«Sollten vorwärts machen»

03. September 2018 05:45; Akt: 03.09.2018 08:22 Print

Den Gemeinden fehlen im Notfall die Defibrillatoren

von T. Mathis - Das Interesse an Defibrillatoren steigt stetig. Die VBZ etwa bestellten 35 neue Geräte. Eine Umfrage zeigt aber, dass der Nachholbedarf vor allem in kleineren Gemeinden gross ist.

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Bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) sorgen ab dieser Woche 35 zusätzliche Defibrillatoren für mehr Sicherheit. Ein grosser Teil davon ist auf dem Firmengelände installiert. Einige Geräte sind aber auch auf die Troubleshooter-Fahrzeuge verteilt worden und damit mobil einsetzbar.

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«Bei uns gilt der Grundsatz, dass von jedem Ort auf dem Areal in drei Minuten ein Defibrillator zur Verfügung steht», sagt VBZ-Sprecher Oliver Obergfell. Grund dafür sei das erhöhte Gefahrenpotenzial, das sich unter anderem durch die Fahrleitungen ergebe. Eine Überprüfung der Situation habe ergeben, dass das bisher nicht auf dem ganzen Gelände der Fall gewesen sei.

Trams und Busse werden vorerst nicht ausgerüstet

Deshalb haben die VBZ nun 35 Geräte bestellt, sodass bald 64 Defibrillatoren verfügbar sind, die im Notfall Leben retten. In Trams und Bussen oder an Haltestellen will man vorerst keine Geräte anbringen. «Das Netz von Defibrillatoren im öffentlichen Raum ist bereits dicht und mit der Ausrüstung der Troubleshooter-Fahrzeuge kann dieses nochmals verdichtet werden.»

Einen anderen Weg wählt die Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU). Sie prüfen, ob sie in Zukunft die grösseren Stationen mit einem Gerät ausrüsten wollen. Ein Entscheid sei allerdings noch nicht gefallen.

Interesse an Defibrillatoren steigt

Geliefert werden die Geräte vom Familienunternehmen Sanität24.ch. In nur zwei Jahren konnten sie 8000 neue Kunden gewinnen – Tendenz steigend. «Auch kleinere Firmen und Gemeinden kaufen immer häufiger einen Defibrillator, insbesondere nach einem Vorfall», sagt Inhaber Marcel Maurer.

Insgesamt werden laut Maurer in der Schweiz jährlich rund 2000 Geräte verkauft. «Ein gutes Gerät gibt es bereits für 1700 Franken. Das ist nur ein bisschen mehr als ein neues iPhone», so Maurer. Dennoch sei die Dichte der Geräte noch tief. «Die Stadt Zürich nimmt in diesem Bereich eine Vorreiterrolle ein. Die Landgemeinden sind eher schlecht versorgt.»

«Es braucht technologisch fortgeschrittene Lösungen»

Das Limmattaler Start-up Lifetec One spürt den steigenden Bedarf ebenfalls. «Gemeinden sind besonders dann interessiert, wenn man ihnen eine technologisch fortgeschrittene Lösung anbietet, die öffentlich zugänglich angebracht werden kann», sagt Inhaber Mirko Djuric.

Seine Firma hat deshalb ein entsprechendes Gerät entwickelt. «Unser Notfallsystem wird über das Mobilfunknetz von Swisscom rund um die Uhr überwacht, so dass jederzeit sichergestellt ist, dass es einsatzbereit ist.» Damit entfalle die aufwendige Kontrolle vor Ort.

Befragung zeigt grossen Nachholbedarf

Dass aber noch Nachholbedarf besteht, belegt auch eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz. Eine Befragung von 31 Gemeinden hat ergeben, dass insbesondere kleinere Gemeinden kaum ein Notfallkonzept kennen. Bei privaten Unternehmen und in den Städten ist die Situation besser.

Grund dafür sei, dass es keinen gesetzlichen Zwang gebe. «Solange die rechtlichen Grundlagen fehlen, werden sich die Gemeinden solche Kosten sparen», sagt Studienleiter Volker Schulte. Es bestehe deshalb grosser Handlungsbedarf. «Ein Defibrillator verbessert die Chancen einer erfolgreichen Wiederbelebung. Die Gemeinden sollten vorwärts machen und öffentlich zugängliche Defibrillatoren aufstellen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Lustig am 03.09.2018 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    der Defi alleine bringe sehr wenig

    ein Defi ist keine Wunderwaffe und bringt herzlich wenig, wenn niemand da ist der CPR kann. der Defi ist eine sinnvolle Ergänzung, aber wirklich effektiv wäre, wenn die breite Masse der Bevölkerung wüsste wie man beatmet und eine herzdruckmassage durchführt.

  • Vorname Name am 03.09.2018 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    First responder und AED's retten Leben!

    Ich war vor kurzem in Wien. Da gibts in der Stadt verteilt Wegweiser zu AED's. Gebäude welche haben,sind auch gekennzeichnet. Bei den, von der Stadt aufgestellten, frei zugänglichen gibts sogar Infotafeln wie basic life support funktioniert. Der einzige Kanton in der Schweiz der eine Überlebenschance von ca. 50% bei einem Herzstillstand bietet, ist das Tessin. Dort gibts das weitest fortgeschrittene first responder Netz und viele verfügbare AED's welche auch mit Drohnen an abgelegene Orte gebracht werde. Schade gibt es in dieser Sache den Kantönligeist und jeder bastelt ein eigenes System.

  • polkadot am 03.09.2018 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zivilisationswut

    zuwenig platz und personal in den pflegeheimen, zuwenig alterswohnungen. fangen wir nicht am falschen ende an?

Die neusten Leser-Kommentare

  • W.Itzig am 03.09.2018 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wer kann damit umgehen?

    Warum nicht auch noch Sauerstoffmasken und Blutkonserven überall feilhalten?

  • Uncle SAM am 03.09.2018 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Ich hab zum Laden meiner Batterie ein Ladegerät.

  • polkadot am 03.09.2018 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zivilisationswut

    zuwenig platz und personal in den pflegeheimen, zuwenig alterswohnungen. fangen wir nicht am falschen ende an?

  • Dieter G. am 03.09.2018 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Erste Hilfe statt Defi

    Lieber sollten wir Erste Hilfe Kurs obligatorisch machen. Ich gewinne eher im Lotto, als dass ich mal in die Verlegenheit kommen werde einem Menschen mit einem Defi das Leben zu retten.

    • MVBZ am 03.09.2018 12:18 Report Diesen Beitrag melden

      warum lieber

      Das eine schliesst doch das andere nicht aus

    einklappen einklappen
  • Vorname Name am 03.09.2018 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    First responder und AED's retten Leben!

    Ich war vor kurzem in Wien. Da gibts in der Stadt verteilt Wegweiser zu AED's. Gebäude welche haben,sind auch gekennzeichnet. Bei den, von der Stadt aufgestellten, frei zugänglichen gibts sogar Infotafeln wie basic life support funktioniert. Der einzige Kanton in der Schweiz der eine Überlebenschance von ca. 50% bei einem Herzstillstand bietet, ist das Tessin. Dort gibts das weitest fortgeschrittene first responder Netz und viele verfügbare AED's welche auch mit Drohnen an abgelegene Orte gebracht werde. Schade gibt es in dieser Sache den Kantönligeist und jeder bastelt ein eigenes System.