Kiste Baden

11. April 2018 17:46; Akt: 22.04.2018 10:52 Print

Club gibt nach Lärmstreit auf und schliesst

Vor kurzem wurde bekannt, dass der Kanton Aargau der Kiste Baden keine längeren Öffnungszeiten erlaubt. Nun ziehen die Betreiber die Konsequenzen.

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Die Kiste in Baden ist einer der wenigen Nachtclubs im Aargau, die eine internationale Bekanntheit erreicht haben. Als elektronischer Underground-Club wären sie eigentlich auf längere Öffnungszeiten angewiesen, um mit der Konkurrenz im nahen Zürich mithalten zu können, wo man bis spät in den nächsten Tag hineinfeiern kann. «Wir kämpfen nun seit drei Jahren, dass wir bis um sechs Uhr offen haben können am Wochenende statt bis um vier Uhr wie bisher», sagt Kiste-Inhaber Jorin Schmitz.

Zwar habe die Stadt Baden dieses Gesuch nach einer Lärmmessung gutgeheissen. «Doch der Entscheid wurde vom Hotel Linde, das schräg vis-à-vis unseres Clubs steht, an den Kanton weitergezogen», sagt Schmitz. Am Wochenende wurde dann bekannt, dass die Bewilligung vom Kanton wieder annulliert wurde.

Per Ende Juni 2018 ist Schluss

Jetzt hat Schmitz genug: «Schweren Herzens haben wir uns dazu entschieden, die Kiste per Ende Juni nach sieben Jahren zu schliessen.» Zwar habe man noch bis am 26. April die Möglichkeit, den Entscheid weiterzuziehen, aber Schmitz glaubt, dass er sowieso keine Chance hätte. «Wir haben schon genug hohe Kosten für die Verfahren und die Anwälte. Es macht aus unserer Sicht keinen Sinn mehr.»

Die Entscheidung des Kantons habe das Fass nun zum Überlaufen gebracht. «Vonseiten der Polizei und der Behörden werden uns seit Jahren Steine in den Weg gelegt, obwohl wir uns stets an alle Regeln halten – man will uns hier einfach nicht», sagt Schmitz.

«Das ist doch bizarr»

Das zeige auch das Beispiel, dass es zwischen dem Hotel Linde und der Kiste noch einen weiteren Club gebe, der deutlich länger als bis vier Uhr geöffnet habe: «Unsere Gäste müssen um vier Uhr das Lokal verlassen, weil sich das Hotel Linde über den Lärm beklagt, und dann gehen sie weiter in einen Club, der noch näher beim Hotel ist – das ist doch bizarr», so Schmitz.

Er freue sich nun aber auf die letzten Monaten in der Kiste und sei bereits an der Planung für eine grosse Abschlussparty am letzten Juni-Wochenende. «Schliesslich soll es ein schönes Ende werden – wir sind ja auch stolz auf das, was wir in den letzten sieben Jahren geleistet haben.»

«Im Aargau kämpft man gegen das Nachtleben»

Für Nachtleben-Experte Alex Flach ist die Schliessung der Kiste eine grosser Verlust für den Aargau: «Es ist schon sehr schade, wie man im Aargau mit allen Mitteln gegen das Nachtleben kämpft.» In seinen Erfahrungen mit Aargauer Clubs habe er mitbekommen, wie sich die Behörden und auch die Bewohner immer wieder gegen das Nachtleben aussprächen.

«Dass man im Aargau auch immer noch ein Tanzverbot hat an religiösen Feiertagen, sagt doch schon alles», sagt Flach. Man müsse sich daher auch nicht wundern, wenn die Jugendlichen ihren Lebensmittelpunkt so früh wie möglich nach Zürich oder Basel verlagern würden.

Hotel-Sprecher: «Wir müssen ebenfalls überleben»

Wie es beim Hotel Restaurant Linde auf Anfrage von 20 Minuten heisst, habe man nichts gegen die Kiste und will ihr keineswegs schaden. «Wir müssen als Betrieb mit 40 Mitarbeitenden aber ebenfalls überleben», sagt ein Sprecher.

