Zürich

18. Juni 2008 23:51; Akt: 19.06.2008 10:24 Print

Carlsberg-Diktat hilft Kleinbrauern

von Lorenz Pfrunder - Das Carlsberg-Diktat in der Fanzone nervt viele Zürcher. Davon profitieren nun die lokalen Zürcher Kleinbrauereien.

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Du sollst nur Carlsberg trinken», lautet das höchste Gebot in der Fanzone. Damit verägert der dänische Bierbrauer nicht nur Liebhaber des Gerstensafts, sondern auch Kleinbrauereien: «Was die mit den Fans machen, ist schon eine Frechheit», sagt Martin Padrutt von der Zürcher Brauerei Striker. Der Biergigant habe sich mit dem Diktat aber ins eigene Fleisch geschnitten: «Viele meiner Kunden sagen, sie trinken bewusst kein Carlsberg mehr.»

Dass der Trend zum lokalen Bier durch die EM verstärkt wird, bestätigt auch Beat Schegg vom Getränkelieferanten Intercomestibles. Die Amboss Bier Zürich verzeichnet etwa 25% mehr Umsatz als in der Vorjahresperiode, wie Mitinhaber Thomas Schreiber auf Anfrage sagt. «Wir profitieren klar von einem Gegentrend zum Carlsberg-Diktat.» Und Adrien Weber, Geschäftsführer des Zürcher TurbinenBräu, erzählt: «Meine Kunden lassen täglich ihren Frust über die Grossbrauerei bei mir ab.»

Ärger mit der Uefa hat sich die Wädenswiler Wädi-Brau mit ihrem EM-Bier eingehandelt. «Uns wurde mit Strafen in sechsstelliger Höhe gedroht», sagt Geschäftsführer Christian Weber. Sein Umsatz aber sei durch den Anti-Carlsberg-Effekt um 20% gestiegen. Trotzig sagt er: «Je monopolistischer sich die grossen Organisationen verhalten, desto mehr Bier verkaufen wir.»