Spreitenbach vs. Dietikon

05. März 2019 05:40; Akt: 05.03.2019 13:20 Print

Darum verprügeln sich Gangs für «Ghetto-Ehre»

Beim Shoppi Tivoli ist am Samstag eine Massenschlägerei ausgeartet. Jugendliche aus Spreitenbach und Dietikon erzählen, wie es so weit kommen konnte.

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Eine Massenschlägerei beim Shoppi Tivoli in Spreitenbach artete am Samstag aus. Ein 15-Jähriger aus Dietikon ZH wurde dabei verletzt. Sein Kontrahent, ein 16-Jähriger aus Spreitenbach, gab zu, ihn mit dem Messer attackiert zu haben. Seit Jahren herrscht eine Rivalität zwischen den Jugendlichen aus Spreitenbach und Dietikon. Die Jugendlichen aus Spreitenbach sind stolz auf ihren Ort: «Der Zusammenhalt ist stark. Man schaut zueinander und hilft sich gegenseitig», sagt eine Gruppe von zwölfjährigen Mädchen. Sie betonen aber: «Solange man nicht provoziert, passiert nichts. Einfach so schlägt keiner zu.» Für Edina und Edona ist das Shoppi Tivoli das Highlight in Spreitenbach: «Das ist unser Treffpunkt. Wir kommen nach der Schule hierher. Ein bisschen shoppen, herumsitzen und reden.» Gegen Dietikon haben die beiden 13-Jährigen grundsätzlich nichts: «Das ist mehr das Ding der Jungs.» Während die Jugendlichen stolz erzählen, zeigt sich die Dreifachmutter Magribe Morina besorgt: «Ich fühle mich zwar wohl in Spreitenbach, mache mir aber um meine Kinder Sorgen.» In der 27'000-Einwohner-Stadt Dietikon, wo der Ausländeranteil etwa 50 Prozent beträgt, gilt der Bahnhof als der Treffpunkt der Jugendlichen. Gleich in der Nähe vom Gefängnis Limmattal verbringen sie ihre Freizeit. «Ich finde Dietikon super, wir haben den schönsten Bahnhof und die Leute sind megakrass», sagt Ramadan. Lorenzo Toscano (18) findet den Zusammenhalt in Dietikon megacool:«Das macht den Ort aus. Gibt es mal Stress, halten wir zusammen.» Auch sein Kollege Alessio wohnt gern in Dietikon: «Wir suchen keinen Stress. Aber wenn jemand provoziert, dann gibts halt Streit.» Adel El Bendari hat wenig Verständnis für das Verhalten der Jugendlichen. Er arbeitet seit zehn Jahren am Bahnhof Dietikon: «Die Jugendlichen sind oft am Wochenende hier. Sie rauchen, saufen und randalieren. Auch Schlägereien sind keine Seltenheit.»

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Schon von der Autobahn aus sieht man die Hochhäuser: Triste Betonbauten prägen das Bild von Spreitenbach AG. Der Ausländeranteil beträgt in der knapp 12'000-Einwohner-Gemeinde 45,4 Prozent. 4,5 Prozent ist die Arbeitslosenquote. In der Aargauer Gemeinde gilt vor allem das Längacker-Quartier als das Ghetto. Eine Multikulti-Gegend, in der sich ein Wohnblock an den anderen reiht. Grünflächen sind wenige vorhanden, die Spielplätze sehen verwaist aus.

Gleich daneben befindet sich das Einkaufszentrum Shoppi Tivoli – seit letztem Samstag bekannt für eine Massenschlägerei unter 30 Jugendlichen. Ein 15-Jähriger aus Dietikon ZH wurde dabei verletzt. Sein Kontrahent, ein 16-Jähriger aus Spreitenbach, gab zu, ihn mit dem Messer attackiert zu haben.