Der Lärm durch den Club bringe die Hotelgäste und Wohnungsmieter im Lindehochhaus um den Schlaf. «Störend sind vor allem die Partygäste vor der Kiste, die nachts laut reden oder gar grölen. Auch tätliche Auseinandersetzungen kommen vor. »

Mindestmass an Nachruhe müsse gewährleistet sein

Ein unabhängiges Gutachten des Kantons habe die hohe Lärmbelastung festgestellt und sei ausschlaggebend gewesen dafür, dass die Beschwerde der Anwohner gutgeheissen wurde. Neben dem Hotel Restaurant Linde hätten auch zahlreiche Anwohner, die teilweise seit vielen Jahrzehnten hier leben, sich gegen die vom Club beantragte Verlängerung der Öffnungszeiten gewehrt.

«Die Stadt Baden schreibt in unserem Quartier einen Wohnanteil von 30 Prozent vor.» Ein Mindestmass an Nachtruhe für die Anwohner müsse deshalb gewährleistet sein, zumal es hier tagsüber durch die sehr vielbefahrene Mellingerstrasse schon laut genug sei.

(wed)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Andere am 11.04.2018 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Schade schade schade schade. Der Club hatte ein vernünftiges Konzept vorgelegt: Den Lift auf der neuen Kreuzung zu benützen, somit wären die Gäste unterirdisch angestanden und der Lärm hätte eingedämmt werden können. Sogar damit ist man abgeblitzt! Dass der Club zugeht ist weit mehr als nur die Schliessung eines Lokales. Die Damen und Herren die sich da quergestellt haben, können sich das sicherlich nicht vorstellen aber man hat der Kultur und Jugendszene gerade übel zugesetzt. Bei allem Respekt, Sie sollten sich schämen. Die Schliessung ist ein absolutes Armutszeugnis für Baden.

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  • Glizzy am 11.04.2018 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgang

    Unter der Woche alles um 22 Uhr zu bis auf eine Tankstelle... am Wochenende wegen Ruhestörung geht alles zu merkt ihr noch was? sich nach aufregen wenn die Gewalt zu nimmt kein wunder wenn man außer Steuren zahlen und zuhause sitzen nix mehr machen kann

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  • Samu am 11.04.2018 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tanzverbot? Sind die Aargauer im Mittelalter?

    Kann mir jemand erklären was man im Aargau unter einem Tanzverbot versteht?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • tja am 11.04.2018 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    4uhr zu früh?

    kan mir jemand sagen, wiso alle erst um frühstens um 23 uhr raus gehen??? um 4 uhr sind wir schon lange voll oder mit einer schiggen lady zuhause

  • LilaLala am 11.04.2018 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    4.00 Uhr wäre noch schön

    In Locarno schliessen alle Lokale immer (ca. 2 Ausnahmen im Jahr) um 1.00... Aber man gewöhnt sich an alles und geht dann einfach nicht erst um Mitternacht auf die Piste.

  • Lukas Kossmann am 11.04.2018 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    54

    Ernsthaft ? Die Kiste macht super Veranstaltungen, fördert junge Künstler und ist eine Bereicherung für das Badener Nachtleben. Dann wird man sich wieder wundern warum die Jungen lange in Gassen sein werden. Erst anfangs Jahr kürzte man beim Royal und beim Nordportal. Wenn ihr die auch noch schliesst, werden wir auf die Strassen gehen. Das gibt sicherlich noch Konsequenzen. 54 schläft nicht.

  • Lilo am 11.04.2018 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kanton Aargau

    Ja die Behörden des Kantons Aargau sollten sich schämen, Rechtsgleichheit wurde nicht eingehalten. Überdies verstehe ich nicht wie der Aargau ein Tanzverbot kennt, ein massiver Eingriff in die persönliche Freiheit. Kein Wunder ist der Kanton so dermassen unbeliebt.

  • Lisa am 11.04.2018 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Als Anwohnerin sage ich Danke. Ich werde den Lärm und die Pöbeleien nicht vermissen.