Zwei Mal Billett weg

06. März 2013 20:17; Akt: 07.03.2013 08:57 Print

Daniel Blumer: «Ich habe nichts unterschlagen»

Der künftige Zürcher Polizeikommandant Daniel Blumer bedauert seine Fehler - er ziehe Lehren daraus. Und der 56-Jährige betont, von Anfang an «offen und transparent» kommuniziert zu haben.

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Auf der A1 bei der Raststätte Würenlos wurde Daniel Blumer beim Rechtsüberholen erwischt. (Bild: Keystone)

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Fehler gesehen?

Herr Blumer, Sie sind noch nicht einmal Polizeikommandant von Zürich und leisten sich jetzt einen Fehlstart sondergleichen, warum haben Sie auf der Autobahn rechts überholt?
Ich hatte einen privaten Termin in Zürich – die Wohnungsübernahme – und war zeitlich knapp dran. Vor mir fuhr auf der dreispurigen Autobahn bei Würenlos ein Lieferwagen längere Zeit auf der linken Spur, obwohl die mittlere und rechte Spur frei waren. Ich wechselte auf die mittlere Spur und überholte den Lieferwagen ohne Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit Ich bin ein Mensch mit Stärken und Schwächen. Ich ziehe die Lehre daraus, sich auch unter Zeitdruck nicht zu einem solchen Verhalten verleiten zu lassen. Lieber einmal fünf Minuten zu spät kommen.

Umfrage
Der künftige Kommandant der Stadtpolizei Zürich ist ein Verkehrssünder - soll er freiwillig auf den neuen Job verzichten?
23 %
22 %
54 %
1 %
Insgesamt 4013 Teilnehmer

Waren Sie mit Ihrem Dienstwagen unterwegs?
Ja, ich war mit meinem Dienstwagen, einem Skoda Superb, unterwegs. Es handelte sich jedoch um eine private Fahrt.

Es ist ja nicht Ihr erstes Verkehrsdelikt – vor zwei Jahren eine Tempoüberschreitung, vor 24 Jahren ebenfalls, damals sogar mit Führerausweisentzug – warum sind Sie ein Wiederholungstäter?
Ich bin kein Wiederholungstäter. Vor zwei Jahren wurde ich auf der Autobahn in einem Baustellenabschnitt bei Bern von einer Geschwindigkeitsmessanlage gemessen. Ich war mir sicher, dass ich mich auf einem mit 80 km/h begrenzten Abschnitt befinde und bin auch entsprechend gefahren. In Wirklichkeit betrug die signalisierte Höchstgeschwindigkeit jedoch 60 km/h. Beim Vorfall letzter Woche fuhr ich nicht zu schnell.

Jeder Stadtpolizist, der künftig bei einer Kontrolle jemanden verzeigt, der zu schnell gefahren ist oder jemanden rechts überholt hat, muss sich künftig wohl Spott anhören wie „das macht ja Ihr Chef auch“ – was sagen Sie dazu?
Ich bedaure meinen Fehler sehr, glaube aber nicht, dass dieser Vorfall und solche einzelne Reaktionen noch lange ein Thema sein werden.

Warum haben Sie bei der Bewerbung in Zürich offenbar unterschlagen, dass Sie vor zwei Jahren eine Verwarnung wegen Geschwindigkeitsübertretung kassiert haben und erst jetzt im Rahmen des jüngsten Vorfalls erwähnt?
Ich habe nichts unterschlagen.

Der Aargauer Polizeikommandant ist letztes Jahr aus Glaubwürdigkeitsgründen zurückgetreten, nachdem ihm der Fahrausweis wegen Tempoüberschreitung entzogen wurde – werden Sie die Stelle in Zürich überhaupt noch guten Gewissens antreten?
Das Bekanntwerden der beiden Fälle ist nicht vergleichbar. Ich habe von Anfang an offen und transparent kommuniziert. Aber ich habe mir den Start in Zürich tatsächlich anders vorgestellt.

Eine Nichtantreten der Stelle ist für Sie kein Thema?
In den langen Gesprächen mit Stadtrat Leupi wurden alle Punkte eingehend besprochen. Selbstverständlich auch diese Frage. Ich geniesse nach wie vor das Vertrauen meines zukünftigen politischen Vorgesetzten.

Haben Sie keine Angst, dass Sie nicht mehr glaubwürdig wirken?
Die Glaubwürdigkeit hat viele Facetten. Mit meinem Fehlverhalten wurde ich meiner Vorbildfunktion nicht gerecht. Dadurch werden aber meine Fähigkeiten und Erfahrungen als Polizeikommandant nicht geschmälert.

Werden Sie sich während der Zeit ohne Führerausweis von Streifenwagen chauffieren lassen?

Ich werde vermehrt mit dem ÖV fahren.

(rom)