«Das mit dem Abstechen war schon krass»

Die Jugendlichen aus Spreitenbach sind stolz auf ihren Ort: «Der Zusammenhalt ist stark. Man schaut zueinander und hilft sich gegenseitig», sagt eine Gruppe von zwölfjährigen Mädchen. Sie betonen aber: «Solange man nicht provoziert, passiert nichts. Einfach so schlägt keiner zu.» Eine Provokation könne zum Beispiel sein, wenn man die Mutter eines anderen beleidige.

Auch Edina und Edona sind stolz. Für die beiden ist das Shoppi Tivoli das Highlight: «Das ist unser Treffpunkt. Wir kommen nach der Schule hierher. Ein bisschen shoppen, herumsitzen und reden.»

«Ich mache mir Sorgen um meine Kinder»

Gegen Dietikon haben die beiden 13-Jährigen grundsätzlich nichts: «Das ist mehr das Ding der Jungs.» Dabei sei es normal, dass es hin und wieder Stress mit rivalisierenden Gruppen gebe: «Das mit dem Abstechen am Samstag war aber schon krass», so Edona.

Während die Jugendlichen stolz erzählen, zeigt sich die Dreifachmutter Magribe Morina besorgt: «Ich fühle mich zwar wohl in Spreitenbach, mache mir aber um meine Kinder Sorgen.» Diese seien noch klein, kämen aber auch irgendwann ins Teenageralter. Sogar über einen Umzug hat die 39-Jährige nachgedacht: «Wir brauchen sowieso eine grössere Wohnung. Und etwas ländlicher und ruhiger zu wohnen, würde auch nicht schaden.»

«Wenn jemand Stress macht, stehen wir zusammen»

Weniger Hochhäuser, dafür die gleiche Trostlosigkeit wie in Spreitenbach: In der 27'000-Einwohner-Stadt Dietikon, wo der Ausländeranteil etwa 50 Prozent beträgt, gilt der Bahnhof als der Treffpunkt der Jugendlichen. Gleich in der Nähe vom Gefängnis Limmttal verbringen sie ihre Freizeit. Umgeben von zahlreichen Imbissständen und heruntergekommen Häusern, treffen sie sich vor allem am Wochenende hier.

«Viele wohnen gleich in der Nähe», sagt Ramdan. Der 17-Jährige nennt sich gerne Baron Salahudin. Der Dietiker ist trotz der tristen Umgebung stolz auf seine Stadt: «Ich finde den Ort super, wir haben den schönsten Bahnhof und die Leute sind megakrass.» Was Dietikon für ihn besonders speziell macht, ist der Zusammenhalt: «Dieser ist unglaublich stark. Wenn jemand Stress macht, stehen wir zusammen», so der 17-Jährige.

«Die sind stolz auf ihre Taten»

Auch für Lorenzo und Alessio ist der Zusammenhalt das Coole an Dietikon: «Das macht den Ort aus. Gibt es mal Stress, halten wir zusammen», sagen die beiden stolz. Wobei man nicht bewusst nach Streit suche: «Aber wenn jemand provoziert, dann gibts halt Streit.» Eine Provokation könne schon sein, wenn jemand krass tue: «Das bringt Chaos.» Für den 18-Jährigen sei das aber normal: «Da ist halt so in Dietikon. Ein bisschen Stress da, ein bisschen Stress dort. Ein bisschen Sachen erobern.»

Adel El Bendari hat wenig Verständnis für das Verhalten der Jugendlichen. Der 42-Jährige arbeitet seit zehn Jahren beim Brezelkönig am Bahnhof Dietikon: «Die Jugendlichen sind oft am Wochenende hier. Sie rauchen, saufen und randalieren. Auch Schlägereien sind keine Seltenheit.» Erst letzte Woche habe er einen Jugendlichen ermahnt, nicht gegen die Türe der Toilette zu treten: «Ihm war das egal, die sind noch stolz auf ihre Taten.» Die Massenschlägerei in Spreitenbach habe ihn deshalb nicht verwundert: «Man hat so etwas erwartet. Irgendwann musste es ausarten.»

