Gegen 400 Tiere im ganzen Kanton

29. November 2017 05:48; Akt: 29.11.2017 11:12 Print

Dem Biber wird es bald zu eng im Zürcher Weinland

Im Kanton Zürich leben mittlerweile gegen 400 Biber. Vor allem im Norden sind seine Lebensräume schon ziemlich voll.

Hier schwimmt der Stadtzürcher Biber in der Limmat. (Video: Leser-Reporter)
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Insbesondere im nördlichen Kantonsteil besiedelten in den letzten Jahren sowohl Einzeltiere als auch ganze Biberfamilien laufend neue Gewässerabschnitte. «80 bis 85 Prozent aller Biber im Kanton haben sich im Weinland angesiedelt», sagte Jürg Zinggeler von der Jagd- und Fischereiverwaltung am Dienstag in Neftenbach vor den Medien.

Inzwischen leben im Kanton Zürich gegen 400 dieser scheuen Nagetiere. «Der Bestand wird weiter zunehmen», sagte Zinggeler. Je mehr Gegenden revitalisiert würden, desto besser könne sich der Biber entwickeln und ausbreiten. Im Norden des Kantons sei das Potenzial für neue Reviere aber allmählich erschöpft.

Doch im Süden dürfte sich der einst ausgestorbene Nager in den nächsten Jahren weiter ausbreiten, wie das neuste Biber-Monitoring der Baudirektion zeigt. Alle drei Jahre lässt die Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich erheben, wo und in welcher Zahl sich Biber im Kanton angesiedelt haben.

Biber bei der Werdinsel

Während im Norden des Kantons die Anzahl Reviere stabil blieb, nahm sie im Süden zu. «Die Biber kommen entlang der Limmat vom Kanton Aargau her Richtung Zürich», sagte Zinggeler. So wurde bei der Werdinsel in der Stadt Zürich auch erstmals ein Tier auf städtischem Gebiet entdeckt. Vermutlich ein Einzeltier, wie Zinggeler sagte.

Er könnte ein Vorbote sein für weitere Tiere, die sich Richtung Stadt und See nähern. «Es ist eine Frage der Zeit, bis wir dieses Nagetier auch im Zürichsee antreffen werden», sagte der Adjunkt der Jagd- und Fischereiverwaltung. Auch die Sihl, die Reppisch, der Pfäffikersee und die Eulach sind bisher nicht besetzte Gewässer.

Der Biber-Bestand stieg in den letzten drei Jahren um 29 Prozent auf rund 400 Tiere, die Zahl der Reviere kletterte um 22 Prozent auf 106. Damit hat die Population stärker zugenommen als in der Vorperiode. Die Zunahme der Reviere hat sich aber verlangsamt.

Neue Reviere entstanden im Einzugsgebiet der Glatt sowie entlang der Reuss, der Limmat und der Töss. Ganz neu besiedelt wurden die Kempt, die Töss oberhalb von Winterthur und der Bolsternbach bei Kollbrunn. Die freiwilligen Helferinnen und Helfer beobachteten dabei deutlich mehr neue Familienreviere als Einzel- beziehungsweise Paar-Reviere.

Konstengünstige Revitalisierung

Helfen Revitalisierungen dem Biber sich auszubreiten, ist er aber auch selber sehr aktiv in diesem Geschäft: «Er hilft uns, diese kostengünstig umzusetzen», sagte Wolfgang Bollack von der Zürcher Baudirektion. Und Urs Wegmann von der Biber-Fachstelle betonte: «Ausserdem trägt er einen grossen Teil zur Artenvielfalt bei.»

Mit seinen Hauptbeschäftigungen Bäume fällen, Stauen und Graben schafft der Biber Totholz und neue Gewässer - und damit Lebensräume für neue Tiere. «Überall, wo der Biber auftaucht, finden wir danach eine Vielzahl von Arten, die vorher nicht da waren», sagte Wegmann.

Als Beispiele nannte er etwa den Eisvogel, die Geburtshelferkröte, die Ringelnatter oder auch Wattvögel. Doch nicht immer gräbt und baut der zweitgrösste Nager Europas an Stellen, wo der Mensch es gerne hätte, wie der Leiter der Fachstelle erklärte. Dies könne auch zu Konflikten führen.

So untergräbt der Biber zuweilen auch Strassen und Wege. «Dann müssen wir ihn in die Schranken weisen», sagte Wegmann. In Neftenbach war dies etwa nötig, weil der Nager in den künstlichen angelegten Weihern der Strassenabwasserbehandlungsanlage zu stauen begann und damit das System durcheinanderbrachte.

Wie in der kanadischen Wildnis

Den Fachleuten gelang es, mit Hilfe von mit Kieselsteinen gefüllten Petflaschen, die über dem Zufluss des Weiher aufgehängt wurden, den Biber am Zugang zu hindern. Stattdessen baute er weiter vorne am Bach einen riesigen Damm, durch welchen ein neuer, natürlicher Weiher entstand. «Wie der Biber, sind auch seine Dämme geschützt», betonte Wegmann.

Als einmaliges Beispiel in der Schweiz für die Ansiedlung der Biber nannte er den im Waldstück Niederholz bei Marthalen in den letzten Jahren entstandenen Bibersee und die märchenhafte Auenlandschaft. «Da wähnt man sich fast in der kanadischen Wildnis», sagte Wegmann.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realizer am 29.11.2017 07:29 Report Diesen Beitrag melden

    Bîber

    Schön ist der Biber zurück. Das tut der Natur gut. Der Mensch hat ihn fast ausgerottet, aber glücklicherweise früh genug gemerkt das man Ihn schützen muss. Wenn das nur bei allen Tierarten so wäre!

  • Maler50 am 29.11.2017 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Problem

    Er wird halt ausweichen,kein Problem. Die pure Natur ist schön!

  • Nikola am 29.11.2017 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön!

    Schön! Dass es auch mal an Wildtieren zunimmt und die Schweiz das Kontrolliert. Natur sollte sich schon längsten erholen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nikola am 29.11.2017 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön!

    Schön! Dass es auch mal an Wildtieren zunimmt und die Schweiz das Kontrolliert. Natur sollte sich schon längsten erholen...

  • Maler50 am 29.11.2017 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Problem

    Er wird halt ausweichen,kein Problem. Die pure Natur ist schön!

  • Grizzly am 29.11.2017 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosse Schäden, keiner zahlts

    Alles gut und recht, ich mag Biber ebenso, wie auch die Natur. ABER wenn Ihr solche Gesetze stellt, kommt wenigstens für die immensen Summen an Schäden auf die dadurch entstehen. Langsam aber sicher reichts mit der übermässigen Schützerei. Jeder dem die eigenen Bäume haufenweise umfallen weiss wovon ich spreche.

    • Biber am 29.11.2017 12:15 Report Diesen Beitrag melden

      Tierfreund

      Ich finde wir Menschen richten Tagtäglich viel mehr Schäden an überall auf der Welt! Der Mensch sollte sich mal zurück nehmen. Wir sind nicht die Schöpfung!

    • Verena C. am 29.11.2017 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      @Grizzly

      Bei uns übermässigen Tierschutz und dann Stopfleber zu lassen, das ist Schweizer-Politik die bei mir nicht mehr stimmt.

    einklappen einklappen
  • Realizer am 29.11.2017 07:29 Report Diesen Beitrag melden

    Bîber

    Schön ist der Biber zurück. Das tut der Natur gut. Der Mensch hat ihn fast ausgerottet, aber glücklicherweise früh genug gemerkt das man Ihn schützen muss. Wenn das nur bei allen Tierarten so wäre!