Gefängnis-Odyssee

19. Oktober 2019 11:12; Akt: 19.10.2019 16:16 Print

Carlos' Haft kostete Staat über 800'000 Franken

Die Gefangenschaft von Straftäter Carlos war mindestens 800'000 Franken teuer. Bilanziert wird eine überschrittene Millionenschwelle.

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Am 30. Oktober steht Carlos erneut vor Gericht. Angelastet werden dem jungen Zürcher 29 Delikte, die er ausschliesslich hinter Gittern begangen haben soll. In die Schlagzeilen geriet Carlos durch ein teures Sondersetting und verschiedene im Strafvollzug begangene Straftaten. Nun liegt die Abrechnung seiner Gefängnis-Odysse auf dem Tisch: 800'000 Franken kosteten seine bisher 1585 abgesessenen Tage in 16 Justizvollzuganstalten, wie die «Schweiz am Wochenende» berichtet.

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Zurzeit sitzt Carlos in der Zürcher Justizvollzugsanstalt Pöschwies, wo pro Monat Kosten von 15 000 Franken anfallen. Ein gescheiterter Aufenthalt im Juni 2019 im Hochsicherheitstrakt des Zentralgefängnisses von Lenzburg schlug mit 20 000 Franken zu Buche.

Pinke Zelle und Schutzausrüstung

Laut der Zeitung sind die Zahlen allerdings mit Vorsicht zu geniessen, da die Tarife die Ausgaben für einen durchschnittlichen Insassen abbilden und der Aufwand für Carlos viel grösser ist. In der Pöschwies seien für ihn zum Beispiel gleich vier Zellen speziell eingerichtet worden. Eine Zelle habe man pink angestrichen. Auch sei das Personal speziell trainiert und habe eine neue Schutzausrüstung erhalten. Wurde Carlos verlegt, kam laut der Zeitung eine Sondereinheit zum Einsatz. Die Kosten dürften daher die Schwelle von einer Million überschritten haben. Hinzu kommen Ausgaben für Gerichtsprozesse, Gutachten und die Schäden der Ausraster,

Die «Schweiz am Wochenende» bilanziert, dass Carlos ins Gefängnis verlegt wurde, weil sein Sondersetting zu teuer war: «Im Gefängnis wurde aber wieder ein Sondersetting eingerichtet, das auf die Dauer noch teurer ist und das vor allem kein Ablaufdatum hat.»

Fehlleistungen der Behörden

Carlos' Vater begründet die hohen Unkosten mit Fehlleistungen der Justizbehörden. Er bezieht sich dabei auf den Abbruch des Sondersettings und die Verhaftung seines Sohnes.

Eine SRF-Reportage brachte den «Fall Carlos» ins Rollen. Die darin thematisierten Betreuungskosten von monatlich 29'000 Franken lösten in der Öffentlichkeit eine grosse Kontroverse aus. Politiker und Vollzugsbehörden entschieden sich darauf für einen Abbruch des Sondersettings.

(bz)