterländer in den frühen Morgenstunden seine Beherrschung verloren und zusammen mit einem Komplizen den einen bereits ausgewiesenen Gast vor seinem Lokal brutal attackiert. In der Anklage ist von einem Schlag mit einer Bierflasche gegen den Kopf des Geschädigten sowie Faustschlägen ins Gesicht die Rede. Zudem sollen die beiden Männer dem bereits am Boden liegenden Opfer mehrere Fusstritte ins Gesicht versetzt haben. Die zweite Version lieferte der Angeklagte, der sich am Montag wegen versuchter schwerer Körperverletzung vor dem Bezirksgericht Zürich zu verantworten hatte. Demnach habe der albanische Geschädigte, eine stadtbekannte Gewaltperson, im Club einen anderen Gast attackieren wollen. Deshalb sei der aggressive Mann auf die Strasse gestellt worden.

Das Opfer nicht einmal berührt

Der Angeklagte schilderte, wie ihm der Gast vor dem Lokal noch eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht gesprüht habe und stellte sich als eigentliches Opfer dar. Später sei der Geschädigte noch einmal vor dem Club aufgetaucht, sei jedoch von anderen Personen zusammen geschlagen worden. Er habe das Opfer nicht einmal berührt, erklärte er und liess seinen Verteidiger auf einen vollen Freispruch plädieren.

Teilbedingte Strafe gefordert

Die zuständige Staatsanwältin verlangte dagegen einen Schuldspruch sowie eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Sechs Monate davon unbedingt. Die Anklägerin berief sich dabei auf mehrere Belastungszeugen, welche den Beschuldigten als Angreifer bezeichnet hatten. Für das Gericht war der Fall hingegen alles andere als klar. Es wies nach einer Verhandlung von zweieinhalb Stunden die Sache zurück an die Staatsanwaltschaft. Diese soll eine neue rechtliche Würdigung in Bezug auf den Straftatbestand des Angriffs überprüfen. Eine versuchte schwere Körperverletzung lehnte das Gericht offensichtlich ab. Was für den Manager aus Opfikon bedeutet, dass er womöglich noch mit einem blauen Auge davon kommen könnte. Wann der Prozess wieder aufgenommen wird, war am Montag noch unklar.