«Es wird kein Blutbad geben»

Der Dietiker Ramadan war bei der Massenschlägerei beim Shoppi Tivoli in Spreitenbach dabei: «Es ist eine langjährige Rivalität zwischen den beiden Ortschaften.» Die Provokationen in den letzten Wochen haben das Fass aber zum Überlaufen gebracht. «Wir haben uns beim Shoppi getroffen, weil wir persönliche Probleme miteinander haben.»

Erwartet habe man aber einen fairen Männerkampf: «Wir wollten mit Fäusten kämpfen. Dass jemand ein Messer zückt, hat uns überrascht. Das war unehrenhaft.» Seit dem Vorfall seien die Dietiker nicht nur wütend, sie passen jetzt noch mehr aufeinander auf. Rache soll es aber keine geben: «Das werden wir privat regeln. Wir wollen das Gespräch suchen.» Der 17-Jährige verspricht: «Es wird kein Blutbad geben.»

(mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • CarlitosWay am 05.03.2019 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der 17Jährige verspricht??? lol

    Diese Jungs denken die sind schon krass..... lol Sind sie aber nicht..... alles kleine "lusbuebe" Ihr redet von Ehre? Die meisten von euch kann da wort nicht mal schreiben.... 13-17Jährige leben am limit.... hahaha.... Geht mal arbeiten und zahlt steuern.... Heiratet und werdet vorbildsväter ..... DAS IST EHRE UND EHRENHAFT...... DAS VERDIENT RESPEKT..... nicht das was ihr macht...... Wanna be Gangstas..... Werdet erwachsen.....

  • Morpheus am 05.03.2019 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Unbedingt cool sein

    Ach die verwechseln die humanen CH-Aglo mit East L.A. oder echten Problemvierteln. Wären diese harten Jungs wirklich im echten Ghetto, würden sie nicht eine Woche überleben. Im Gegensatz zu anderen Ländern, lässt die Schweiz niemanden verhungern, sollen dankbar sein dafür und auch langsam mit der Gegenleistung rüberkommen.

  • Pat am 05.03.2019 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz

    Entschuldigung wir sind hier in der Schweiz und nicht in den USA. Wem das nicht passt, der darf ruhig gehen. Wir Schweizer halten niemand zurück und wenn ihr da bleiben wollt, dann wäre doch Respekt und Wertschätzung ein guter Ansatz für Ruhe und Frieden oder?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pedro Solbes Bern am 05.03.2019 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Respekt

    Je grösser das Messer desto kleiner der Mann

  • The Warriors am 05.03.2019 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Film von 1979

    Damals wurde der Film von vielen belächelt, Heute schon die Realität. Dieser Film zeigt wie es NICHT Funktioniert, das zusammenleben. Der Film war seiner Zeit weit voraus für Europa, aber heute scheint sich auch dieser Realistisch zu werden, damals wie Heute der zustand in den USA. Schaut euch einmal diese Gangs überall an die auch in der Schweiz entstehen, egal ob Motorrad Clubs oder Clubs ohne Motorrad, die zugehörigkeit zu einer Gang Gewinnt immer mehr an beteudung, auch bei uns. Schaut nach Deutschland, dort bekämpfen sie gerade diese Clan-Gangs.

  • Walt1 am 05.03.2019 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Ehre

    Eine Schlägerei hat nichts mit Ehre zu tun. Somit haben sie sich gleich gegenseitig entehrt und den Namen der Städte.

  • Leser am 05.03.2019 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    Warum darüber immer wieder berichten?

    Ich verstehe nicht, dass diese Schandtat hier eine Plattform findet. Einfach diese Schmalspurgangster nicht beachten.

  • Ghettos am 05.03.2019 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Kiddys

    Jetzt ist einer mit dem Messer gekommen das nächste mal werden es mehr sein da die kleinen (Ghetto kids ) das nicht auf sich sitzen lassen werden oder sie lassen es weill sie Ghetto kiddys sind