Echte Reue gezeigt

11. Februar 2011 18:28; Akt: 11.02.2011 18:38 Print

Dem Freund in den Rücken geschossen

von Attila Szenogrady - Szenen wie aus dem Kultfilm «Pulp Fiction»: Ein 18-jähriger Zürcher hat im fahrenden Auto mit einer geladenen Pistole gespielt und damit seinem Freund aus Versehen den Rücken geschossen. Er wurde verurteilt.

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Es war am späten Abend, als ein junger Schweizer am 19. Juni 2009 in Begleitung von zwei Freunden mit seinem Personenwagen von Schwamendingen in Richtung Höngg fuhr. Auf dem Rücksitz befand sich der damals 18-jährige Angeklagte, der mit einer geladenen Pistole herumspielte.

Auf dem Beifahrersitz hielt sich ein 17-jähriger Schweizer auf. Drei Tage später konnte dieser froh sein, dass er noch seinen 18. Geburtstag erleben durfte.

Steckschuss in der Leber

Fest steht, dass der Pistolenhalter aus Versehen am Abzug drückte und sich ein Schuss löste. Die Kugel durchschlug die Rücklehne und drang in den Körper des Geschädigten ein. Das Opfer hatte Glück im Unglück. So richtete der Steckschuss in der Leber keine tödlichen Verletzungen an. Allerdings könnte das Projektil noch in einigen Jahrzehnten eine Bleivergiftung nach sich ziehen. So ein ärztliches Gutachten.

Schuld auf afrikanische Kügeli-Dealer geschoben

Nach dem Unglück begaben sich die zwei unverletzten Jugendlichen nach dem Krankenhaus zur Polizei. Allerdings schoben sie den Schwarzen Peter angeblichen Kügeli-Dealern aus Westafrika in die Schuhe. So hätten die Drogenhändler nach Kokain gefragt und danach plötzlich das Feuer eröffnet, logen sie den Polizeibeamten vor. Allerdings entpuppte sich diese Version nur allzu bald als Märchen. Worauf der Pistolenhalter alles zugab und erklärte, dass er die Waffe im Januar 2009 illegal für 150 Franken erworben hatte.

Echte Reue gezeigt

Am Freitag stand der Angeklagte vor dem Bezirksgericht Zürich und zeigte echte Reue. So habe er seinen besten Freund verletzt und leide deswegen heute noch unter Alpträumen, führte der in schwierigen Verhältnissen aufgewachsene Schweizer glaubhaft aus.

Das Gericht verurteilte den umfassend geständigen Beschuldigten wegen fahrlässig schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten sowie 1000 Franken Busse. Hinzu kamen weitere Schuldsprüche wegen Konsums von Marihuana, Verkehrsdelikten sowie Hinderung einer Amtshandlung im Rahmen einer Polizeikontrolle. Die Staatsanwaltschaft hatte 16 Monate bedingt gefordert, die Verteidigung 12 Monate auf Bewährung. Die Richter wählten die Mitte.