Stadt Zürich

18. September 2018 05:49; Akt: 18.09.2018 05:49 Print

Büros sollen einfacher zu Wohnungen werden

FDP-Politiker Andri Silberschmidt will die Umnutzung von Gewerbe- in Wohnräume vereinfachen. Das Anliegen erhält auch Zustimmung von linker Seite.

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Büroräume stehen leer und gleichzeitig sind Wohnungen rar. Mit einem Postulat will Gemeinderat Andri Silberschmidt (FDP) etwas dagegen unternehmen. Er fordert, dass die Hürden für Zwischennutzungen abgebaut werden, damit in Gewerberäumen Platz für günstigen Wohnraum, Pop-up-Konzepte und nicht kommerzielle Anlässe geschaffen werden kann. Unterstützung hat er von Gabriele Kisker (Grüne).

«Wer in einer Schreinerei zum Beispiel ein Café einrichten möchte, wird heute ausgebremst», sagt der Jungpolitiker. Die Vorschriften seien nicht auf Umnutzungen ausgelegt. Meist bedürfe es teurer Umbauarbeiten, damit eine temporäre Nutzung möglich wird. Das habe er selbst erfahren, als er ein Pop-up-Restaurant eröffnete.

Laschere Bedingungen für temporäre Nutzung

Dem FDP-Politiker geht es bei seinem Vorstoss vor allem um die sogenannte zonenkonforme Nutzung in einem klar begrenzten Zeitraum. «Bei der temporären Nutzung als Wohnraum sollen die Bedingungen nicht gleich streng sein wie bei der dauerhaften Nutzung.» Ein Club in einem Büro im Wohngebiet soll aber weiterhin unmöglich bleiben.

Eine Vereinfachung der Bewilligungsverfahren und Auflagen, die teilweise im kantonalen Gesetz vorgenommen werden müsste, fördere nicht nur die Innovation, sondern könne auch den ausgetrockneten Wohnungsmarkt entlasten, ist Silberschmidt überzeugt. «Man soll mehr ausprobieren können. Die Besitzer der leerstehenden Liegenschaften freuen sich über Ideen, weil dann Leben ins Gebäude kommt.» So gäbe es auch weniger Grund für Hausbesetzungen.

«Nachfrage nach Zwischennutzungen besteht»

Anklang findet der Vorstoss beim Projekt Interim, das Zwischennutzungen in städtischen Gebieten ermöglicht. «Bisher war die Art der Zwischennutzung immer durch den Zonenplan vorgegeben», sagt Sprecher Lukas Amacher. Eine entsprechende Änderung könnte interessante Projekte ermöglichen und damit die wirtschaftliche Tragfähigkeit erhöhen.

Bisher habe man im bestehenden gesetzlichen Rahmen die meisten angefragten Projekte bereits realisieren können. Deshalb habe man noch nie durchgerechnet, ob sich ein Projekt mit Umnutzung finanziell rentieren würden. Die Nachfrage nach Zwischennutzungen sei auf jeden Fall da: «Wir können bei jedem Projekt den zur Verfügung stehenden Platz vermieten.»

«Es darf nicht nur den Eigentümern nützen»

Beim Mieterverband der Stadt Zürich gibt man Silberschmidt keinen Korb. «Bei der Zwischennutzung von Bürohäusern gibt es oft Ateliers, in denen auch gewohnt wird», sagt Sprecher Walter Angst. Ein Beispiel dafür sei das Labitzke-Areal gewesen, bevor es den Neubau gab. «Einen Kompromiss für die Anpassung kantonaler Gesetze zu finden, könnte aber schwierig werden.»

Den Eigentümern dürfe zudem nicht die Möglichkeit gegeben werden, Nutzungen zu bevorzugen, die besser rentieren. «Wenn Lärmbelastung und Mietzinse gesetzlich beschränkt werden können, spricht wenig gegen die punktuelle und befristete Umnutzung von Büroraum für Wohnzwecke.»

(tam)

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