Zürich

20. Juni 2019 04:43; Akt: 20.06.2019 04:43 Print

Darum investiert das EWZ Millionen ins Ausland

Das Elektrizitätswerk Zürich will die Atomenergie durch Windkraft ersetzen. Dazu investiert das Unternehmen viel Geld. Mehrere Grossprojekte sind im Bau.

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Das Elektrizitätswerk Zürich (EWZ) will den Strom aus Atomenergie durch Windkraft ersetzen. Laut EWZ-Direktor Marcel Frei ist geplant, dass bis 2034 je etwa die Hälfte des vom EWZ produzierten Stroms aus Wind- und Wasserenergie stammt, ein kleiner Rest aus Sonnenenergie. Dazu muss das Unternehmen viel Geld investieren. Derzeit sind es in den Bereichen Wind, Wasser und Sonne jährlich zwischen 60 und 130 Millionen Franken.

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Davon fliesst ein grosser Teil ins Ausland, wo bereits 61 Windturbinen im Betrieb sind. Im Juni sind beispielsweise in Frankreich zusätzliche 19 Windturbinen ans Netz gegangen. Insgesamt hat das EWZ damit vier Windparks in Frankreich. In Deutschland ist das Unternehmen an 32 Turbinen nahe der Insel Borkum in der Nordsee beteiligt, die Ende 2019 in Betrieb gehen werden. Und in Norwegen lässt das EWZ aktuell zwei Parks mit sieben und 22 Turbinen bauen.

Warum wird so viel im Ausland investiert?

«Im Ausland sind deutlich grössere Investitionen möglich und man kann mehr Energie pro investierten Franken herausholen», sagt EWZ-Direktor Frei. Zudem seien Projekte in der Schweiz schwierig realisierbar, wie auch zwei Beispiele aus dem Jura zeigen, an denen das EWZ beteiligt ist. «Die beiden Windparks mit insgesamt 29 Turbinen stecken seit zehn Jahren in der Entwicklung. Eine Baubewilligung liegt leider immer noch nicht vor.»

Wie kommt der Strom vom Norden in die Schweiz?

«Sie müssen sich das europäische Netz wie einen grossen Stromsee vorstellen, der von unterschiedlichen Quellen gespeist wird», erklärt Frei. Aus diesem See erhalten die Kunden ihren Strom. Aus welchem Kraftwerk der Strom kommt, lässt sich nicht mehr sagen. «Der Kunde bezahlt für den Nachweis, wo der Strom produziert wird.»

Warum wird so stark in Windenergie investiert?

«Bei der Wasserenergie ist das Potenzial in der Schweiz beinahe ausgeschöpft», so Frei. Derzeit hat das EWZ ein Projekt im Kanton Graubünden. Bei Savognin soll ein Bach gefasst und ein Kleinwasserkraftwerk gebaut werden. Das Wasser wird anschliessend in einen bestehenden Stausee geleitet. Sonnenenergie hingegen habe nicht das Potenzial, in der erforderlichen Menge Energie zu liefern. «Das ist eher lokal auf den Dächern in Zürich ein Thema.»

Worauf achtet man bei Kauf von Windparks?

Laut Frei gibt es drei Punkte, die bei der Bewertung von Projekten herangezogen werden: Umweltverträglichkeit, Akzeptanz bei der Bevölkerung und Rentabilität. Bei der Umweltverträglichkeit etwa gehe es um die Rücksichtnahme auf fliegende Tiere oder die Vermeidung von unnötigen Waldrodungen. Man kompensiere zudem auch das CO2, das durch Flüge der Mitarbeiter ins Ausland produziert werde.

Was passiert mit den Beteiligungen an den Schweizer Kernkraftwerken?

«Es ist schwierig, einen Käufer für diese Anteile zu finden», so Frei. Der Verkauf ist nötig, weil die Stadtzürcher im Juni 2016 den Ausstieg aus der Kernenergie bis 2034 beschlossen haben. Laut dem EWZ-Direktor hat man versucht herauszufinden, ob es Interessenten gibt. Mehr wolle er aktuell nicht dazu sagen.

(tam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • User79 am 20.06.2019 05:53 Report Diesen Beitrag melden

    Abhängigkeit

    Ist ja eine tolle Idee, unsere Atomenergie durch Windturbinen im Ausland zu ersetzen. Wenn die Beziehungen zur EU am abkühlen sind. Das ermöglicht die EU nur noch mehr druck aufzubauen.

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  • Nach Denker am 20.06.2019 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergleich hinkt

    Der Vergleich des Stromnetzes mit einem See hinkt gewaltig. Ein See ist ein Wasserspeicher, ein Stromnetz ist definitiv eine Verteileinrichtung und darin wird gar nichts gespeichert. Weiter nützt es auch nichts, wenn im Norden Strom produziert wird und es nur eine ganz dünne Leitung aus diesem 'See' nach Süden ins grüne Zürich führt. Da kommen höchstens ein paar Tropfen an. Wenn es dann im Winter kalt ist werden dienördlichen Länder den Strom selber brauchen, da nützen keine Verträge. Und eben, gespeichert wird nichts. Der See ist dann leer.

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  • J K am 20.06.2019 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strom

    Die hochgeprisene Energiewende aber doch nicht vor der eigenen Haustür. Wo bleibt die Unabhänigkeit?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nach wie vor am 21.06.2019 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    auf der Suche

    Das EWZ ist ja ein richtiger Influenzer. Nach dem es mit der Suche der Solarpanels, nach Hausdächern nicht geklappt hat müssen jetzt Windräder im Ausland her. Bezahlen tut wie immer der Verbraucher und die Transparenz wird nach wie vor vermisst. Kann es sein, dass sich gewisse Komponenten und Faktoren betreffend Erhalt schneller Baubewilligungen selbst im Weg herum stehen?

  • ACC am 21.06.2019 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bekommen wir was wir zahlen

    Haben diese verantwortlichen sich mal überlegt,wenn also die gesamte Menge an produziertem Strom gemeinsam angeboten wird.Wie wollen sie dann verhindern dass mehr erneuerbare Energie verkauft wird als produziert wird.Könnte es sein dass wir Atom oder Kohle beziehen aber erneuerbaren zahlen.Das wäre dann wie Heizöl und Diesel grundsätzlich das gleiche Produkt aber unterschiedliche Preise.

  • André am 21.06.2019 03:15 Report Diesen Beitrag melden

    Alternative

    Obwohl ich schrieb " ja es gibt grünen Strom, behalte ich mir vor dass es besseres als Winkraft gäbe. Meeresströmungen sind 24 Std. permanent aktiv.

  • Alusru am 20.06.2019 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überall nur nicht bei uns

    Warum baut das EWZ nicht im eigenen Kanton? Ja, ja, die Goldküste würde der Anblick von Windrädern stören und schon gar nicht in unmittelbarer Nähe. Es gibt im Kanton Zürich sicher windstarke Gegenden! Wieviele Stromproduktionsstandorte gibt es überhaupt im Kanton Zürich? Kein KKW, keine Staumauer......

    • MaschIng am 20.06.2019 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alusru

      sicher? eben nicht.

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  • Kasper am 20.06.2019 19:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ziel ist es

    Die Preise anzuheben

    • Heinz Gross am 21.06.2019 00:37 Report Diesen Beitrag melden

      Höhere Kosten für den Normalobürger

      Wie mit dem Deckmantel 2000 Watt Gesellschaft, als ich plötzlich den teuren Strom nehmen musste und nicht mehr den Mix-Strom (inkl. AKW Anteil nehmen durfte). Danke für nichts!

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