Wegen Plakatkleben

09. Dezember 2011 22:12; Akt: 09.12.2011 22:23 Print

Busse für Linksautonomen

von Attila Szenogrady - Das Bezirksgericht Zürich hat einen Linksautonomen des revolutionären Aufbaus Zürich wegen mehrfacher Sachbeschädigung verurteilt. Grund: Er hatte zusammen mit anderen das halbe Seefeld mit Plakaten vollgeklebt.

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Am Freitag hat das Bezirksgericht Zürich einen linksautonomen Schweizer aus Zürich wegen mehrfacher Sachbeschädigung sowie Hinderung einer Amtshandlung zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 30 Franken verurteilt. Zudem brummte das Gericht dem nicht geständigen Studenten trotz mehreren Teilfreisprüchen sämtliche Gerichtskosten von rund 1500 Franken auf. Zudem soll der Beschuldigte mehreren Geschädigten einen Schadenersatz bezahlen.

Der Hauptvorwurf der Anklage ging auf den 23. April 2010 zurück. Damals nahm der Angeschuldigte an einer aufsehenerregenden Nacht- und Nebelaktion des «revolutionären Aufbaus» im Zürcher Seefeld teil. Dabei klebten die Linksautonomen mit Kleister diverse Gegenstände und Örtlichkeiten mit Plakaten des revolutionären Aufbaus voll. Betroffen waren eine Coop-Filiale, diverse VBZ-Haltestellen und Fahrleitungsmasten, Verteilkästen der EWZ, Abfalleimer der Modelle «Haifisch» sowie ein Zeitungs-Verteilkasten der Gratiszeitung «20 Minuten». Der gesamte Sachschaden bezifferte sich auf mehrere 1000 Franken.

Kübel voller Kleister in verklebten Händen

Der heute 22-jährige Angeklagte wurde kurz nach der Aktion von der Polizei erwischt. Er trug dabei in seinen verklebten Händen einen Kübel voller Kleister mit sich.

Wenige Tage später nahm der Beschuldigte an der illegalen 1.-Mai-Nachdemo in Zürich teil. Dabei riss er vor einer Polizeikontrolle aus und rannte davon. Nach einer Flucht von über 20 Meter weit wurde er eingeholt und arretiert.

Mittäter bereits verurteilt

Vor Gericht verweigerte der Beschuldigte jegliche Aussage. Sein Verteidiger verlangte mangels Beweisen einen vollen Freispruch. In einigen Punkten mit Erfolg. So stufte das Gericht die weiteren Vorwürfe des Landfriedensbruchs sowie den Verstoss gegen das Vermummungsverbot als nicht erwiesen an. Was hängen blieb, waren die nachgewiesenen Sachbeschädigungen sowie die Hinderung einer Amtshandlung. Die Staatsanwaltschaft hatte eine bedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 30 Franken sowie eine Busse von 600 Franken verlangt. Das Gericht halbierte die Sanktion.

Das Gericht hatte bereits vorher einen heute 23-jährigen Mittäter des Angeklagten in unentschuldigter Abwesenheit wegen mehrfacher Sachbeschädigung in derselben Angelegenheit zu einer bedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen verurteilt.