Todesfälle bei Herz-OP

25. Juni 2019 22:49; Akt: 26.06.2019 01:55 Print

Das Kispi reagiert auf doppelt so hohe Todesrate

Am Zürcher Kinderspital sterben doppelt so viele Patienten mit hypoplastischem Linksherzsyndrom wie an anderen Spitälern. Die Spitalleitung mag aber nicht verglichen werden.

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Laut einer Studie sollen Kinder, die mit dem sogenannten Hypoplastischen Linksherzsyndrom, einem schweren Herzfehler, auf die Welt kommen, während der Behandlung im Kinderspital Zürich im Vergleich zu anderen Spitälern doppelt so oft sterben. Zum Vergleich: Im Kinderherzzentrum Giessen (D) sind lediglich 15 Prozent der Kinder gestorben. Das Kinderspital will aber nicht mit anderen Spitälern verglichen werden. Unter anderem, weil ihre Patienten zu 61 Prozent sogenannte Hochrisiko-Patienten seien. Gemäss dem ehemaligen Chefchirurg des Herzzentrums am Kinderspital Zürich, René Prêtre, sei bei einer Operation dieser Art aber nicht allein der Chirurg wichtig: «Die Kardiologie und die Intensivstation haben einen grossen Einfluss darauf, wie viele Kinder überleben», sagt Prêtre. Doch genau dort soll es in vergangener Zeit zu massiven Spannungen und Auseinandersetzungen gekommen sein. Dass unter den Ärzten des Kispi tatsächlich nicht alles im Reinen ist, zeigt der Fall von Johanna und Daniel Weckermann, die ihre Tochter Sina Ende März wegen eines Herzleidens verloren haben. Johnna und Daniel Weckermann fühlten sich durch die angespannte Stimmung in der Abteilung Herzchirurgie des Kinderspitals Zürich sehr belastet. Interne Konflikte unter den Teams hätten unter anderem dazu geführt, dass wichtige Informationen zwischen den Abteilungen verloren gegangen seien. (Symbolbild) Die Weckermanns mussten auch mit ansehen, wie Mitglieder der verschiedenen Teams hitzige Diskussionen am Bett ihres Kindes führten.

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Die hohe Sterberate bei Patienten mit hypoplastischem Linksherzsyndrom ist kein gutes Zeugnis für die Abteilung Herzchirurgie des Zürcher Kinderspitals. Zwischen den Jahren 2015 und 2018 starben sieben von 18 operierten Kindern bis zum zweiten Eingriff. Diese Zahlen sind im Vergleich zu anderen Spitälern doppelt so hoch: Während beim Kispi also 39 Prozent der Patienten mit dem seltenen Herzfehler es nicht zur zweiten Operation schafften, starben etwa im holländischen Utrecht lediglich 19 Prozent der Kinder mit dem gleichen Herzfehler. Im deutschen Giessen waren es 18 Prozent.

Die am Montag veröffentlichten Zahlen zeigen zudem, dass sich im Laufe der Jahre an der Situation nichts verbessert hat: CH Media hatte vor fünf Wochen bereits darüber berichtet, dass 39 Prozent der Kinder mit dem schweren Herzfehler zwischen Jahre 2001 bis 2014 gestorben seien. Als Reaktion auf den Bericht hatte die Leitung des Kinderspitals erklärt, es handelte sich um «veraltete Zahlen».

Kispi mag keine Vergleiche

Doch auch in Bezug zum jüngsten Ergebnis lässt das Kispi keine Kritik zu, wie CH Media schreibt. Es wolle nicht auf Basis dieser Zahlen mit anderen Spitälern verglichen werden, weil es sehr wenige Fälle seien. Die doppelt so hohe Sterberate erklärte die Spitalleitung damit, dass die Patienten zu 61 Prozent sogenannte Hochrisiko-Patienten seien – Frühchen, Kinder mit weiteren Missbildungen oder genetischen Erkrankungen. Oliver Kretschmar, Co-Leiter der Kardiologie, sagte, üblich sei ein Hochrisiko-Anteil von etwa einem Drittel.

Kommunikation muss verbessert werden

Die Abteilung Herzchirurgie des Kinderspitals sorgt schon lange für Schlagzeilen. Erst kürzlich hatte SRF darüber berichtet, wie interne Konflikte im Spital unter anderem dazu geführt hätten, dass wichtige Informationen zwischen den Abteilungen verloren gegangen seien. Mitglieder der verschiedenen Teams würden gar Diskussionen vor den Eltern der kranken Kindern führen.

Zudem habe das Kinderspital Probleme, mit Eltern umzugehen, lautete der Vorwurf eines Vaters, der Ende März seine Tochter im Kispi verloren hatte. Martin Meuli, Direktor der Chirurgischen Klinik, gab daraufhin Fehler in der Kommunikation zu. Man sei aber daran, Verbesserungen zu erzielen.

(kle)