Zollikerberg

10. Mai 2012 08:00; Akt: 10.05.2012 17:03 Print

Dem Nachbarn die Zähne eingeschlagen

von Attila Szenogrady - Tatort Zollikerberg: Im Streit um umstrittene Parkplätze hat der Ehemann einer Wirtin einem aufgebrachten Anwohner mit einem Faustschlag die Zähne ausgeschlagen. Seit gestern gilt der nicht geständige Boxer als rechtskräftig verurteilt.

Fehler gesehen?

In einer Liegenschaft der Gemeinde Zollikerberg schwelt schon seit mehreren Jahren ein gehässiger Streit um mehrere freie Parkplätze. Auf der einen Seite steht ein Wirtepaar eines Korea-Restaurants. Es handelt sich um einen deutschen Staatsangehörigen und seine aus Asien stammenden Frau. Ihnen gegenüber steht ein Schweizer Ehepaar, das ein Tanzstudio betreibt.

Fest steht, dass am 28. November 2009 die Situation eskalierte. Grund dafür: Am Abend erschien eine Tanzstundenbesucherin mit ihrem Auto und stellte ihren Wagen auf einem Parkplatz vor dem Restaurant ab. Worauf der heute 58-jährige Deutsche das Lokal verliess und die Hobby-Tänzerin mit harschen Worten zurecht wies.

Ein Faustschlag mit rechtlichen Folgen

Die Leiterin des Tanzstudios bekam die Rüge mit und hetzte nun ihren 43-jährigen Gatten auf. Er sollte das Restaurant aufsuchen und dem Wirtepaar die Leviten lesen. Was dann auch bald passierte. So tauchte der Geschädigte im Lokal auf und beschimpfte den deutschen Elektromeister und fuchtelte mit seinem Zeigefinger vor seiner Nase herum. Es folgte ein Gerangel, wobei der Deutsche plötzlich mit seiner Faust ausfuhr und seinem Gegner einen wuchtigen Schlag gegen den Mund versetzte. Danach verliess der unerwünschte Besucher die Beiz und begab sich in ärztliche Behandlung. Da er auch die Polizei einschaltete, hatte der Faustschlag auch rechtliche Folgen.

Schuldspruch doch noch akzeptiert

Im letzten Oktober musste sich der Deutsche zunächst vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Er beteuerte seine Unschuld und führte aus, dass sich der Geschädigte an der Türe gestossen und sich damit die Verletzung selber zugezogen habe. Eine Version, die das Gericht als lebensfremd abwies und den Beschuldigten wegen Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 80 Franken sowie 800 Franken Busse verurteilte. Zudem sollte der Verurteilte dem Geschädigten ein Schmerzensgeld von 1000 Franken bezahlen. Nicht zuletzt eine Prozessentschädigung von über 4000 Franken. Niemals, erklärte zunächst der Unterlegene und ging in die Berufung.

Am Mittwoch stand deshalb der Prozess beim Obergericht auf dem Programm. Allerdings sorgte der Beschuldigte kurz vor der Verhandlung für eine Ueberraschung. Er zog alle seine Anträge zurück und akzeptierte damit den erstinstanzlichen Entscheid. Die Gründe für den Rückzug sind unklar. Vielleicht hatten ihn die drohenden Kostenfolgen bei einer erneuten möglichen Niederlage abgeschreckt.